China
Kardinal zelebriert bei Apostaten
Der Kardinalerzbischof von Los Angeles zelebrierte jüngst die Messe in einer Kirche in Schanghai, die zu der von den Kommunisten gegründeten und kontrollierten ‘Patriotischen Vereinigung’ gehört.
(kreuz.net, Schanghai) Die öffentliche Messe fand nach einem Bericht der Tageszeitung ‘Los Angeles Times’ vom 5. November in der Kirche St. Peter in Schanghai statt.

Schanghai ist eine Hafenstadt im Osten von China.

Die China-Richtlinien, die 1988 vom Vatikan publiziert und von Jozef Kardinal Tomko (81) – dem damaligen Präfekten der Missionskongregation – unterzeichnet wurden, verlangen ausdrücklich, daß eine „communicatio in sacris“ – Altargemeinschaft – mit der ‘Patriotischen Vereinigung’ vermieden wird.

Empört reagierte die ‘Kardinal Kung Stiftung’ auf die umstrittene Messe des Erzbischofs von Los Angeles, Roger Kardinal Mahony (69).

Die Stiftung ist das US-amerikanische Sprachrohr der in den Untergrund gedrängten Katholischen Kirche Chinas. Sie ist nach dem früheren Bischof von Schanghai, Ignatius Pin-Mei Kardinal Kung benannt.

Kardinal Kung verbrachte 30 Jahre in chinesischen Konzentrationslagern und wurde im Jahr 1979 von Papst Johannes Paul II. in pectore zum Kardinal erhoben. Seine Nominierung wurde 1991 öffentlich gemacht.

Der Märtyrerkardinal starb 98jährig im US-Exil. Seine Beerdigungsmesse wurde im März 2000 vom taiwanesischen Kardinal Paul Schan als Tridentinisches Pontifikalrequiem zelebriert.

„Ein Kardinal muß als Kirchenfürst ein Vorbild sein, dem man folgen kann. Darum sollte er die kirchlichen Richtlinien beachten und diesen nicht öffentlich widersprechen“, heißt es im Weihnachtsbrief der Kardinal-Kung-Stiftung.

Durch die öffentliche Messe des Kardinals in einer offiziellen Patriotischen Kirche in China werde der Widerspruch gegen die Richtlinien der Kirche öffentlich zur Schau gestellt.

Durch seine Gegenwart in einer Patriotischen Kirche habe der Kardinal – vielleicht unabsichtlich – auch die über 50jährige Kirchenverfolgung des chinesische Regimes ermutigt und gerechtfertigt.

„Damit vermittelte der Kardinal den Eindruck, daß er die repressive Religionspolitik der chinesischen Regierung unterstützt.“

Indirekt stelle sich Kardinal Mahony mit seiner Handlung auch hinter den Hirtenbrief, den die Bischofskonferenz der ‘Patriotischen Vereinigung’ vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht hatte.

Darin wurden alle Katholiken des Landes aufgerufen, die chinesische „Plattform für Frauenentwicklung’ zu unterstützten. Diese beinhaltet Geburtenkontrolle, Sterilisationen und Ein-Kind-Politik. Letztere zwingt schwangere Mütter, die bereits ein Kind besitzen, zur Abtreibung.

„Bei allem Respekt sind wir der Meinung, daß Kardinal Mahony der Römisch Katholischen Kirche in China mit seiner öffentlichen Messe in einer offiziellen Patriotischen Kirche keine Gerechtigkeit hat angedeihen lassen“, heißt es in der Erklärung.

Die Kardinal-Kung-Stiftung schrieb in dieser Sache auch an den Kardinal, erhielt aber bislang keine Antwort.