Liturgie
Novus Ordo bei den Chaldäern?
Die chaldäisch-katholische Ostkirche ist gerade dabei, eine Liturgiereform durchzuführen. Dabei schaut man vor allem nach Westen.
(kreuz.net, Paris) Bereits Mitte November hat die Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche dem Papst Vorschläge für eine Liturgiereform präsentiert.

Die Chaldäer sind die zahlenmäßig stärkste christliche Kirche im Irak. Der Sitz des chaldäischen Patriarchen befindet sich in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Die Reform der Liturgie sei das Hauptthema der November-Synode gewesen, erklärte ein Mitglied der Bischofssynode vor dem römischen Nachrichtendienst ‘AsiaNews’. Man habe bereits sieben Jahre an der Reform der Messe gearbeitet und wolle sie nun zu einem Abschluß bringen.

Mons. Petrus Yousif – Professor für Syro-chaldäische Patrologie und chaldäische Liturgie am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom – sprach Ende Januar mit der römischen Nachrichtenagentur ‘Zenit’ über die bevorstehende Liturgiereform.

Mons. Yousif erklärte, daß einige Elemente des chaldäischen Ritus – wie die Anaphora von Addai und Mari – auf das dritte Jahrhundert zurückgehen.

Der chaldäische Ritus selber sei im beginnenden vierten Jahrhundert in Mesopotamien – im heutigen Syrien, Irak und dem Südwesten der Türkei – entstanden.

In der Mitte des siebten Jahrhunderts sei er von Mar Ishoyab III. kodifiziert worden.

Die liturgische Sprache der Chaldäer ist das Aramäische, die vermutliche Muttersprache Christi. Es handelt sich um eine semitische Sprache, die mit dem Hebräischen verwandt ist.

Die chaldäische Messe beinhaltet vier Lesungen aus der heiligen Schrift – zwei aus dem Alten und zwei aus dem Neuen Testament. Der Ritus sei nüchtern und beinhalte viel Gesang.

Es gibt auch eine mit Rom nicht in Gemeinschaft stehenden parallele Gemeinschaft, die sich Assyrer nennt.

Die Frage ob es einen Unterschied zwischen dem assyrisch-getrennten und dem chaldäisch-katholischen Ritus gebe, verneint Mons. Yousif. Die Assyrer – die man fälschlicherweise auch als Nestorianer bezeichne – würden sich an den gleichen Ritus halten.

Die von den Chaldäern angestrebte Liturgiereform sei ein Versuch, die „ehrwürdige Liturgie für unsere Zeit zugänglich zu machen“:

Der neue Text sei klarer und kompakter und er beinhalte die Hinwendung des Priester zum Volk, wenn dieses angesprochen sei.

Wenn der Priester zu Gott spreche, blicke er wieder zum Kreuz, denn es sei Christus, der das Antlitz des Vaters offenbare.

Der chaldäische Ritus unterscheidet sich – so der Liturgiker – vom römischen Ritus unter anderem im Friedensgruß. Dabei ergreife der Priester den Kelch und reiche ihn dem Diakon. Dieser nehme den Kelch mit beiden Händen und bringe ihn zu den Gläubigen. Dort werde der Kelch auf die gleiche Weise weitergereicht: „Der Frieden kommt vom Altar, welcher der Altar der Versöhnung ist.“

Zur Frage nach den Berufungen erklärte Mons. Yousif, daß es trotz der schwierigen Situation im Irak eine beträchtliche Anzahl von Seminaristen gebe.

In Notsituationen dürften auch gutausgebildete verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden. Gegenwärtig gebe es bei den Chaldäern etwa ein Dutzend verheirateter Priester.

Abschließend betont Mons. Yousif, daß es – im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils – gut sei, daß die Chaldäer ihrem Ritus treu blieben.

Sie seien gerufen, seine Altehrwürdigkeit, seine Originalität und seinen Reichtum als einen Schatz zu bezeugen.

Der chaldäische Ritus sei ein Teil des Erbes der Kirche und der Menschheit.