Freitag, 19. Mai 2006 15:59
Er darf nicht – wird aber trotzdem
Eine 14jährige Prominententochter wünscht sich den wiederverheirateten Finanzminister Österreichs als Firmpaten. Der Ortspfarrer mußte ablehnen und erhielt sogar die Rückendeckung der Wiener Erzdiözese. Doch dann fand man eine Lösung.
Karl-Heinz Grasser
Karl-Heinz Grasser
(kreuz.net, Weikersdorf am Steinfelde) Der Pfarrer von Weikersdorf am Steinfelde, Hw. Krzysztof Lasota, erklärte kürzlich dem österreichischen Finanzminister Karl-Heinz Grasser, daß er kein Firmpatenamt übernehme könne.

Das berichtete die Tageszeitung ‘Oberösterreichischen Nachrichten’ heute Freitag.

Weikersdorf am Steinfelde befindet sich im Süden von Niederösterreich im Bezirk Wiener Neustadt. Kirchlich gehört der Ort zur Erzdiözese Wien.

Als Grund führte Pfarrer Lasota den Lebenswandel des Finanzministers an. Er komme als Pate nicht in Frage, weil er von seiner Ehefrau geschieden ist und gegenwärtig mit der Tiroler Millionenerbin Fiona Swarovski im staatlichen Konkubinat lebt.

Der prominente Patenwunsch stammt von der 14jährigen Tochter des österreichischen Managers Siegfried Wolf. Wolf ist der Leiter des kanadischen Autozuliefer-Riesen ‘Magna International’ und gilt als einer der bestbezahlten Manager Österreichs.

Wolf teilte dem Finanzminister den Wunsch seiner Tochter mit. Grasser willigte ein. Doch die Rechnung der Reichen ging vorerst nicht auf.

Der zuständige Pfarrer Lasota erklärte – offenbar unbeeindruckt von soviel Prominenz –, daß eine Person, die wie Grasser in öffentlicher Sünde lebe, als Firmpate nicht in Frage komme.

Die Wiederverheiratung eines Geschiedenen zieht einen Ausschluß von den Sakramenten nach sich und macht für ein Patenamt ungeeignet.

Auch Interventionen bei höheren kirchlichen Stellen änderten nichts. Sogar der liberale Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, nahm Pfarrer Lasota in Schutz.

Der Geistliche habe richtig gehandelt, denn das Patenamt sei nicht nur daran gebunden, daß der Pate kirchlich getauft und gefirmt, sondern auch – wenn verheiratet – kirchlich vermählt sei.

Leitenberger sprach „von einem schwierigen seelsorgerischen Problem“, vor dem die Katholische Kirche stehe. Man könne aber auch bei einem Finanzminister keine Ausnahme machen.

Sprach’s und hätte besser geschwiegen.

Jetzt wird die Tochter des Magna-Chefs mit Finanzminister Grasser als Firmpaten in einer Nachbarpfarrei – die ebenfalls zur Erzdiözese Wien gehört – gefirmt werden.

Die Letztverantwortung für den Fall liegt jetzt in den Händen des Erzbischofs von Wien, Christoph Kardinal Schönborn.
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