Liturgie
Auf der anderen Seite des Weihrauchs
Kürzlich fand im Kölner Dom der internationale Friedensgottesdienst statt. Am meisten Aufsehen erregte dabei das Weihrauchfaß.
(kreuz.net, Köln) Über tausend Soldaten und Polizisten verschiedener Nationen begingen kürzlich im Kölner Dom den internationalen Soldatengottesdienst. Das berichtete die Webseite der Erzdiözese Köln.

Für den erkrankten Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, zelebrierte Weihbischof Manfred Melzer die Meßfeier und verlas die Predigt.

Der Kardinal verurteilte in seiner Predigt die Vernichtung von Lebensmitteln aus wirtschaftlichen Gründen. Er bat auch die Soldaten, Verkünder der Wahrheit des Friedens zu sein.

Die Bundeswehrsoldatin Ruth Nobis (45) führte wie in früheren Jahren die meßdienenden Soldaten an. Sie schwenkte bei diesem Anlaß schon zum siebten Mal das Weihrauchfaß.

Am Anfang war dieser Anblick für viele ungewohnt, auch für Kardinal Meisner: „Beim ersten Mal hat er wohl geschluckt, beim zweiten Mal geguckt – aber beim dritten Mal hat er gesagt: »Da ist die Chefin wieder«“, erzählt die Soldatin der Bistumshomepage mit einem Augenzwinkern.

Ruth Nobis stammt aus der Pfarrei St. Thomas Morus in Krefeld – 50 Kilometer nordwestlich von Köln –, wohin sie jedes zweite Wochenende von München zurückfliegt, um als Küsterin tätig zu sein, die Meßdienerarbeit zu leiten und oft sogar selber am Altar zu dienen.

Alle zwei bis drei Jahre ist sie für die Bundeswehr als Dezernentin für Lebensmittelchemie im Auslandseinsatz. Im vorigen Jahr war sie von September bis November im Kosovo und hat dort die Qualität des Trinkwassers überprüft.

Als sie danach zum ersten Mal wieder in der Sakristei erschien, habe sie ein kleiner Meßdiener strahlend begrüßt: „Ah, da bist du ja wieder!“

Für den Kölner Soldatengottesdienst nahm sich Frau Nobis extra Urlaub. „Das ist mir die Sache wert“, sagt sie:

„Für mich ist das etwas ganz Besonderes: erstens allein schon die Kirche, der Kölner Dom; dann der Gottesdienst, die vielen Menschen, der Weihrauch, die feierliche Musik – das alles ist für mich schöner als ein paar Tage im Süden.“