Freitag, 21. April 2006 10:17
Die Moslems fürchten und empfinden die Macht des Westens und die Bedrohung, die dieser für ihre Gesellschaft und ihren Glauben darstellt.

(kreuz.net, Miami) Kürzlich sprach der melkitische Erzbischof Cyril Salim Bustros an der katholischen
‘St. Thomas University’ in Miami. Darüber berichtete jüngst die Kirchenzeitung der Diözesen im US-Bundesstaat
Florida ‘The Florida Catholic’.
Die Melkiten sind eine mit Rom unierte Gemeinschaft. Sie feiern die Byzantinische
Liturgie in arabischer Sprache.
Erzbischof Bustros ist Libanese. Er studierte in Jerusalem und war von
1988-2004 Bischof in Baalbeck – 70 Kilometer östlich von Beirut. Gegenwärtig ist Mons. Bustros Oberhirte
der Melchiten in den USA mit Sitz in der Stadt Newton im Bundesstaat Massachusetts.
Der Erzbischof sprach
zum Thema „Kampf der Zivilisationen“.
Im gegenwärtigen Konflikt mit dem Islam gehe es nicht um die Religion
sondern „um die verschiedenen Formen der Gesellschaft und um die Beziehung der Religion zum Staat“.
Im
Islam werde die Welt oft in „Dar al Islam“ und „Dar al Harb“ – in ein Land des Friedens und ein Land des
Krieges eingeteilt. Der Friede komme durch „Islam“ – das heißt – durch eine Übergabe an den göttlichen
Willen zustande.
Land des Friedens sei das von den Moslems eroberte Land, während das Land des Krieges
von ihnen noch erobert werden müsse.
Wie die Christen seien Moslems verpflichtet, Ungläubige zu bekehren.
Die Lehre des Islam fordere auch Krieg gegen die Ungläubigen. Die Vorstellung der Gewaltlosigkeit sei
in der islamischen Lehre und Praxis abwesend.
Dort gebe es auch keine Trennung zwischen Gott und dem
Kaiser. Letzterer regiere im Namen Gottes: „Darum unterscheiden die Moslems auch nicht zwischen dem Westen
und dem Christentum.“
Die Situation werde dadurch schwierig, daß den Moslems die materialistische, dekadente
und sittenlose Seite des Westens nicht verborgen bleibe.
„Moslems sehen den gottlosen Westen als ihren
Gegnern. Sie sind von der Überlegenheit ihrer Kultur überzeugt, aber die Unterlegenheit ihrer Macht
macht ihnen zu schaffen.“
„Die Moslems fürchten und empfinden die Macht des Westens und die Bedrohung,
die dieser für ihre Gesellschaft und ihren Glauben darstellt.“
Viele dieser Ängste seien durch die
Geschichte des Kolonialismus im 19. und 20. Jahrhundert und von der willkürlichen Grenzziehung der Westmächte
im Nahen Osten nach den zwei Weltkriegen – besonders bei der Gründung des Staates Israel im vorwiegend
moslemischen Palästina – gerechtfertigt.
Heute würden sich viele Moslems als „Opfer eines weitverbreiteten
antimuslimischen Vorurteils sehen, das mit Antisemitismus zu vergleichen sei.“
Dieses Faktum sowie die
Tatsache, daß ein großer Teil der 15- bis 30jährigen Moslems arbeitslos ist und die Leichtigkeit,
Erzbischof
Bustros:
„Der Selbstmordattentäter besitzt keine Zukunft. Er hat keine Arbeit. Er ist überzeugt, daß
das der einzige Weg ist, um den Krieg gegen die Ungläubigen zu gewinnen.“
mit der religiöse und politische
Führer ihren religiösen Eifer ausnützen können, erkläre die Existenz von Selbstmordattentätern.
„Dieser besitzt keine Zukunft. Er hat keine Arbeit. Er ist überzeugt, daß das der einzige Weg ist,
um den Krieg gegen die Ungläubigen zu gewinnen.“
Es sei für Christen, Moslems und Juden dennoch nicht
unmöglich zusammenzuleben, erklärte der Erzbischof.
Obwohl es zwischen ihnen immer Kriege gegeben habe,
würde der Islam Christen und Juden nicht als Ungläubige sehen.“
Der Koran nenne sie „die Leute des
Heiligen Buches“, das heißt, Vertreter einer offenbarten Religion, die an den wahren Gott, den Gott Abrahams,
Isaaks und Jakobs glauben.
Die Moslems betrachteten Christus als einen großen Propheten und verehren
seine Mutter.
Der Koran lehre auch, daß es Christen und Juden erlaubt sein solle, ihren Glauben frei
zu praktizieren, so lange sie das Islamische Gesetz befolgen und nicht gegen die Regierung arbeiten:
„So sehen wir während Jahrhunderten, daß Juden mit Moslems in allen arabischen Ländern im Frieden gelebt
haben: Syrien, Irak, Palästina, Libanon, Ägypten und Nordafrika“.
Der Erzbischof ist davon überzeugt,
daß ein Kampf der Zivilisationen vermieden werden kann.
Dazu müsse der Westen alle anderen Religionen
und Zivilisationen respektieren und dürfe ihnen seine Werte nicht aufzwingen.
Gleichzeitig müsse der
Islam seine Mentalität ändern und zu einer weniger wörtlichen Auslegung ihrer Lehren gelangen.