Osteuropa
Der Altarraum ist eine öffentliche Toilette
Die Katholische Kirche in der Ukraine erleidet gegenwärtig von Seiten der Staatsmacht unglaubliche Schikanen und Diskriminierungen. Ein Hilferuf.
(kreuz.net, Odessa) Der Bischof von Odessa-Simferopol hat sich kürzlich mit einem dramatischen Hilferuf an die Weltöffentlichkeit gewandt. Das berichtete die Webseite ‘totalcatholic’.

Bischof Bronislaw Bernacki (61) richtete ein dringendes Schreiben an den Papst und verschiedene Regierungspräsidenten, unter ihnen auch an die Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Odessa ist eine russischsprachige Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern. Sie liegt am Schwarzen Meer 440 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Kiew.

In seinem Brief erklärt Mons. Bernacki, daß sich die örtlichen Behörden nach wie vor weigerten, kirchliche Immobilien, die während der kommunistischen Christenverfolgung geraubt wurden, zurückzuerstatten.

Mons. Bernacki fordert darum eine internationale Expertenkommission. Sie soll die Verletzung der Rechte und Freiheiten der katholischen Minderheit in diesem Gebiet der Ukraine vor Ort überprüfen.

„Vertreter unserer Regierung demonstrieren auf allen Ebenen Offenheit. Aber ich muß leider bestätigen, daß wir Katholiken feststellen, daß sich die Situation in jüngster Zeit verschlechtert hat“, erklärte Bischof Bernacki.

In der Stadt Ismail – 200 Kilometer südwestlich von Odessa – hätten die Nachbarn ein Privathaus direkt an die örtliche katholische Kirche hin errichtet, sodaß das Gebäude die Fenster des Gotteshauses versperrt.

In einer anderen Stadt würden Fahrzeuge über den Kirchhof fahren.

Direkt bei der Kathedrale in Odessa würden Fremde ihre Autos waschen und ihre Hunde spazieren führen.

Der Bischof erklärte, daß seinem Bistum für die diözesane Administration nur ein vier Quadratmeter großes Zimmer zur Verfügung stehe.

Die bischöfliche Wohnung von Mons. Bernacki ist ein kleiner Raum über der Sakristei der Kathedrale. Er dient auch für kirchliche Zusammenkünfte.

„Zahllose Male haben uns die Behörden Grundstücke verweigert, um Kirchen in Odessa, Simferopol und an anderen Orten zu bauen“, erklärt der Bischof.

Seit Jahren versucht die Diözese, die Katholische Kirche im Zentrum von Sevastopol – 700 Kilometer südlich von Kiew auf der Halbinsel Krym – zurückzuerhalten. Das Gotteshaus wird gegenwärtig als Kino verwendet. Im Altarraum hat die Stadt öffentliche Münztoiletten eingerichtet.

Das von den Kommunisten besetzte Priesterseminar von Odessa wird jetzt vom Ukrainischen Transportministerium okkupiert. Eine frühere Abmachung, das Gebäude seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben, wurde wieder rückgängig gemacht.

Gleichzeitig haben die Lokalbehörden – so Mons. Bernacki – verschiedene nichtreligiöse Gebäude an die größte der drei in der Ukraine existierenden Orthodoxen Gemeinschaften zurückerstattet, die vom Moskauer Patriarchat abhängt.

„Wir sind glücklich, daß unsere Schwesterkirche gedeiht. Wir beten für alle Brüder und Schwestern im christlichen Glauben, daß der Herr ihre guten Aktivitäten segnen möge.

Aber wie kann es sein, daß es für die Vertreter der einen religiösen Gemeinschaft ein Gesetz gibt, das die Rückgabe von Kirchengut regelt, während für die andere Gemeinschaft kein Gesetz existiert?“