Euthanasie
War die skandalöse Hochzeit des Mörders gültig?
Ende Januar heiratete Michael Schiavo, der vor Gericht die Euthanasierung seiner ehemaligen Ehefrau erstrittet hatte, ein zweites Mal – in einer katholischen Kirche. Dabei soll nicht nur die Predigt gefehlt haben.
(kreuz.net, Florida) Viele Gläubige haben kürzlich mit Bestürzung erfahren, daß Michael Schiavo – der frühere Ehemann und Euthanasist von Terri Schiavo seine langjährige Konkubine Jody Centonze nach katholischem Ritus geheiratet hatte.

Schiavo gelang es im letzten März nach jahrelangen Prozessen vor Gericht, seine Ehefrau Terri Schindler Schiavo – die seit 1990 im Wachkoma lag – durch einen brutalen Nahrungsentzug zu Tode zu bringen.

Seine neue Ehefrau lernte er vor elf Jahren beim Zahnarzt kennen. Die beiden lebten jahrelang im Ehebruch und zeugten dabei zwei Kinder.

Nach der Euthanasierung seiner ersten Ehefrau bekam Michael Schiavo offenbar die kirchliche Erlaubnis, seine Konkubine im Januar in einer katholischen Kirche zu heiraten.

Diese skandalöse Hochzeit wirbelt seither in katholischen Internet-Tagebüchern viel Staub auf.

Ein Posting im Webblog „Catholic and Enjoying it“ berichtete, daß es während der Trauung keine Predigt gegeben habe. Darauf antwortete ein Priester, welcher den Eltern von Terri Schiavo nahesteht: „Der Priester predigte nicht? Was hätte er auch sagen sollen? Michael, bring diese nicht auch um?“

Der kanadische Kirchenrechtler Pete Vere äußerte Zweifel an der Gültigkeit der Eheschließung. Seine Zweifel begründet er in einem Artikel für die Homepage ‘Catholic Exchange’ mit Canon 1090 Paragraph 1 des Kirchenrechtes. Dort heißt es:

„Wer im Hinblick auf die Eheschließung mit einer bestimmten Person deren oder seinen eigenen Gatte getötet hat, schließt diese Ehe nicht gültig.“

Auch der zweite Paragraph des Kanon 1090 spricht – so Vere – eine klare Sprache:

„Ungültig schließen auch jene miteinander die Ehe, die durch physisch oder moralisch gemeinsames Betreiben den Tod eines Gatten verursacht haben.“

Es bestehe kein Zweifel, daß Michael Schiavo den Tod seiner Ehefrau Terri gezielt herbeigeführt habe. Durch deren Ermordung sei die kirchliche Heirat mit der Konkubine erst möglich geworden.

Es könne auch niemand bestreiten, daß die Konkubine der Tötung von Terri – zumindest moralisch – zugestimmt habe, so der Kirchenrechtler.

Hier gehe es nicht um Unterstellungen. Der Fall sei erstklassig dokumentiert und habe sich jahrelang vor Millionen von Menschen abgespielt. Er sei deshalb eine öffentliche Angelegenheit.

Wegen des vorliegenden Gattenmordes hätte Michael Schiavo für seine Heirat mit Jody Centonze ein Dispens benötigt. Nur der Vatikan könne nach Kanon 1078 Paragraph 2.2 des Kirchenrechtes vom Ehehindernis des Gattenmordes dispensieren.

Ohne einem solchen Dispens werde eine Ehe im Normalfall als ungültig erachtet. Der Kirchenrechtler schließt aus, daß die beiden um einen derartigen Dispens angesucht haben.

Denn in einem solchen Fall würde der Heilige Stuhl für eine Erteilung des Dispens die Bedingung stellen, daß die Betroffenen die Tat – in diesem Fall den Gattenmord – bereuen.

Angesichts der Öffentlichkeit des Falles, hätte der Heilige Stuhl ein öffentliches Reuebekenntnis verlangt, um ein öffentliches Ärgernis zu verhindern. Ein solches Reuebekenntnis sei aber nicht bekannt geworden.

Darum sei die zweite kirchliche Hochzeit von Michael Schiavo ungültig. Es wäre ein Skandal für die Christgläubigen – so der Kirchenrechtler –, wenn die Kirche die Gültigkeit dieser Eheschließung anerkennen würde.

Dieser Skandal dürfe nicht hingenommen werden. Darum bittet der Kirchenrechtler, beim Präfekten der Gottesdienstkongregation dagegen Beschwerde einzulegen, damit die Sache öffentlich aufgeklärt werde.