Dienstag, 7. Dezember 2004 14:13
Bei der Eröffnung des deutschsprachigen Liturgieinstitutes in Freiburg waren unerwartete Stellungnahmen zu hören. Worte zum britischen Geheimagenten, James Bond, und zur römischen Geheimsprache Latein.

(kreuz.net, Freiburg/Schweiz) Das Liturgische Institut für die deutschsprechende Schweiz ist zu Beginn
des neuen Studienjahres von Luzern nach Fribourg übersiedelt. Am vergangenen Samstag fand die Eröffnung
in den neuen Räumlichkeiten im Haus der Salvatorianer statt. Pater Peter Spichtig OP (36) ist der neue
Leiter des Institutes. Für die strategische Führung ist der Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen
OSB (42), als Kuratoriumspräsident verantwortlich. Abt Werlen segnete die neuen Räumlichkeiten und begrüßte
die zahlreichen Gäste.
Beim Festakt im alten Freiburger Bürgerspital versuchten mehrere Referenten
auf die Arbeitsfrage „Zur Liturgie fähig?!“ eine Antwort zu geben. Zwei der Reden seien besonders erwähnt.
Thomas Binotto, Chefredaktor des stark progressistisch ausgerichteten katholischen Züricher Pfarrblattes
‘forum’, präsentierte eine interessante filmkritische Liturgieanalyse. Sein Vergleich zwischen der katholischen
Liturgie und dem berühmten Filmagenten James Bond blieb wohl vielen Anwesenden im Gedächtnis.
Seit
1962 jagte der britische Agent, James Bond 007, die Leinwandverbrecher mit schußkräftigen Argumenten.
Ein ungeahnter Kinoerfolg. Jeder Film, insgesamt 22 Produktionen, folgt einem genormten Schema. Kein Bond
ohne Autohetzjagd. Kein Bond ohne das geschüttelte Glas Martini. Kein Bond ohne eine zarte Leinwandschönheit.
Jedesmal gibt es einen Flirt mit Miss Moneypenny und jedesmal kommt die berühmte Vorstellung: „Mein Name
ist Bond, James Bond.“
Der Kinorenner punktet mit der Wiederholung des ewig Gleichen. Der Zuseher weiß,
was er bekommen wird, und freut sich dennoch – oder gerade deswegen – darauf. 007 lockt als streng ritualisierte
und reglementierte Action-Produktion für die treue Fan-Gemeinde.
Das Beispiel aus der Glamourwelt Hollywoods
diente Binotto als Begründung für die Liturgiefähigkeit des Menschen. Nicht nur in weltlichen Belangen
liebt der Mensch Regelmäßigkeit. Die Liturgie und ihre gleichbleibenden Teile kommen einem Grundbedürfnis
des Menschen entgegen.
Eine andere Referentin, die berühmte Benediktinerin und Dichterin Sr. Silja Walter
OSB, beantwortete die Frage nach der Liturgiefähigkeit, mit einer Kritik an der Liturgiereform. Die Benediktinernonne
aus dem Kloster Fahr unweit von Zürich offenbarte ihre Liebe zur „Stillen Messe“ aus der Zeit vor der
Liturgiereform.
Das Latein habe ihr ermöglicht von allzu viel wörtlichem Nachvollzug der Gebete befreit
zu sein.
Die deutsche Messe bereite ihr Probleme. Es sei mühsam, den gedanklichen Weg von einem Gebet
zum anderen mitzugehen. Die Liturgie erscheine ihr aufdringlich und zu abstrakt. Die alte lateinische
Messe schenke dem Laien Freiheit und Ruhe. Jetzt habe man sich – beginnend mit dem Einzugslied bis zum
Segen – mit einer ständigen Aufeinanderfolge von Texten abzufinden. Sr. Silja beantwortete die Frage
nach der Liturgiefähigkeit der Menschen mit einer kritischen Gegenfrage. „Ist die heutige Liturgie menschenfähig?“
Das Liturgieinstitut wurde von der Schweizer Bischofskonferenz im Jahre 1963 auf Initiative des damaligen
Freiburger Liturgieprofessors Anton Hänggi († 1994) ins Leben gerufen. Hänggi war ein Priester der Diözese
Basel und enger Freund von Papst Paul VI. Nachdem er 1967 zum Bischof seiner Diözese ernannt wurde, siedelte
das Institut nach Zürich um. Im Jahr 2000 wurde es nach Luzern verlegt. Seit dem 1. September diesen
Jahres arbeitet das Institut in Freiburg.
Das Institut verfolgt als Ziel die Koordination und Förderung
der pastorallitugischen Arbeit in den deutschsprachigen und rätoromanischen Gebieten der Schweiz.