Donnerstag, 30. März 2006 18:20
Sogar die Jungen kommen wieder in die Kirche
Während die Kirche im Westen alt wird, hat sie in China einen Jungbrunnen gefunden, der sogar die Laien ihre Verantwortung für die Kirche entdecken läßt.
(kreuz.net, Peking) Gegenwärtig führen die chinesischen Kommunisten einen verbissenen Kampf gegen die Kirche im Land.

Die Verfolgungen betreffen vor allem die Provinz Hebei, jene chinesische Region, wo die Anzahl der Katholiken am größten ist.

Das berichtete der Nachrichtendienst ‘AsiaNews’ Mitte März. Die Provinz Hebei befindet sich im Nordosten von China.

In China werden Bischöfe, Priester und Seminaristen verhaftet, Kirchen geschlossen und versiegelt, Gläubige schikaniert.

Das Ergebnis der Verfolgungen: Die Teilnahme an den im Untergrund entstandenen Hauskirchen wächst. Gegenwärtig bereiten sich 21 Männer im Untergrund auf die Priesterweihe vor.

Für Beobachter ist das ein Anzeichen, daß die Kommunisten die Untergrundkirche in den Diözesen Zhengding und Hebei vernichten wollen.

Doch die bedrängten Priester geben sich optimistisch. Nach ihren Angaben haben die Verfolgungen die Entschlossenheit und den Enthusiasmus in den Pfarreien gestärkt.

Der Bischof von Zhengding, Mons. Julius Dschia Zhiguo (70), der vom Regime in den Untergrund gedrängt wird, sitzt seit dem vergangenen November im Kerker.

Mons. Dschia war am 8. November für sogenannte Studiensitzungen verhaftet worden.

Das ist eine Bezeichnung für kommunistische Indokrinationsprogramme. Durch sie sollen katholische Bischöfe gedrängt werden, sich der vom Regime gegründeten ‘Patriotische Vereinigung’ anzuschließen.

Gewöhnlich dauern diese Gehirnwäschen einige Wochen. Doch dieses Mal ist der Vollzug länger und schärfer.

Zwischen 2004 und 2005 wurde Mons. Dschia achtmal verhaftet. Der Bischof ist wegen seiner Arbeit für Waisenkinder weit über die Kirche hinaus bekannt.

Nach Informationen aus Kreisen der Polizei will die chinesische Regierung Mons. Dschia „vollständig isolieren“. Die Verhaftung des Bischofs ist Teil einer größeren Strategie, um den Katholiken ihre Hirten wegzunehmen.

Verhaftungen von Priestern und Seminaristen gehören darum in Hebei zur Tagesordnung.

Alleine im vergangenen November wurden viele Priester und Seminaristen festgenommen, unter ihnen Hw. Li Suchuan (40) und Hw. Yang Ermeng (35).

Ein weiterer Priester, Hw. Yang Dschianwei, wurde mit zehn Seminaristen verhaftet und befindet sich immer noch in Haft.

Alsdann traf es den Rektor des Untergrundseminars der Diözese Zhaoxian in Hebei, Hw. Gao Baojin, und sechs Priester der Diözese Zhengding.

Zwei von ihnen – Hw. Wan Jin Shan (50) und Hw. Gao Lingshen (50) – wurden zusammengeschlagen.

Alle Kirchen der Diözese Zhengding wurden von der Polizei geschlossen und versiegelt.

Die Priester zelebrieren die Heilige Messe jetzt geheim in Häusern.

Wenn die Polizei einen Geistlichen faßt, wird er nach Hause zurückgeschickt, um auf den Feldern zu arbeiten.

„Sie sind nichts anderes als ein Bauer“, erklärte ein Funktionäre des Büros für religiöse Angelegenheiten einem Untergrundpriester.

Ein Untergrundpriester erklärte vor ‘AsiaNews’, daß es eine Zeit gegeben habe, wo die Priester nur bedroht worden seien: „Jetzt verhaften sie uns.“

Doch das führe auch dazu, daß die Katholiken ihrer Verantwortung bewußt würden: „Ein Laie erklärte mir kürzlich: Hochwürden, ich bedauere es, daß ich dem Geldscheffeln so lange so viel Bedeutung zugemessen habe. Jetzt, da unsere Gemeinschaft Verfolgung leidet, müssen wir mehr tun, bis zum Punkt, uns für die Kirche zu opfern.“

Die Teilnahme an Hauskirchen nimmt zu. Missionspriester aus anderen chinesischen Gegenden strömen in die Provinz ein, wo die Verfolgung am größten ist.

Seminaristen ohne Priesterseminar wurden in Familien untergebracht. Priester unterrichten sie.

Von den 21 Seminaristen ist einer ein Einzelkind. Zwei stammen aus reichen Familien.

Der Untergrundpriester beklagt sich nicht: „Die Regierung glaubte, uns zerstören zu können, aber sie hat sich getäuscht. Die Katholiken sind noch entschlossener und enthusiastischer.

Früher mußte ich junge Menschen dazu drängen, an der Messe teilzunehmen. Jetzt kommen sie von selber.“
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