15:38:59 | Dienstag, 11. April 2006
In einem Interview gab P. Peter Lang von der Piusbruderschaft eine Einschätzung über die Versöhnung seiner Bruderschaft mit dem Vatikan. Dabei stellte er fest, daß Meldungen über eine baldige Aussöhnung mehr als bloße Gerüchte seien.
(kreuz.net/
Kathnews.de)
Benjamin Greschner vom katholischen Nachrichtenportal Kathnews.de unterhielt sich
kürzlich mit Pater Peter Lang FSSPX vom Deutschen Distrikt der Piusbruderschaft in Stuttgart.An verschiedensten
Stellen wird über eine eventuelle und baldige Aussöhnung der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit dem
Heiligen Stuhl gemunkelt. Was ist dran an diesen Gerüchten?Es ist richtig, daß die Gerüchte fast
schon ins Kraut schießen. Durch das Medium Internet ist die Welt sehr klein geworden, und daher sind
Vermutungen, irgendwo in Amerika oder Argentinien ausgesprochen, Minuten oder Stunden später auf der
ganzen Welt als „Wahrheit“ verbreitet.
Man muß deshalb äußerst vorsichtig sein. Richtig ist, daß
Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. intensiv auf eine Aussöhnung hinarbeitet. Der Präsident der päpstlichen
Kommission „Ecclesia Dei“, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, ist dabei die rechte Hand des Papstes. Zum
Segen der Tradition kann hier festgestellt werden, daß Kardinal Castrillon Hoyos diese Aufgabe nicht
gezwungenermaßen übernommen hat, sondern sie ihm ein Herzensanliegen ist.
Viele Diözesanbischöfe
und Kardinäle moderner Coloeur kalkulieren das Horrorszenarium „Aussöhnung Roms mit der Priesterbruderschaft
St. Pius X.“ bereits ein, denn sie werden in ihren Äußerungen und Angriffen gegenüber unserer Priesterbruderschaft
St. Pius X. deutlich vorsichtiger und zurückhaltender. Meldungen über eine baldige Aussöhnung sind
also etwas mehr als bloße Gerüchte.
Einige Kardinäle fordern als Grundvoraussetzung zur Aussöhnung
offenbar, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. das Zweite Vatikanische Konzil anerkennt. Wird es
jemals zu einer Anerkennung dieses Konzils durch die FSSPX kommen?Im Zweiten Vatikanischen Konzil liegt
in der Tat das große Problem der Aussöhnung. In diesem Konzil ist der neue, liberale, ökumenische,
religionsfreiheitliche Weg der Katholischen Kirche festgeschrieben, und daher kann die Priesterbruderschaft
St. Pius X. dieses Konzil als Ganzes nie akzeptieren.
Erzbischof Lefebvre hat immer gesagt, daß wir
dieses Konzil im Lichte der Tradition annehmen. Aber es ist klar, daß durch das Sieb der Tradition vieles
nicht hindurchfallen wird und deshalb notwendigerweise wieder geändert beziehungsweise abgeschafft werden
muß.
Genügt Ihnen wenigstens die Zulassung der tridentinischen Heiligen Messe auf der ganzen Welt?
Wenn die Zelebration der Heiligen Messe im tridentinischen Ritus wieder auf der ganzen Welt zugelassen
wird, dann ist dies lobenswert und wird von uns nur begrüßt. Aber die Feier der Heiligen Messe ist nicht
alles.
Sie ist der Kern der katholischen Religion, aber mit dem Kern muß auch das katholische Umfeld,
also die gesamte Lehre, in welche die Heilige Messe eingebettet ist und welche die tridentinische Heilige
Messe in der besten Form zum Ausdruck bringt, zusammenpassen.
P. Lang FSSPX:
„Unser Weg der Aussöhnung
mit Rom kann nur über eine radikale Aufarbeitung des Zweiten Vatikanischen Konzils führen. Dafür ist
momentan die Zeit noch nicht reif.“
Wir können unmöglich den Sackgassenweg der Priesterbruderschaft St.
Petrus beschreiten, welche die tridentinische Heilige Messe gleichsam aus dem großen Kontext der katholischen
Lehre herausgeschnitten und ihren Kampf um die Tradition auf diesen Kern beschränkt hat. Damit sind sie
Nostalgiker, Folkloriker oder wie man es auch nennen mag, geworden. Damit hat sie aber de facto den Kampf
um die Tradition und den Kampf um die Gesundung der Katholischen Kirche aufgegeben.
Ihre Publikationen,
denen jede Kritik an den modernen Irrtümern der Katholischen Kirche, also am Umfeld der Heiligen Messe
fehlt, sind damit zahn- und kraftlos geworden. Diesen Weg der oberflächlichen und ungeduldigen Aussöhnung
mit Rom brauchen wir deshalb nicht zu gehen, da es ihn schon gibt und seine Falschheit mehr als offensichtlich
ist.
Wie soll dann Ihr Weg der Aussöhnung mit Rom aussehen?Unser Weg der Aussöhnung mit Rom kann
nur über eine radikale Aufarbeitung des Zweiten Vatikanischen Konzils führen. Dafür ist momentan die
Zeit – mit Schmerz und Klage muß dies festgestellt werden – noch nicht reif.
Es muß befürchtet werden,
daß unser Papst – wie es bei Katharina Emmerich zu lesen ist – zuerst über die Leichen seiner Priester,
Bischöfe und Kardinäle schreiten muß, bis ihm völlig klar geworden ist, wo der Weg der Katholischen
Kirche verläuft – sicherlich nicht auf dem Morast des Vatikanums II.
Würden Sie unseren Lesern kurz
die Unterschiede zwischen der Messe Pius V. und der Messe Pauls VI. erläutern und warum Sie letztere
ablehnen?Papst Pius V. war der Überzeugung, daß die Heilige Messe als die unblutige und geheimnisvolle
Erneuerung des Kreuzesopfers Jesu Christi von Kalvaria zu seiner Zeit in der äußeren Feier ihre beste
Form gefunden hat und deshalb hat er den tridentinischen Ritus für alle Zeiten festgeschrieben.
P. Lang
FSSPX:
„Die Neue Messe schneidet den Menschen von Gott ab, sie isoliert ihn. Die Neue Messe ist Hybris
pur, sie ist der moderne Turmbau zu Babel.“
Allein schon diese Tatsache hätte Papst Paul VI. zur Erkenntnis
bringen müssen, die heutige, verderbliche und die Katholische Kirche in den Ruin treibende Form der Heiligen
Messe zu unterlassen. Aber der Mensch in seiner Selbstüberschätzung – wie im Paradies – glaubte einen
Meßritus schaffen zu müssen, der endlich dem Menschen den ihm gebührenden Platz gibt: Die Messe wurde
zur gemeinschaftlichen Mahlfeier mit Betonung auf ‘gemeinschaftlich’ als der neuen Quelle aller Gnaden
und Hilfen.
Dagegen stellt die tridentinische Heilige Messe die Menschen unter das Kreuz, also mitten
in den ungeheuerlichen Strom der sieben Gnadenquellen hinein. Die tridentinische Heilige Messe kann daher
nie mit Blickrichtung zum Volk zelebriert werden, da sie theozentrisch, allein auf Gott ausgerichtet ist.
Der Priester als reines Werkzeug Jesu Christi und nicht als Selbstdarsteller und Moderator, hat die große
Berufung, den Menschen den Zugang zu den unendlich großen und wertvollen Schätzen des Kreuzes und der
Verdienste Jesu Christi zu ermöglichen. Es bleibt immer ein unumstößliches Gesetz, daß wir allein
in und mit Jesus Christus vollkommen werden und das ewige Ziel erreichen können.
Dagegen ist der Priester
in der neuen Messe ein Moderator, der Vorsitzende einer rein innerweltlichen Veranstaltung, und daher
wird diese Messe auch versus populum – zum Volk hin – gefeiert. Die Neue Messe ist ein Mahl und bei einem
Mahl schaut man sich logischerweise gegenseitig an.
Wo bleibt hier die Ausrichtung auf Gott? Braucht
in der Neuen Messe der Mensch Gott nicht mehr? Reicht den Menschen das Gesellschaftserlebnis? Übernimmt
dies die Stelle Gottes?
Die Neue Messe schneidet den Menschen von Gott ab, sie isoliert ihn. Die Neue
Messe ist Hybris pur, sie ist der moderne Turmbau zu Babel. Die Neue Messe ist weltweiter Protestantismus
mit der erweiterten Parole: Nicht nur los von Rom, sondern los von Gott.
Hoffen Sie unter Papst Benedikt
XVI. auf eine Katholische Kirche der Tradition oder befürchten Sie unter ihm eine Fortsetzung der letzten
40 Jahre?Eines ist unverkennbar, daß unser derzeitiger Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., deutlich
konservativer und offener für die Tradition als sein Vorgänger Johannes Paul II ist.
Wenn man die Biographie
von Papst Benedikt XVI. liest, von ihm selber verfaßt, dann ist es mit Händen zu greifen, daß er die
Tradition aus seiner Kindheit kennt, schätzt und vor allem auch versteht, aber seine modernistische Seele
hat derzeit noch das Übergewicht. Bei Papst Johannes Paul II. gab es nur die modernistische Seele, aber
bei unserem jetzigen Papst gibt es auch noch die traditionelle Seele, und das ist unsere Hoffnung.
Seine
Auffassungen von der Religionsfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, seine ökumenischen Eskapaden,
stimmen uns traurig und zeigen, daß derzeit eine echte und baldige Aussöhnung noch nicht möglich ist.
Wir hoffen aber, daß die Standesgnaden und manche negative persönliche Erlebnisse ihn immer mehr zur
Erkenntnis bringen werden, daß allein die Tradition in ihrer ganzen Lebendigkeit und vor allem der Antiliberalismus
der einzig mögliche Weg ist.