18:39:34 | Montag, 27. März 2006
Theologie
Besitzen Tiere eine Seele?
Das Ableben eines geliebten Hundes kann eine tiefe Traurigkeit und bei alten und einsamen Tierbesitzern sogar den Tod hervorrufen. Von Hw. Dr. theol. Adolf Fugel.
(kreuz.net) Unsere Welt ist gegenüber der Tierwelt, die in den letzten Jahrzehnten arg dezimiert wurde,
empfindlich geworden. Das ist berechtigt.
Einige Tierschützer gehen allerdings über eine berechtigte
Sorge wesentlich hinaus. So gibt es ein esoterisches Gedankengut, das dem Tier nach dem Bild des Menschen
sogar eine unsterbliche Seele zusprechen möchte.
Die Frage, was die menschliche Seele ist und ob eine
ähnliche Seele dem Tier zugesprochen werden kann – oder ob man nicht einfach das Leben als solches mit
„Seele“ verwechselt – muß geklärt werden.
Immer öfter wird daher gefragt: Haben Tiere eine Seele?
Die biblischen Berichte unterscheiden zwischen der höheren Schöpfung des Menschen und der Schöpfung
der Tiere, die das Weltall füllen.
Als Gott bei der Schöpfung die ersten Menschen anhauchte, blies
er „den Lebensatem in die Nase des Menschen“. Die Nase ist das eigentliche Atmungsorgan, so wie der Mund
zur Nahrungsaufnahme dient.
In diesem Augenblick gab Gott dem Menschen etwas von sich – das Ureigenste
–, das aus dem Innern Gottes herauskommt. Gott ist reiner Geist und nichts anderes. Darum kann die Mitteilung
seines „Atems“ nur eines enthalten: den göttlichen Geist.
Bei einer näheren Betrachtung des Textes
wird klar, daß die Genesis einen Unterschied zwischen „dem Menschen aus dem Ackerboden“ – also der Körperlichkeit –
und dem Geist macht, der dem Menschen gegeben wurde.
Körper und Geist gehören wesenhaft zum Menschsein.
Das eine kann nicht ohne das andere existieren.
Während der Geist als reine Existenz ohne Körper ein
Engel wäre, ist der Körper ohne den Geist Ackerboden. Als „Ackerboden“ kann man auch die Existenz der
lebenden, nicht mit dem Hauch Gottes versehenen Lebewesen verstehen.
Die Materie übernimmt lebenswichtige,
vom Menschen nicht gesteuerte, unbewußte, so genannte naturhafte oder triebgebundene Funktionen, wie
Herzschlag, Lungenfunktion, Verdauung. Diese Funktionen hat der Mensch mit allen Tieren gemeinsam.
Worin
unterscheiden sich aber Mensch und Tier? Durch den Geist, das heißt, durch seinen Willen und seine Vernunft.
Darum ist der Mensch in der Lage zu denken und zu lernen.
Dagegen bleiben die Tiere auf der Stufe des
triebhaften, unbewußten, sich stets wiederholenden Lebens.
Es fehlt den Tieren der Geist. Gäbe es bei
den Tieren einen Geist, müßte beispielsweise die kleine Antilope nicht bereits zwanzig Minuten nach
ihrer Geburt bereits vor dem Löwen flüchten. Nein. Ihre Mutter hätte sich schon vor der Geburt eine
Strategie zum Schutz ihres Neugeborenen ausgedacht.
Ausdenken – das ist ein typisches Tun des geistbegabten
Menschen. Denken heißt: Rückschau halten, erinnern – reagieren – für die Zukunft planen können. Das
können Tiere nicht.
Wenn Tiere für den Winter Vorrat besorgen, ist das nichts weiteres als ein Überlebenstrieb.
Selbst der stärkste aller Triebe – der Arterhaltungstrieb – ist nicht geplant, sondern in Zeit und Auswahl
von der Eigenart der einzelnen Tiergruppen abhängig.
Wenn Tiere ein anderes Tier umbringen, um zu überleben,
empfinden sie keine Gewissensbisse. Dagegen können Gewissensbisse den Menschen in den Wahnsinn treiben.
Die Antwort auf unsere anfangs gestellte Frage kann darum nur lauten: Nein. Tiere besitzen keine Seele
nach der Art des Menschen. Von ihren Instinkten und Trieben gelenkt, verspüren sie zwar sehr wohl Schmerz
und können Freude zeigen. Wir geben dem alten Sprichwort recht: „Quäle nie ein Tier aus Scherz, denn
es fühlt wie du den Schmerz!“
Wer im Menschen den Unterschied zwischen Geist – Leben – Seele beachtet,
der kann dem Tier wohl Leben – sogar eine Seele – zusprechen, ebenso allen Pflanzen, Bakterien, Insekten
usw. Doch diese Seele ist im Vergleich zur menschlichen Seele grundsätzlich verschieden.
Der Heilige
Thomas von Aquin hat darum die vegetative Seele der Pflanzen, die sensitive Seele der Tiere und die unsterbliche
Vernunftseele des Menschen unterschieden.
Darum kann es weder ein Jenseits für Tiere geben noch dürfen
einem Tier menschliche Eigenschaften zugesprochen werden.
Vor dem Schöpfer sind wir allerdings zu einem
verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren verpflichtet.