Kardinal Mayer
Der andere Bayer im Vatikan
Der bayerische Kurienkardinal Paul Augustin Mayer OSB feiert heute seinen 95. Geburtstag. Der Sohn eines Generals ist der viertälteste Purpurträger der Römischen Kirche. Sein Leben hat bisher neun Päpste umfaßt.
(kreuz.net, Vatikan) Der aus dem bayerischen Marienwallfahrtsort Altötting stammende Kurienkardinal Mayer lebt heute in einer Wohnung in unmittelbarer Nähe des Vatikan.

Er wird von zwei US-amerikanischen Ordensschwestern umsorgt.

Der Kardinal aus dem Benediktinerorden war bis 1988 Präfekt der Gottesdienstkongregation.

Danach ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum ersten Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’.

Die Kommission wurde nach den vier von Erzbischof Marcel Lefebvre durchgeführten Bischofsweihen als Anlaufstelle für die Gläubigen des Alten Ritus errichtet.

Kardinal Mayer war auch bei den Lefebvristen akzeptiert und geschätzt. Im Gegensatz zu seinen unmittelbaren Nachfolgern bemühte er sich sehr um das Anliegen der Traditionalisten.

Die konservative Wochenzeitung ‘Rheinischer Merkur’ ordnete kürzlich das Leben des bayerischen Kardinals in die neun Pontifikate, die an seinem Leben vorbeigezogen sind.

Kardinal Mayer erblickte das Licht der Welt am 23. Mai 1911. Damals regierte in Rom der Heilige Papst Pius X. († 1914).

Als dessen Nachfolger, Benedikt XV., 1922 starb war er ein zehnjähriger Junge: „Ich habe mich gefreut, als der jetzige Heilige Vater sich Benedikt XVI. nannte, denn den Namensvorgänger hatte ich gut in Erinnerung.“

Von Pius XI. († 1939) erhielt der nach Rom versetzte Benediktiner während des Theologiestudiums einen besonderen Segen.

Pius XII. († 1958) bewunderte er.

Unter dem „herzlichen“ Papst Johannes XXIII. († 1963) wurde Kardinal Mayer 1960 Sekretär einer Vorbereitungskommission für das Zweite Vatikanische Konzil.

Johannes XXIII. habe ihm einmal erzählt, daß er am Anfang mit dem Priesterberuf Probleme gehabt habe, weil er bei der Soutane „30 Knöpfe morgens und 30 Knöpfe abends“ öffnen oder schließen mußte.

Dem Sohn aus ärmlichen Verhältnissen sei das Benützen von Taschentüchern lästig gewesen: „Das war so herzig von ihm“ – erinnert sich Kardinal Mayer.

Papst Paul VI. († 1978) berief den damaligen Abt des Benediktinerklosters Metten – in der Diözese Regensburg – zum Sekretär an die Ordenskongregation: „Wenn der Papst ruft, kann man da Nein sagen?“

Im Februar 1972 empfing er die Bischofsweihe. Zwölf Jahre später ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Pro-Präfekten der Gottesdienstkongregation und verlieh ihm im Mai 1985 die Kardinalswürde.

Den Tod von Johannes Paul II. im vergangenen April bezeichnete Kardinal Mayer als ergreifend: „Ich war hier drei Tage und Nächte wie eingeschlossen, draußen die wartenden Menschenmassen, die alle den aufgebahrten Johannes Paul im Petersdom sehen wollten.“

Weil er wie Benedikt XVI. ein Bayer sei, lebe er seit der Papstwahl in einer besonderen Zeit.

Während der Generalkongregationen zur Vorbereitung auf das Konklave habe er dem damaligen Kardinal Ratzinger geschrieben: „Wenn eine noch größere Aufgabe auf dich zukommen sollte, bitte schlage sie nicht ab.“

Als Papst gebe Benedikt XVI. der Kirche „klare Orientierung, nicht in der Kälte, sondern in der Wärme eines liebenden Herzens“.

Kürzlich war er beim Heiligen Vater zum gemeinsamen Essen eingeladen: „Es ist ergreifend, daß er sich des alten bayerischen Landsmannes erinnert, der sozusagen auf die Schutthalde des Vergessens gehört.“