Benedikt XVI.
Benedikt XVI. in den Fußstapfen von Johannes XXIII.
Bei der gestrigen Generalaudienz zeigte sich Papst Benedikt XVI. mit dem sogenannten Camauro. Das letzte Mal sah man den Konzilspapst Johannes XXIII. mit dieser Kopfbedeckung.
(kreuz.net, Vatikan) Die gestern verwendete päpstliche Kopfbedeckung heißt Camauro. Der Camauro ist eine mit Pelz besetzte rote Samtmütze. Im Winter besteht er aus rotem Samt und ist mit weißem Hermelin gefüttert. Für den Sommer-Camauro werden leichtere Materialien verwendet.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war der Camauro die offizielle Kopfbedeckung der Päpste außerhalb der Liturgie.

Zuletzt trug Johannes XXIII. die päpstliche Samtmütze.

Die Päpste wurden bis Johannes XXIII. auch immer mit dem Camauro aufgebahrt.

Diese Kopfbedeckung entstand als verselbständigte Kapuze der Mozetta.

Die Mozetta ist ein bis zu den Ellenbogen reichender und vorn geknüpfter roter Umhang, der vom Papst bei bestimmten nichtliturgischen Anlässen getragen wird.

Im Sommer trägt der Papst – so will es die Tradition – die rote Seidenmozetta ohne Besatz und im Winter eine Samtmozetta mit Hermelinbesatz. Für die Osteroktav kleidet sich der Papst in einer weißen Mozetta mit weißem Hermelin.

Ursprünglich wurden der Camauro und die Mozetta immer gemeinsam getragen. Bei der gestrigen Generalaudienz trug der Papst jedoch statt der Mozetta eine leichte Form des Tabarro – Purpurumhang – über der weißen Greca. Die Greca ist der weiße päpstliche Mantel.

Das Problem dieser Kombination bestand darin, daß Kopfbedeckung und Umhang farblich nicht zusammenpaßten.

Der Camauro ist eine sehr alte Kopfbedeckung. Sein Ursprung geht vielleicht auf den „Camelaucum“, der kaiserlich-byzantinischen Kopfbedeckung, zurück.

Der Camauro wird bereits im Buch der Päpste – dem ‘Liber pontificalis’ – erwähnt. Dort steht, daß er schon von Papst Konstantin († 715) getragen wurde. Der ‘Liber pontificalis’ ist eine chronologisch geordnete Sammlung von päpstlichen Biographien. Seine erste Ausgabe stammt aus der Zeit um 530.

Von den wie üblich mehr oder weniger gut informierten Medien wurde der Camauro als „Weihnachtsmann-Hut“ bezeichnet. Einige versuchten sogar, geistreich zu sein:

Man las Titel wie „Fast ein Weihnachtsmann“, „Papst holt weihnachtliche Kopfbedeckung aus Fundus“ oder „Papst Benedikts alter Hut“. Die Nachrichtenagentur ‘Reuters’ fragte: „Hier kommt der Weihnachtsmann – nein, Moment: Ist das nicht der Papst?“

Der Grund für die Wiederbelebung des Camauro war nicht Weihnachten, sondern der eisige römische Morgen und die Tatsache, daß die Audienz im Freien stattfand. Der Papst ist von Konstitution und Alter her kälteempfindlich und kann sich aus beruflichen Gründen kurz vor Weihnachten keine Erkältung leisten.

Während des Verlaufs der gestrigen Generaulaudienz trug der Heilige Vater allerdings den Pileolus, die gewohnte weiße päpstliche Kopfbedeckung.

In seiner Audienzansprache – ohne Camauro – warnte Benedikt XVI., Weihnachten durch materialistische Interessen zu verdunkeln. In einer konsumorientierten Kultur gelte es, die christlichen Traditionen als Teil des Glaubens an die kommende Generation weiterzugeben.

Auf Deutsch erinnerte der Papst an die Symbolik der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Danach werden die Tage in der nördlichen Hemisphäre wieder länger.

Der Papst deutete den Tag in einem geistlichen Sinn: „Das Licht des Guten siegt über die Dunkelheit des Bösen. Die Liebe überwindet den Haß. Das Leben besiegt den Tod.“

An Weihnachten erstrahle die Botschaft vom Sieg der Liebe Gottes über Sünde und Tod.