13:40:23 | Mittwoch, 1. März 2006
Bildung
Was ist mit den Mißhandlungen an deutschen Schulen?
Als Sekretärin einer Schule mit 1400 Kindern möchte ich zu der Angelegenheit
der Herz-Jesu-Schule in Saarbrücken Stellung nehmen. Von Gabriele Nettej.
(kreuz.net, Saarbrücken) In meiner Kindheit – man darf es ja heute nicht mehr sagen – wurden die Mädchen
noch an den Ohren gezogen. Es wurden ihnen reichlich Kopfnüsse gegeben, und sie bekamen Schläge mit
dem Rohrstock auf die Hand.
Die Jungen wurden in der Regel übers Pult gelegt und bekamen auf den stramm
gezogenen Hosenboden Schläge mit dem Rohrstock. Diese Praktiken waren sicherlich nicht die richtige Pädagogik
und haben nicht dazu beigetragen, daß wir gerne in die Schule gingen.
Damals hätte man – nach den heutigen
heuchlerischen Maßstäben – gegen die allermeisten Lehrer Strafanzeige erstatten und sie fristlos entlassen
können.
Doch aus der Generation der 50er Jahre sind weit weniger Verbrecher und Problemfälle hervorgegangen
als aus der gehätschelten 68er Generation und jenen Generationen, die Opfer der verschiedenen Schulreformen
wurden.
Ich weiß, daß es an deutschen Schulen auch heute noch Körperstrafen gibt. Doch werden solche
Vorfälle, entweder aus Angst vor den Folgen oder weil man weiß, daß das eigene Kind kein Engel ist
und auch einmal eine kleine Züchtigung verdient hat, nicht zur Anzeige gebracht.
Im Falle meines Sohnes
hätte ich einen Lehrer verstehen können, wenn ihm die Hand ausgerutscht wäre. Nicht im Traum wäre
mir eingefallen, einen solchen Vorfall zur Anzeige zu bringen.
Doch jetzt hat man in Saarbrücken einen
Sündenbock gefunden.
Vom unermüdlichen und freiwilligen Einsatz von Lehrern und Priestern der Herz-Jesu-Schule –
die jetzt mit der Schließung bedroht wird – spricht niemand.
In dieser Schule wird auch gefährdeten
oder schwierigen Schülern noch eine Chance gegeben. Doch das interessiert nicht. Es geht bei diesem Streit
nicht um die Kinder, sondern um Ideologie.
Es muß auch deutlich gesagt werden, welche Probleme an anderen
Schulen existieren, die es in Herz-Jesu nicht gibt:
Alkoholkonsum und Rauschgift mit allen schlimmen
Folgen, Schüler, die von Klassenkameraden oder älteren Schülern zusammengeschlagen oder erpreßt werden,
um an Geld oder Handys zu kommen, Kinder, die einfach aus Sadismus gequält werden.
Viele Eltern können
heute davon berichten, wie ihre Kinder mit Angst zur Schule gehen und später selber Teil dieses brutalen
Systems werden.
Ich glaube, daß das Kultusministerium hinlänglich informiert ist.
Solche Probleme
findet man in der Herz-Jesu-Schule nicht. Dennoch steht die Schule heute wegen dreier läppischer Ohrfeigen
im Kreuzfeuer und ist in Gefahr, geschlossen zu werden.
Wenn man die Wege der jungen Absolventen dieser
Erziehungsinstitution über den Schulabschluß hinaus verfolgt, sieht man, daß aus den Kindern lebenstüchtige
junge Menschen geworden sind.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich das Kultusministerium mit der Schulleitung
und den Lehrern der Herz-Jesu-Schule an einen Tisch setzen würde, um einen gemeinsamen Weg zu finden
und die Schule nicht zu schließen.
Die – mißhandelten! – Kinder und deren Eltern wären ihnen sehr
dankbar.