Bildung
Was ist mit den Mißhandlungen an deutschen Schulen?
Als Sekretärin einer Schule mit 1400 Kindern möchte ich zu der Angelegenheit der Herz-Jesu-Schule in Saarbrücken Stellung nehmen. Von Gabriele Nettej.
(kreuz.net, Saarbrücken) In meiner Kindheit – man darf es ja heute nicht mehr sagen – wurden die Mädchen noch an den Ohren gezogen. Es wurden ihnen reichlich Kopfnüsse gegeben, und sie bekamen Schläge mit dem Rohrstock auf die Hand.

Die Jungen wurden in der Regel übers Pult gelegt und bekamen auf den stramm gezogenen Hosenboden Schläge mit dem Rohrstock. Diese Praktiken waren sicherlich nicht die richtige Pädagogik und haben nicht dazu beigetragen, daß wir gerne in die Schule gingen.

Damals hätte man – nach den heutigen heuchlerischen Maßstäben – gegen die allermeisten Lehrer Strafanzeige erstatten und sie fristlos entlassen können.

Doch aus der Generation der 50er Jahre sind weit weniger Verbrecher und Problemfälle hervorgegangen als aus der gehätschelten 68er Generation und jenen Generationen, die Opfer der verschiedenen Schulreformen wurden.

Ich weiß, daß es an deutschen Schulen auch heute noch Körperstrafen gibt. Doch werden solche Vorfälle, entweder aus Angst vor den Folgen oder weil man weiß, daß das eigene Kind kein Engel ist und auch einmal eine kleine Züchtigung verdient hat, nicht zur Anzeige gebracht.

Im Falle meines Sohnes hätte ich einen Lehrer verstehen können, wenn ihm die Hand ausgerutscht wäre. Nicht im Traum wäre mir eingefallen, einen solchen Vorfall zur Anzeige zu bringen.

Doch jetzt hat man in Saarbrücken einen Sündenbock gefunden.

Vom unermüdlichen und freiwilligen Einsatz von Lehrern und Priestern der Herz-Jesu-Schule – die jetzt mit der Schließung bedroht wird – spricht niemand.

In dieser Schule wird auch gefährdeten oder schwierigen Schülern noch eine Chance gegeben. Doch das interessiert nicht. Es geht bei diesem Streit nicht um die Kinder, sondern um Ideologie.

Es muß auch deutlich gesagt werden, welche Probleme an anderen Schulen existieren, die es in Herz-Jesu nicht gibt:

Alkoholkonsum und Rauschgift mit allen schlimmen Folgen, Schüler, die von Klassenkameraden oder älteren Schülern zusammengeschlagen oder erpreßt werden, um an Geld oder Handys zu kommen, Kinder, die einfach aus Sadismus gequält werden.

Viele Eltern können heute davon berichten, wie ihre Kinder mit Angst zur Schule gehen und später selber Teil dieses brutalen Systems werden.

Ich glaube, daß das Kultusministerium hinlänglich informiert ist.

Solche Probleme findet man in der Herz-Jesu-Schule nicht. Dennoch steht die Schule heute wegen dreier läppischer Ohrfeigen im Kreuzfeuer und ist in Gefahr, geschlossen zu werden.

Wenn man die Wege der jungen Absolventen dieser Erziehungsinstitution über den Schulabschluß hinaus verfolgt, sieht man, daß aus den Kindern lebenstüchtige junge Menschen geworden sind.

Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich das Kultusministerium mit der Schulleitung und den Lehrern der Herz-Jesu-Schule an einen Tisch setzen würde, um einen gemeinsamen Weg zu finden und die Schule nicht zu schließen.

Die – mißhandelten! – Kinder und deren Eltern wären ihnen sehr dankbar.