10:03:54 | Montag, 13. März 2006
(kreuz.net, Denver) Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Mons. Bernard Fellay, hielt
am Sonntag, dem 19. Februar, in der Stadt Denver
einen Vortrag.
Denver ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates
Colorado im Herzen der Vereinigten Staaten.
Am 29. August wurde Bischof Fellay von Papst Benedikt XVI.
in einer Privataudienz empfangen. Dabei seien nur vier Personen anwesend gewesen: Papst Benedikt XVI.,
Dario Kardinal Castrillon Hoyos, Pater Franz Schmidberger und er selber.
Kardinal Castrillon ist der
Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’. Pater Schmidberger ist der stellvertretende Generalobere
der Piusbruderschaft.
Zu Beginn des Treffens habe der Papst dem anwesenden Kardinal das Wort erteilt
und gefragt: „Wo stehen wir?“
Kardinal Castrillon habe geantwortet: „Heiliger Vater. Alles ist gut. Alles
ist bereit.“ Es liege jetzt am Papst, die Situation der Piusbruderschaft zu bereinigen.
Der Kirchenfürst
habe auch mitgeteilt, daß er dem Papst bereits einen Vorschlag einer kirchenrechtlichen Struktur für
die Piusbruderschaft unterbreitet habe.
Bischof Fellay erklärte dazu, daß er damals zum ersten Mal
von einer bereits vorbereiteten kirchenrechtlichen Lösung gehört habe. Er habe aber keine weiteren Kenntnisse
darüber.
Der Papst habe erklärt, die vorgeschlagene Struktur dem Päpstlichen Rat für die Auslegung
legislativer Texte übergeben zu haben, um sie auf eine Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht zu prüfen.
Bischof Fellay schloß daraus, daß es sich um etwas Neuartiges handeln muß, das höchstens Analogien
zu bereits bestehenden Formen besitzt:
„Wenn die Sache bereits existieren würde, müßte der Papst nicht
zuerst die Kirchenrechtler befragen.“
Die Struktur sollte die Bruderschaft vor den Diözesanbischöfen
beschützen. Das sei alles, was er wisse.
Schließlich habe sich der Papst an ihn – Bischof Fellay –
gewandt und gefragt, was er denke. Der Kommentar von Mons. Fellay: „Ich mußte auf die Bremse treten.“
Er habe – wie bei solchen Audienzen üblich – einige Tage vor dem Treffen ein Blatt mit den wichtigsten
Punkten eingereicht, welche die Bruderschaft dem Papst vorlegen wollte.
Bei der Audienz sei keiner dieser
Punkte besprochen worden.
Das sei aber nicht so wichtig, erklärte Bischof Fellay. Der Papst habe die
Notiz mit Sicherheit erhalten und gelesen. Deren Inhalt sei in gewisser Hinsicht zehnmal wichtiger gewesen
als die Audienz selber.
Darin werde zu Beginn der Papst selber mit einem Satz zitiert, um die „enorme,
dramatische, furchtbare Krise“ der Kirche anzusprechen.
Sodann sei die Rede von der Piusbruderschaft
und ihrem Apostolat, welche als Ausweg aus dieser Krise vorgestellt würden.
Bei der Audienz habe Benedikt
XVI. drei Ebenen der Schwierigkeit dargelegt.
Zuerst habe er erklärt, daß die Unterwerfung der Bruderschaft
unter den Papst sichtbare Konsequenzen haben müsse, um wirklich real zu sein.
Der Papst habe das Argument
angesprochen, daß sich die Kirche gegenwärtig in einem Notstand befinde, der die Existenz der Piusbruderschaft
rechtfertige. Damit sei die Bruderschaft nicht im Recht, „weil ich versuche, die Probleme zu lösen“.
Bischof Fellay:
„Wir werden das Gift des Zweiten Vatikanums nicht schlucken.“
„Damit haben wir selber aus
dem Mund des Papstes gehört, daß es einen Notstand gibt“ kommentierte Mons. Fellay:
„Der Papst anerkennt,
daß es gegenwärtig reale Probleme gibt, die noch nicht gelöst sind.“
Benedikt XVI. habe außerdem
eingeräumt, daß ein Notstand möglicherweise in Frankreich oder Deutschland bestehe.
Dazu meinte Bischof
Fellay, daß er zwischen den beiden vom Papst genannten Staaten und dem Rest der Welt fast keine Unterschiede
sehen könne.
Trotz der Feststellung des Papstes, daß die Piusbruderschaft kein Recht habe, sich bei
ihren pastoralen Aktivitäten außerhalb der Diözesanstrukturen auf einen Notstand zu berufen, habe Benedikt
XVI. – so Mons. Fellay – die Existenz des Notstandes dennoch anerkannt.
Auf einer zweiten Ebene habe
der Papst die Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils gefordert.
Benedikt XVI. habe darauf verwiesen,
daß der
Ehrwürdige – so Mons. Fellay – Erzbischof Lefebvre einen Text unterschrieben hat, in dem er
das letzte Konzil anerkannte, sofern es im Licht der Tradition interpretiert werde.
Damit habe der Papst
angedeutet, daß die Mitglieder der Piusbruderschaft dasselbe tun sollten.
Dagegen führte Mons. Fellay
aus, daß die Texte des Zweiten Vatikanums nicht nur mehrdeutig, sondern – beispielsweise in der Frage
der Religionsfreiheit – falsch seien.
Als dritte Ebene habe der Heilige Vater die am Beginn der Audienz
angesprochene kirchenrechtliche Struktur genannt.
Bischof Fellay erklärte zur Struktur, daß sie gut
sei. Aber man wolle die Bruderschaft gleichzeitig zwingen, das Gift des Zweiten Vatikanums zu schlucken:
„Wir bekommen einen prächtigen Rolls Royce und müssen darin faule Äpfel essen.“ Er bevorzuge seinen
Citroen Deux-Chevaux mit guten Äpfeln: „Wir werden das Gift nicht schlucken.“
Mons. Fellay sagte, daß
er dem Papst kurz nach der Augustaudienz einen Brief geschrieben habe. Darin habe er sich für das Treffen
bedankt und erklärt, daß er mit der Sicht des Heiligen Vaters über das letzte Konzil nicht übereinstimmen
könne.
Er habe auch einen Kommentar zum kurz zuvor erschienenen Kompendium des ‘Katechismus der Katholischen
Kirche’ hinzugefügt.
Bischof Fellay:
„Vergeßt die Bruderschaft. Löst eure Probleme. Dann sind wir kein
Problem mehr. Denn wir sind nicht das Problem.“
Der Papst sei darüber ziemlich sauer gewesen und habe
von „Arroganz“ und von „Grenze zum Sektierertum“ gesprochen.
Zusammenfassend erklärte Bischof Fellay,
daß der Papst die Situation der Piusbruderschaft schnell regeln wolle. Der Heilige Vater sehe, daß der
Zustand der Kirche katastrophal sei und die Lefebvristen gute Früchte hervorbrächten.
Mons. Fellay
erinnerte auch an sein
Arbeitsessen vom 15. November mit Kardinal Castrillon. Damals habe er dem Kardinal
erklärt:
„Vergeßt die Bruderschaft. Löst eure Probleme. Dann sind wir kein Problem mehr. Denn wir
sind nicht das Problem.“
Bischof Fellay erklärte während seines Vortrags auch, daß es in Rom mehrere
Bischöfe gebe, welche die Meinung der Piusbruderschaft verträten:
„Aber sie wagen nicht, das laut zu
sagen.“