11:18:13 | Mittwoch, 19. April 2006
Der Bischof von Basel beantwortete kürzlich die üblichen Fragen zur Frauenordination und zur Priesterehe. Er sprach auch über liturgische Tänze und seine Aufgabe im „schwierigsten Bistums der Welt“.
(kreuz.net, Solothurn) Am 22. Februar veröffentlichte die ‘Berner Zeitung’ ein Interview mit dem Bischof
von Basel, Mons. Bischof Kurt Koch (55).
Der Bischof von Basel residiert in der Stadt Solothurn – 40
Kilometer südlich von Basel.
Der Journalist erinnert zu Beginn des Gesprächs an sogenannte „hoffnungsvolle
Zeichen“
beim Amtsantritt des Bischofs vor zehn Jahren.
Damals habe zum Beispiel eine Frau zum ersten
Mal im Chorraum der Kathedrale das Tanzbein geschwungen.
Der Bischof erklärt dazu, daß er damit habe
zeigen wollen, daß es verschiedene Formen des Gebetes gebe und daß auch ein Tanz durchaus der Ehrfurcht
des Gottesdienstes dienen könne.
Das sei auch in diesem Februar der Fall gewesen, als er die Ordensgemeinschaften
in der Diözese nach Solothurn eingeladen habe: „Da haben indische Ordensschwestern ebenfalls einen Tanz
aufgeführt, um so ihr Ordensgelübde darzustellen.“
Er sehe darin keinen Zusammenhang zu einer Frauenordination:
„Denn Tanzen ist kein Privileg des Amtes, sondern eine Gebetsform, die allen getauften Männern und Frauen
offen steht.“
Es sei ihm stets ein großes Anliegen gewesen, die Frauen auch in die kirchlichen Leitungsstrukturen
einzubinden. Man könne dies auch daran ablesen, daß gegenwärtig in jedem Regionaldekanat des Bistums
eine Frau in der Führung sei und auch im Bischöflichen Ordinariat eine Frau im Personalamt und zwei
im Pastoralamt mitwirkten:
„Wenn ich die Situation richtig überblicke, gibt es in der Bistumsleitung
prozentual sogar mehr Frauen als beispielsweise in Finanzgremien.“
Die Frauenordination sei dagegen eine
Angelegenheit der Gesamtkirche:
„Da vor allem Papst Johannes Paul II. bereits Aussagen über die Unmöglichkeit
der Frauenordination gemacht hat, braucht es sicher schwerwiegende Gründe, um diese Frage neu zu diskutieren.“
Das bedeute, daß dieses Thema nur von einem Konzil wieder neu aufgerollt werden könne.
Zur Frage der
sogenannten Priesterehe erklärt Mons. Koch, daß er „das Anliegen“ in Rom immer wieder vorbringe. Er
weise in Rom auch darauf hin, daß die angespannte kirchliche Personalsituation in eine schwierige Zukunft
führen werde.
Angesprochen auf den
Fall des suspendierten Ex-Pfarradministrators von Röschenz erklärt
der Bischof, daß das Problem Röschenz keine Spaltung im Bistum bewirkt, sondern eine längst schwelende
sichtbar gemacht habe.
Da das Bistum Basel kein Medienorgan habe, sei er den Medien als Bischof auf Gedeih
und Verderb ausgeliefert.
Sodann wird der Bischof gefragt, warum er vor zwei Jahren – zum 175-Jahr-Jubiläum
des Bistums Basel – seine Diözese als die schwierigste der Welt bezeichnet habe.
Der Bischof erklärt,
daß diese Aussage von Papst Gregor XVI. bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht worden
sei. Für diese Feststellung müsse der Papst seine Gründe gehabt haben:
„Und ich habe auch heute unter
anderen Umständen nicht viele Gründe, ihm zu widersprechen.“
Dazu verweist der Bischof auf die Zusammensetzung
seiner Diözese. Das Bistum besteht aus einem deutsch- und einem französischsprachigen Teil und erstreckt
sich – mit rund einer Million Gläubigen – über zehn Kantone hinweg.
Eine besondere Schwierigkeit bestehe
darin, daß die staatskirchenrechtlichen Institutionen – das heißt: die Verwaltung der Kirchensteuer –
kantonal geregelt seien.
Dadurch müsse ein Bischof bei der Umsetzung diözesaner Anliegen mit zehn verschiedenen
sogenannten Landeskirchen kommunizieren.
Die Frage wie er seine Aufgabe als Bischof verstehe, beantwortet
Mons. Koch mit einem Bild:
„Der Bischof muß schauen, daß er all die verschiedenen Entwicklungen, Tendenzen
und Strömungen in seinem Bistum unter einen Hut bringen kann. Und vor allem muß er dabei aufpassen,
daß der Hut nicht zu groß wird, sonst fällt er einem über den Kopf, und dann sieht man bekanntlich
überhaupt nichts mehr.“