Piusbruderschaft
Traum statt Wirklichkeit?
Kürzlich äußerte sich der Distrikstobere der Piusbruderschaft in Deutschland vor ‘kreuz.net’ zu den gegenwärtigen Gerüchten um eine bevorstehende Einigung mit Rom.
(kreuz.net) Der Distriktobere, Pater Niklaus Pfluger (48), bezog sich vor allem auf die jüngsten Ausführungen von Pater Paul Aulagnier, einem ehemaligen Mitglied der Piusbruderschaft in Frankreich.

Die Veröffentlichungen von Pater Aulagnier würden seinen persönlichen „Traum“ wiedergeben, nicht aber die Wirklichkeit.

Damit sei nicht ausgeschlossen, „daß Träume Elemente enthalten, die sich später aus welchen Gründen auch immer verwirklichen werden.“

„Der gute Pater, der menschlich herzgewinnende Seiten hat und als echter Franzose alles andere als ein sachlicher Analytiker ist, hat zur Zeit große Probleme mit seinem Ortsbischof“, so Pater Pfluger weiter.

Er habe sich auch offenbar bereits wieder vom ‘Centre Saint Paul’ in Paris – mit dem er bisher zusammengearbeitet hat – getrennt.

„Da er zudem viele auch offiziöse Kontakte pflegt, konstruiert und präsentiert er seine Wunschvorstellung: die kirchenrechtliche ideale Regelung der Stellung der traditionellen Gruppen.“

Der Priesterbruderschaft sei lediglich bekannt, daß Rom an einer solchen Regelung interessiert sei und daran arbeite: „Das hat Papst Benedikt XVI. bei der Audienz mit dem Generaloberen, Mons. Bernard Fellay, am 29. August selber erwähnt – ohne daß übrigens die Bruderschaft davon wußte.“

Wie diese Regelung genau aussehen soll – ob Administration, Prälatur, Ordinariat oder was auch immer – sei der Priesterbruderschaft bis zur Stunde nicht bekannt.

„Was einen möglichen Termin für eine Regelung betrifft, ist Mons. Fellay viel zurückhaltender und vorsichtiger.“

Die in den Medien verbreitete Euphorie über eine bevorstehende konkrete Lösung entspreche nicht der Überzeugung der Leitung der Bruderschaft, auch nicht der Eindruck, daß mit der Meßfrage alle Probleme gelöst seien.

„Sowohl der Generalobere wie der Generalrat und auch die Oberen der Bruderschaft sehen eine wirkliche Lösung der Kirchenkrise nur in einer tatsächlichen Rückkehr zur Tradition der katholischen Kirche, also in einer Rückkehr zur katholischen Theologie, die mit der Neuen Theologie des Konzils nicht vereinbar ist.“

„Viel konkreter“ scheine auf der Seite Roms eine Regelung zur Freigabe der Alten Messe zu sein: „Wir vermuten eine weltweite Regelung für die private Zelebration der Messe, die frei von Bedingungen ist.“

Für die öffentliche Feier der Alten Messe werde weiterhin die Erlaubnis des Ortsbischofs nötig sein. Doch auch hier gebe es kein Datum. Rom dränge aber auf eine baldige Lösung.

Diese wäre „effektiv immer noch keine Lösung für die Gläubigen“, sondern „höchstens eine Erleichterung für die Priester, die dem tridentinischen Ritus verbunden sind“.

Vor allem die französischen und US-amerikanischen Sedisvakantisten benähmen sich gegenwärtig „wie von Taranteln gestochen“ und würden einen großen Kataklysmus befürchten, „wenn die Piusbruderschaft mit Rom spricht und Lösungen gesucht werden“.

„Sie fürchten um uns, weil ihre eigenen Argumente auf Sand gebaut und steril sind. Sie haben die Motive und die Überzeugung Erzbischof Lefebvres nie verstanden.“

Dieser habe immer wieder – insbesondere nach den Bischofsweihen 1988 – gesagt, daß eine Lösung nur darin bestehen könne, daß „nicht wir nach Rom zurückkehren, sondern Rom zum Glauben der eigenen Tradition zurückfindet“.

Der Wirbel, den die Sedisvakantisten vor allem im Internet produzierten, diene der Verwirrung der Priester und der Gläubigen, zumal ein Generalkapitel der Piusbruderschaft anstehe. Man versuche auf diese Weise, Druck auszuüben.

An den Meldungen aus dieser Ecke stimme darum nur wenig.

Wenn von einem Kardinalshut für Bischof Fellay oder von einer Bischofsweihe von Pater Schmidberger die Rede sei, „so ist das frei erfunden“.

Ebenso habe am 7. Dezember 2005 kein Treffen zwischen Mons. Fellay und dem Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón Hoyos stattgefunden.

Der Generalrat der Piusbruderschaft treffe sich regelmäßig in Menzingen in der Innerschweiz, so ungefähr monatlich. Es komme dabei immer wieder vor, daß alle vier Bischöfe – oder auch andere Obere – eingeladen würden, um wichtige Fragen zu besprechen.

Es gebe auch immer wieder Versammlungen für spezielle Obere -zum Beispiel der Seminare oder Schulen – sowie außerordentliche Oberenversammlungen – so genannte Arbeitskapitel wie im Jahr 1996 oder 2000.

Ferner komme es vor, daß die befreundeten Ordensgemeinschaften eingeladen würden.

Pater Pfluger erklärte auch, daß Mons. Fellay beim Treffen, das gestern in Flavigny stattfand, über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Rom informieren werde.

„Aber dies geschieht nicht, weil irgend ein weltbewegendes Ereignis bevorsteht oder irgend ein Vertrag unterzeichnet wäre, sondern um Meinungen auszutauschen und die Position zu stärken.“

„Das ist ein völlig normaler Vorgang angesichts all der kursierenden »Neuigkeiten« und »Gerüchte«.“