15:34:07 | Dienstag, 13. Dezember 2005
China
Kardinal zelebriert bei Apostaten
Der Kardinalerzbischof von Los Angeles zelebrierte jüngst die Messe in einer Kirche in Schanghai, die zu der von den Kommunisten gegründeten und kontrollierten ‘Patriotischen Vereinigung’ gehört.
(kreuz.net, Schanghai) Die öffentliche Messe fand nach einem Bericht der Tageszeitung ‘Los Angeles Times’
vom 5. November in der Kirche St. Peter in Schanghai statt.
Schanghai ist eine Hafenstadt im Osten von
China.
Die China-Richtlinien, die 1988 vom Vatikan publiziert und von Jozef Kardinal Tomko (81) – dem
damaligen Präfekten der Missionskongregation – unterzeichnet wurden, verlangen ausdrücklich, daß eine
„communicatio in sacris“ – Altargemeinschaft – mit der ‘Patriotischen Vereinigung’ vermieden wird.
Empört
reagierte die ‘Kardinal Kung Stiftung’ auf die umstrittene Messe des Erzbischofs von Los Angeles, Roger
Kardinal Mahony (69).
Die Stiftung ist das US-amerikanische Sprachrohr der in den Untergrund gedrängten
Katholischen Kirche Chinas. Sie ist nach dem früheren Bischof von Schanghai, Ignatius Pin-Mei Kardinal
Kung benannt.
Kardinal Kung verbrachte 30 Jahre in chinesischen Konzentrationslagern und wurde im Jahr
1979 von Papst Johannes Paul II. in pectore zum Kardinal erhoben. Seine Nominierung wurde 1991 öffentlich
gemacht.
Der Märtyrerkardinal starb 98jährig im US-Exil. Seine Beerdigungsmesse wurde im März 2000
vom taiwanesischen Kardinal Paul Schan als Tridentinisches Pontifikalrequiem zelebriert.
„Ein Kardinal
muß als Kirchenfürst ein Vorbild sein, dem man folgen kann. Darum sollte er die kirchlichen Richtlinien
beachten und diesen nicht öffentlich widersprechen“, heißt es im Weihnachtsbrief der Kardinal-Kung-Stiftung.
Durch die öffentliche Messe des Kardinals in einer offiziellen Patriotischen Kirche in China werde der
Widerspruch gegen die Richtlinien der Kirche öffentlich zur Schau gestellt.
Durch seine Gegenwart in
einer Patriotischen Kirche habe der Kardinal – vielleicht unabsichtlich – auch die über 50jährige Kirchenverfolgung
des chinesische Regimes ermutigt und gerechtfertigt.
„Damit vermittelte der Kardinal den Eindruck, daß
er die repressive Religionspolitik der chinesischen Regierung unterstützt.“
Indirekt stelle sich Kardinal
Mahony mit seiner Handlung auch hinter den Hirtenbrief, den die Bischofskonferenz der ‘Patriotischen Vereinigung’
vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht hatte.
Darin wurden alle Katholiken des Landes aufgerufen, die
chinesische „Plattform für Frauenentwicklung’ zu unterstützten. Diese beinhaltet Geburtenkontrolle,
Sterilisationen und Ein-Kind-Politik. Letztere zwingt schwangere Mütter, die bereits ein Kind besitzen,
zur Abtreibung.
„Bei allem Respekt sind wir der Meinung, daß Kardinal Mahony der Römisch Katholischen
Kirche in China mit seiner öffentlichen Messe in einer offiziellen Patriotischen Kirche keine Gerechtigkeit
hat angedeihen lassen“, heißt es in der Erklärung.
Die Kardinal-Kung-Stiftung schrieb in dieser Sache
auch an den Kardinal, erhielt aber bislang keine Antwort.