05:51:54 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
Benedikt XVI.
Benedikt XVI. in den Fußstapfen von Johannes XXIII.
Bei der gestrigen Generalaudienz zeigte sich Papst Benedikt XVI. mit dem sogenannten Camauro. Das letzte Mal sah man den Konzilspapst Johannes XXIII. mit dieser Kopfbedeckung.
(kreuz.net, Vatikan) Die gestern verwendete päpstliche Kopfbedeckung heißt Camauro. Der Camauro ist
eine mit Pelz besetzte rote Samtmütze. Im Winter besteht er aus rotem Samt und ist mit weißem Hermelin
gefüttert. Für den Sommer-Camauro werden leichtere Materialien verwendet.
Vom Mittelalter bis ins 19.
Jahrhundert war der Camauro die offizielle Kopfbedeckung der Päpste außerhalb der Liturgie.
Zuletzt
trug Johannes XXIII. die päpstliche Samtmütze.
Die Päpste wurden bis Johannes XXIII. auch immer mit
dem Camauro aufgebahrt.
Diese Kopfbedeckung entstand als verselbständigte Kapuze der Mozetta.
Die Mozetta
ist ein bis zu den Ellenbogen reichender und vorn geknüpfter roter Umhang, der vom Papst bei bestimmten
nichtliturgischen Anlässen getragen wird.
Im Sommer trägt der Papst – so will es die Tradition – die
rote Seidenmozetta ohne Besatz und im Winter eine Samtmozetta mit Hermelinbesatz. Für die Osteroktav
kleidet sich der Papst in einer weißen Mozetta mit weißem Hermelin.
Ursprünglich wurden der Camauro
und die Mozetta immer gemeinsam getragen. Bei der gestrigen Generalaudienz trug der Papst jedoch statt
der Mozetta eine leichte Form des Tabarro – Purpurumhang – über der weißen Greca. Die Greca ist der
weiße päpstliche Mantel.
Das Problem dieser Kombination bestand darin, daß Kopfbedeckung und Umhang
farblich nicht zusammenpaßten.
Der Camauro ist eine sehr alte Kopfbedeckung. Sein Ursprung geht vielleicht
auf den „Camelaucum“, der kaiserlich-byzantinischen Kopfbedeckung, zurück.
Der Camauro wird bereits
im Buch der Päpste – dem ‘Liber pontificalis’ – erwähnt. Dort steht, daß er schon von Papst Konstantin
(† 715) getragen wurde. Der ‘Liber pontificalis’ ist eine chronologisch geordnete Sammlung von päpstlichen
Biographien. Seine erste Ausgabe stammt aus der Zeit um 530.
Von den wie üblich mehr oder weniger gut
informierten Medien wurde der Camauro als „Weihnachtsmann-Hut“ bezeichnet. Einige versuchten sogar, geistreich
zu sein:
Man las Titel wie „Fast ein Weihnachtsmann“, „Papst holt weihnachtliche Kopfbedeckung aus Fundus“
oder „Papst Benedikts alter Hut“. Die Nachrichtenagentur ‘Reuters’ fragte: „Hier kommt der Weihnachtsmann –
nein, Moment: Ist das nicht der Papst?“
Der Grund für die Wiederbelebung des Camauro war nicht Weihnachten,
sondern der eisige römische Morgen und die Tatsache, daß die Audienz im Freien stattfand. Der Papst
ist von Konstitution und Alter her kälteempfindlich und kann sich aus beruflichen Gründen kurz vor Weihnachten
keine Erkältung leisten.
Während des Verlaufs der gestrigen Generaulaudienz trug der Heilige Vater
allerdings den Pileolus, die gewohnte weiße päpstliche Kopfbedeckung.
In seiner Audienzansprache –
ohne Camauro – warnte Benedikt XVI., Weihnachten durch materialistische Interessen zu verdunkeln. In einer
konsumorientierten Kultur gelte es, die christlichen Traditionen als Teil des Glaubens an die kommende
Generation weiterzugeben.
Auf Deutsch erinnerte der Papst an die Symbolik der Wintersonnenwende am 21.
Dezember. Danach werden die Tage in der nördlichen Hemisphäre wieder länger.
Der Papst deutete den
Tag in einem geistlichen Sinn: „Das Licht des Guten siegt über die Dunkelheit des Bösen. Die Liebe überwindet
den Haß. Das Leben besiegt den Tod.“
An Weihnachten erstrahle die Botschaft vom Sieg der Liebe Gottes
über Sünde und Tod.