Piusbruderschaft
Priesterbrüderlich vereint
Am zweiten Sonntag im Januar versammelten sich Traditionalisten im US-Bundesstaat Kansas, um gegen ein blasphemisches Konzert in einer Kirche zu protestieren. Doch fast noch wichtiger war etwas anderes.
(kreuz.net, Kansas City) Im Vorfeld des umstrittenen Konzertes berichtete die Zeitung ‘Remnant’ von der Absicht der Traditionalisten der Priesterbruderschaften St. Pius und St. Petrus, sich „gegen die Blasphemie“ zu vereinen.

Der ‘Remnant’ ist eine US-amerikanische Publikation, die der Piusbruderschaft nahesteht, die sich außerhalb der kirchlichen Jurisdiktion befindet.

Das kritisierte Konzert fand am zweiten Januarsonntag nachmittag in einer katholischen Kirche in Kansas City statt. Die Stadt befindet sich im US-Bundesstaat Kansas im Herzen der Vereinigten Staaten.

Unter dem Titel „Rap der Erlösung“ präsentierten Gefängnisinsassen eine Kombination aus modernem Rap und klassischen Gregorialchorälen. „Rap“ ist ein rhythmischer Sprechgesang, der Mitte der 70er Jahre populär wurde.

Die örtliche Presse wies darauf hin, daß es sich bei der Veranstaltung „nicht um ein Kirchenkonzert“ handle.

Was genau das Problem der Musikaufführung war, wird aus den Presseberichten nicht klar. Doch erstaunlich ist, daß durch den Protest seit langem zerstrittene Brüder zusammengeführt wurden.

Denn unter den rund 150 Demonstranten, die eine Viertelstunde vor Konzertbeginn vor der Kirche eintrafen, befanden sich Gläubige und Priester sowohl der Petrus- als auch der Piusbruderschaft.

Sie wollten der Erzdiözese Kansas City zeigen, daß „diese Art einer blasphemischen Musikaufführung“ nicht katholisch sei und an einem Ort der Anbetung nicht geduldet werden dürfe.

Die Traditionalisten knieten sich nach Angaben des ‘Remnant’ auf den Stufen am Eingang der Kirche nieder. Ein Priester der Petrusbruderschaft betete den Rosenkranz, die Allerheiligenlitanei und andere Sühnegebete vor.

Zu Beginn des zweiten freudenreichen Geheimnisses zog offenbar ein Sturm mit eisigem Nordwind auf, der dem Ereignis – so der ‘Remanant’ – eine „surreale Atmosphäre“ verliehen habe.

Die gemeinsame Kundgebung der Piusbruderschaft und der Petrusbruderschaft erstaunt. Denn zwischen den beiden Gruppierungen – die praktisch identische Ziele verfolgen – besteht ein sehr angespanntes Verhältnis.

Die beiden Gruppierungen gingen getrennte Wege, als der Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, im Juni 1988 ohne römische Zustimmung vier Bischöfe weihte. Deshalb verließen rund 30 seiner Gefolgsleute die Gemeinschaft und gründeten eine eigene, von Rom anerkannte Gruppe, die sich Priesterbruderschaft St. Petrus nennt.

Bis zum heutigen Tag engagieren sich Vertreter der beiden Gruppierungen in einem gegenseitigen Bruderkrieg, der Außenstehende nicht selten verwundert.

Der ‘Remnant’ freut sich über die Zusammenarbeit der streitenden Brüder: „Obwohl es der grundlegende Zweck der Kundgebung war, dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen der Muttergottes Genugtuung zu leisten, gibt es noch ein anderes, unbeabsichtigtes Ergebnis: die Vereinigung von traditionellen Katholiken, die einander nur sehr selten sehen.“

Die Zeitung hofft, daß die traditionellen Gläubigen weiterhin füreinander und für die Kirche beten und sich als streitende Kirche vereinen werden, wenn der Glaube vom Bösen attackiert wird.