Mittwoch, 1. Dezember 2004 17:15
Ein Sprecher der Katholischen Kirche in London dementierte gestern Presseberichte, wonach die im Irak entführte Mitarbeiterin eines Hilfswerkes zum Islam übergetreten sei. Sie sei vielmehr eine praktizierende Katholikin gewesen.

Der Chor der katholischen Kathedrale von Westminster in London
(kreuz.net) Der Erzbischof von Westminster (London), Cormac Kardinal Murphy-O’Connor (72), wird übernächsten
Samstag eine Requiem-Messe für die im Irak verschollene Frau Margaret Hassan (59) zelebrieren. Das berichtet
heute Times online.
Beim verstümmelten Menschenleib, der kürzlich in Fallutschah gefunden wurde, handelte
es sich offensichtlich nicht um die sterblichen Überreste von Frau Hassan, die im Irak als Leiterin eines
Hilfswerkes arbeitet.
Zwar sei die DNS-Untersuchung noch nicht abgeschlossen, aber Zahnuntersuchungen
hätten nachweisen können, daß es sich nicht um die Leiche von Frau Hassan handle. Damit ist ihr Schicksal
immer noch im Ungewissen.
Ein Sprecher der Katholischen Kirche in London dementierte gestern Presseberichte,
wonach Frau Hassan zum Islam übergetreten sei. Sie sei vielmehr eine praktizierende Katholikin gewesen.
Die Familie hat die Hoffnung aufgegeben, die Leiche von Frau Hassan zu finden. Deshalb hat man sich zu
einer Requiem-Messe entschlossen, ohne die Beerdigung abzuwarten.
Die aus dem Iran sendende Fernsehstation
Al-Tschasira hatte Mitte November ein Video erhalten, das die Erschießung einer orange gekleideten Frau
mit verbundenen Augen zeigt. Bis heute ist nicht einwandfrei geklärt, ob die Filmaufnahmen echt sind
und ob das Erschießungsopfer Frau Hassan ist.
Das Schicksal von Frau Hassan ist mit verschiedenen Geheimnissen
umgeben. Keine Gruppe bekannt sich zu ihrer Entführung. In einer Reihe von Videos stellt Frau Hassan
Forderungen, die mit den üblichen Postulaten der Terroristengruppe von Abu Musab al-Sarqaui nicht übereinstimmen.
Die Leichen anderer Entführter wurden geköpft und in öffentlichen Plätzen abgelegt, während Frau
Hassan immer noch verschollen ist. Die Gruppe um Al-Saraqaui dementierte in einer Botschaft auf einer
Homepage ausdrücklich, Frau Hassan entführt zu haben.
Kardinal Murphy-O’Connor sprach von „Trauer und
Schrecken“ als die Nachricht von der wahrscheinlichen Ermordung von Frau Hassan bekannt wurde.
Kurz darauf
setzt er sich mit Deirdre Manchanda, der Schwester von Margret Hassan, in Verbindung. Frau Manchanda gehört
zu einer Pfarrei der Erzdiözese Westminster: „Ich kann ihnen nicht sagen, was für eine Trauer ich für
Sie und für Ihre Familie empfinde“, sagte der Kardinal am Telephon.