Verbrechen
Ein Priester als Ritualmörder?
In den USA läuft gegenwärtig ein Prozeß, bei dem ein früherer Spitalkaplan angeklagt ist, vor 26 Jahren eine Klosterfrau ermordet zu haben.
(kreuz.net, Toledo) Das Verbrechen geschah in der Sakristei der Kapelle des katholischen Mercy Krankenhauses in Toledo.

Die Stadt Toledo, die auch Sitz einer Diözese ist, befindet sich im US-Bundesstaat Ohio im Nordosten der Vereinigten Staaten.

Am frühen Morgen des 5. April 1980 – es war ein Karsamstag – war Sr. Margaret Ann Pahl damit beschäftigt, die bevorstehende Osternacht vorzubereiten.

Am darauffolgenden Ostersonntag hätte die Klosterfrau ihren 72. Geburtstag gefeiert. Doch es kam anders. Um 8.00 Uhr wurde Sr. Margaret ermordet in der Sakristei entdeckt.

Die Klosterfrau war erwürgt worden. Anschließend hatte der Täter mit einem Messer 27 bis 32 Mal auf sie eingestochen.

Die Polizei vermutete einen Ritualmord. Die Leiche von Sr. Margaret war mit einem Altartuch überdeckt und so hingelegt worden, als ob sie vergewaltigt worden wäre.

Die Stichwunden am Oberkörper zeigten eine bestimmte Anordnung. Wertgegenstände wurden keine gestohlen.

24 Jahre blieb der Mord unaufgeklärt.

Doch am 23. April 2004 verhaftete die Polizei den Priester Gerald Robinson (68). Er wirkte zur Zeit der Ermordung der Klosterfrau als Kaplan des Krankenhauses und hatte bei der Beerdigungsmesse der Schwester konzelebriert.

Grund für die Festnahme des Priesters war die Aussage einer Frau vor einem Untersuchungsausschuß der Diözese Toledo. Die Frau hatte berichtet, von einem Pfarrer und anderen Kirchenmitarbeitern vergewaltigt und gefoltert worden zu sein.

Dabei beschrieb sie Zeremonien mit Altären, Kerzen und Teilnehmern in langen Gewändern.

Sie sei ferner als Jugendliche von einem anderen Priester vergewaltigt worden, den sie als Hw. Robinson identifizierte.

Bis zum heutigen Tag konnten die Behauptungen der Frau nicht nachgewiesen werden. Doch es scheint, daß in der Zwischenzeit drei weitere Frauen von ähnlichen Ereignissen berichtet haben.

Eine von ihnen behauptete, daß Hw. Robinson an kultähnlichen Mißbräuchen teilgenommen haben soll.

Bisher sind in diesem Zusammenhang keine Anklagen erhoben worden. Doch der Hinweis auf Hw. Robinson ließ die Polizei aufhorchen.

Der Priester war offenbar von Spitalangestellten schon direkt nach dem Mord an Sr. Margaret verdächtigt worden. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Im Gefolge der Bluttat wurde Hw. Robinson auch zwei Tage von der Polizei verhört.

Untersuchungsbeamte beschlagnahmten in seinen Räumlichkeiten auch einen Brieföffner mit Blutspuren. Doch die damalige wissenschaftliche Auswertung konnte keinen Zusammenhang mit dem Blut herstellen, das in der Sakristei gefunden wurde.

Zudem wollte eine Zeugin am Tatort einen Mann gesehen haben, dessen Beschreibung mit jener des Priesters nicht übereinstimmte.

Doch jetzt verfügt die Polizei über bessere gerichtsmedizinische Techniken.

Dadurch konnten Blutflecken analysiert werden, die am Morgen der Tat auf einem zweiten Altartuch in der Sakristei gefunden wurden.

Untersuchungen aus dem Jahr 2004 ergaben, daß diese Flecken mit dem Blut übereinstimmten, das auf dem Brieföffner von Robinson gefunden wurde.

Der blutige Brieföffner war offenbar auf das Altartuch gelegt worden.

In der Zwischenzeit ist auch der einbalsamierte Leichnam der ermordeten Schwester exhumiert worden. Die Polizei interessiert sich offenbar vor allem für die Anordnung der Stichwunden.

Der Prozeß gegen Hw. Robinson begann am vergangenen Freitag.

Sollte der Priester schuldiggesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.