13:27:15 | Montag, 2. Januar 2006
Ablaß, Exorzismus und Latein sollen in der Kirche archiviert werden, damit „das Wesentliche“ nicht vergessen wird, erklärte ein bekannter deutscher Priester kürzlich in einem Gastkommentar.
(kreuz.net) Am Donnerstag vor Weihnachten publizierte der katholische Pfarrer Roland Breitenbach (70)
in der Würzburger Tageszeitung ‘Mainpost’ einen Gastbeitrag zum Thema: „Die Kirche vernachlässigt ihr
eigentliches Kerngeschäft“.
Hw. Breitenbach leitet seit über dreißig Jahren die Pfarrei St. Michael
in Schweinfurt. Der Ort gehört zur Diözese Würzburg in Bayern. Der Priester hat über 30 Bücher verfaßt
und wurde mit seinem Werk „Der kleine Bischof“, das bisher 17 Auflagen erlebte, bekannt.
„Unternehmen,
über denen der Pleitegeier kreist, sagt man, steckten ihre letzte Energie in Nebensachen und vernachlässigten
ihr Kerngeschäft“, berichtet Pfarrer Breitenbach in seinem Gastbeitrag.
„Immerhin mag es auf diese Weise
noch eine Zeit lang gelingen, ein gut laufendes Geschäft vorzutäuschen.“
Diesen Eindruck bekomme man
derzeit von der katholischen Kirche.
Nebensachen würden wieder wichtig.
„Zum Beispiel der Ablaß, der
ausgerechnet auf dem Weltjugendtag neu ausgerufen wurde. Jüngst der Exorzismus, der nach dem tragischen
Tod der Anneliese Michel vor fast 20 Jahren noch im schlimmster Erinnerung“ sei.
Der Ablaß ist – so
Pfarrer Breitenbach – sogar im Katechismus eine absolute Nebensache:
„Aber im aufgeblasenen Zustand,
als exzessiver Handel, »wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt«, hat er vor
knapp 500 Jahren zur Reformation, damit zum Bruch der kirchlichen Einheit geführt. War es das wert, fragen
wir heute?“
Die
Verfilmung des Schicksals von Anneliese Michel „Der Exorzimus von Emily Rose“ werfe erneut
Fragen auf, was der Kirche wirklich wichtig sei: Zumal „der Vatikan“ eine
Exorzistenschmiede eingerichtet
habe und künftig hunderte Teufelsaustreiber ausbilden wolle.
„Nach dem tragischen Hungertod der jungen
Frau aus Klingenberg hatte sich die deutsche Bischofskonferenz vor fast 20 Jahren mit dem Exorzismus intensiv
beschäftigt und ihn archiviert“, weiß Hw. Breitenbach zu berichten.
Jetzt behaupte ein italienischer
Bischof, der sich als Experte in Teufelsautreibungen sieht,
der Satan fürchte nichts mehr als die lateinische
Sprache:
„Ob deswegen Papst Benedikt XVI. dazu aufgerufen hat, diese alte Sprache in der Kirche wieder
zu beleben, bleibt allerdings zweifelhaft?“
Nebensachen würden zum Eigentlichen und lenkten von den
wirklichen Problemen ab:
„Das Kerngeschäft der Kirche, die Verkündigung des herunter gekommenen Gottes,
gerät in den Hintergrund.“
„Nicht im Ablaßhandel oder in der Teufelsaustreibung ist der Platz der Kirche,
sondern dort, wo die Menschen sind, damit sie Gott im Alltag entdecken und finden können.“