Politik
Ein Schuß ins Vorderhirn?
In der Politik spielen sich derzeit überwiegend Dinge ab, die man nur noch als Satire bezeichnen kann. Von Regina Wilden, Köln.
(kreuz.net, Berlin) Ausländer, die sich in den Niederlanden niederlassen wollen, bekommen vom Staat einen Film auf DVD zugeschickt, in dem die Kamera zum Beispiel auf zwei sich küssende Männer einzoomt oder sich eine Frau „oben ohne“ über den Strand fortbewegt.

Anhand des Films soll der Antragsteller von Anfang an die Möglichkeit bekommen zu beurteilen, ob er sich mit dem Leben in der sogenannt liberalen niederländischen Gesellschaft auch wirklich identifizieren kann.

Doch der Witz kommt erst. Deutsche Politiker sind vom niederländischen Heimatfilm begeistert. Das berichtete kürzlich die deutsche Tageszeitung ‘Handelsblatt’.

Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll die niederländische Einbürgerungspraxis mit dem Prädikat „sehr interessant“ bedacht haben.

Auch der Fraktionsvizevorsitzende der CDU im Deutschen Bundestag, Wolfgang Bosbach, zeigte sich vor der Boulevardzeitung ‘Bild’ begeistert:

„Eine solche DVD wäre ein ideales Hilfsmittel, um Menschen bereits in ihrem Herkunftsland nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Geschichte, Kultur und Rechtsordnung Deutschlands vertraut zu machen.“

Doch als christdemokratischer Star-Filmkritiker entpuppte sich der CSU-Innenexperte Stephan Mayer. Er weiß: „Es ist wichtig, Informationen über Deutschland zu vermitteln.“

Denn in einigen muslimischen Staaten stehe sogar die Todesstrafe auf Lebens- oder Ausdrucksformen, die in Deutschland anerkannt seien, berichtet Mayer im Brustton der moralischen Entrüstung:

Dazu zählten beispielsweise „sexy Kleidung auf der Love Parade“ oder offene Homosexualität.

Es scheint, daß das Volk der Dichter und Denker – beziehungsweise die kranke Sexualphantasie ihrer christlichen Politiker – sich neuerdings über Nacktszenen und homosexuellen Exhibitionismus definiert.

Sogar der FDP-Politiker und Mitglied der antichristlichen ‘Humanistischen Union’ Burkhard Hirsch (75) – der von 1994 bis 1998 Vizepräsident des Deutschen Bundestages war – bezeichnet die niederländisch-christdemokratische Idee als „absoluten Schwachsinn“.

Ob es sich bei Herrn Hirsch um eine späte Erkenntnis handelt oder nicht: Ich kann ihm in diesem Punkt nur zustimmen.

Regina Wilden ist Mitglied im Rat der Stadt Köln.