16:00:22 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Judentum
Erfolgreiche Verfluchung?
Im vergangenen Juli versammelte sich eine Gruppe rechtsextremer Rabbiner, um dem gegenwärtig im Koma liegenden israelischen Ministerpräsidenten den Tod zu wünschen.
(kreuz.net, Rosch Pina) Im Juli des vergangenen Jahres berichteten verschiedene israelische Tageszeitungen
über eine religiöse Verfluchung, die rechtsextreme Rabbiner gegen Premierminister Ariel Scharon durchführten.
Grund für die Verfluchung war der teilweise Truppenabzug aus der Westbank und dem Gaza-Streifen, den
Scharon in diesem Sommer durchführen ließ.
Die gegen Scharon durchgeführte Zeremonie heißt auf aramäisch
„Pulsa denura“ – Feuerpeitsche. Sie ist ein Fluch, dessen Ursprünge offenbar auf die kabbalistische Mystik
zurückgeht.
Der Ritus tauchte in der israelischen Öffentlichkeit zum ersten Mal auf, als rechtsgerichtete
Rabbiner ihn gegen den damaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin durchführten. Rabin wurde 1995 von
einem Extremisten ermordet.
In der Zeremonie, die den Verfluchten innerhalb eines Jahres zu Tode bringen
soll, werden sogenannte Engel der Zerstörung angerufen, dem Verfluchten seine Sünden nicht zu vergeben,
ihn zu töten und alle im Alten Testament genannten Flüche auf ihn kommen zu lassen.
Die Verfluchungszeremonie
fand am 26. Juli in der nordisraelischen Stadt Rosch Pina statt. Der Ort befindet sich 40 Kilometer nordöstlich
von Nazareth.
An ihr nahmen zwanzig – nach anderen Presseberichten zehn – Personen teil. Unter ihnen
befand sich der rechtsextreme Rabbiner Josef Dajan, der in der Westbank-Siedlung Psagot lebt. Dajan wurde
nach der Ermordung von Premierminister Rabin verhaftet, weil er mit einer Verfluchung des israelischen
Politikers Schimon Peres gedroht hatte.
Rabbiner Dajan ist Mitglied einer illegalen rassistischen Gruppe,
die sich ‘Kahane Chai’ – Kahane lebt – nennt. Die Gruppe ist nach dem 1990 in New York ermordeten rassistischen
Rabbiner Meir Kahane benannt.
Bereits im September 2004 ließ Dajan wissen, daß er bereit sei, Premierminister
Scharon zu verfluchen und daß er ihm den Tod wünsche.
Einer der Teilnehmer an der Verfluchung – ein
gewisser Michael Ben-Horin – erklärte, daß angesichts der Sicherheitsmaßnahmen um Scharon – die „zehn
Mal höher sind, als die Vorkehrungen um Hitler oder Stalin“ – kein Mensch in der Lage wäre, den Ministerpräsidenten
umzubringen. Man habe darum die Engel der Zerstörung angerufen, um den Ministerpräsidenten zu töten.
Ein anderer Teilnehmer erklärte nach Pressebereichten, man habe zu Gott gebetet, damit er „uns vom boshaften
mörderischen Diktator Scharon“ befreie.
Die Verfluchungszeremonie wurde auf Video aufgenommen und der
israelischen Fernsehstation ‘Channel 2’ für umgerechnet 4.000 Euro verkauft. Angeblich sollen sich alle
kommerziellen Fernsehkanäle des Landes um das Video bemüht haben.
Der Generalstaatsanwalt Menachem
Madsuds lehnte es ab, eine Untersuchung gegen die Rabbiner einzuleiten, welche die Verfluchung anstifteten.
Die Abhaltung einer „Pulsa denura“ sei kein Verbrechen.