Bildung
Steht der Religionsunterricht an den Berliner Schulen vor dem Aus?
Die rot-rote Koalition und andere Linke wollen in der Bundeshauptstadt ein Pflichtfach Ethik einführen. Doch die Kirchen trauen ihren Schäfchen die richtige Wahl nicht zu.
(kreuz.net, Berlin) Die rot-rote Koalition möchte an den Berliner Schulen einen obligatorischen Ethikunterricht einführen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll noch vor Ostern im Parlament durchgebracht werden. Unterstützung wird das Vorhaben von den ‘Grünen’.

Keine Freude an diesem Projekt hat der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky: „Ich fürchte, das gibt einen ganz großen Reinfall.“

Nichts von dem, was man sich von diesem Unterricht erwarte, werde man erreichen, erklärte der Kardinal nach Angaben der Freitagsausgabe der Tageszeitung ‘Die Welt’

Den „maßlosen Erwartungen“ an das Fach stehe eine völlig unzureichende Ausbildung der künftigen Ethik-Lehrer gegenüber.

Mit der Einführung des neuen Pflichtfaches werde der Religionsunterricht, der nach dem Willen des Senats weiterhin freiwillig besucht werden kann, de facto aus der Schule gedrängt, sind sich die Kirchen ferner einig.

Offensichtlich wissen sie, daß ihre Schäfchen nur noch mit Unterstützung der Staatsgewalt in den Religionsunterricht getrieben werden können.

Ein Schüler, der schon zwei Stunden Ethik besuchen müsse, raffe sich nicht noch auf, um am Nachmittag zusätzlich Religionsunterricht zu besuchen.

Dazu komme, daß die Oberschüler durch die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre einen deutlich volleren Stundenplan bekämen.

Auf Anfrage erklärte ein Kenner der Kirche in Berlin, daß die Anstrengungen von Kardinal Sterzinsky grundsätzlich zu begrüßen seien. Auch seine Kritik am Ethikunterricht sei realistisch.

Es sei eine Illusion zu glauben, daß man sich in einem staatlichen Ethikunterricht auf sogenannte Werte einigen könne, die über Homosexualität, Abtreibung und Euthanasie hinausgingen.

Mit dem gewollten Ethikunterricht würden die Schüler somit dazu verurteilt, ein weiteres Schwatzfach abzusitzen, das den Stundenplan sinnlos fülle.

Doch für die Kirchen würde das Problem tiefer liegen:

„Das Niveau des Religionsunterrichtes ist seit Jahren so miserabel, daß es völlig egal ist, ob Kinder den katholischen Religionsunterricht, einen staatlichen Ethikunterricht oder gar nichts besuchen.“

Es sei auch sinnlos, Kinder unterrichten zu wollen, deren Anwesenheit im Religionsunterricht nur durch die Zwänge des Schulsystems zu erklären sei.

„Pädagogisch ist es äußerst problematisch, ein Kind zu unterrichten, welches die erste Gelegenheit benützt, um diesem Unterricht zu entkommen.“

Dieser Zustand werfe zunächst ein schiefes Licht auf die inhaltliche und pädagogische Qualität des gegenwärtigen Religionsunterrichtes.

„Wenn die Kirche so sehr am eigenen Religionsunterricht oder an den katholischen Kindern zweifelt, darf sie sich nicht hinter dem Status Quo und der hohlen Fassade der Staatsreligion verstecken, sondern muß mit einer echten Aufbauarbeit anfangen, die klein beginnt und endlich zur Sache redet.“