Sonntag, 28. Mai 2006 19:22
Am vierten und letzten Tag seiner Polenreise zelebrierte Papst Benedikt XVI. in Krakau – der ehemaligen Bischofsstadt seines Vorgängers – eine Heilige Messe. Am Abend besuchte er das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz.

(kreuz.net, Krakau) Bei der Papstmesse im Blonie-Park von Krakau konzelebrierten 2.000 Geistliche – darunter
20 Kardinäle und 150 Erzbischöfe und Bischöfe aus 16 Ländern. Rund 1.5 Millionen Gläubigen wohnten
der Messe bei.
Der Papst rief die Meßbesucher auf, den Glauben an Christus nach Europa und in die ganze
Welt hinauszutragen.
In seiner Predigt erinnerte der Heilige Vater auch an Papst Johannes Paul II.: Er
sei als Pilger auf den Spuren seines Vorgängers nach Polen gekommen.
„Ich wollte die Luft seiner Heimat
atmen. Ich wollte das Land sehen, in dem er geboren wurde und aufwuchs, um seinen unermüdlichen Dienst
für Christus und die Weltkirche aufzunehmen.“
Vor allem wollte Benedikt XVI. die „lebenden Menschen
treffen“: „Ich wollte euren Glauben sehen, der Johannes Paul II. nährte, und mich davon überzeugen,
daß ihr fest im Glauben seid.“
Papst Benedikt XVI. erklärte bei der Predigt auch das Motto seines Pastoralbesuchs,
„bleibt stark im Glauben“.
Glauben heiße vor allem, das als wahr zu akzeptieren, was der menschliche
Geist nicht bis in die Tiefe versteht.
Die Menschen müßten annehmen, was Gott über sich selber enthüllt.
Sie müßten glauben, was er über den Menschen und die Wirklichkeit, die ihn umgibt, offenbarte.
Glauben
heiße, sich Gott auszuliefern, ihm das Schicksal anzuvertrauen und eine ganz persönliche Bindung mit
dem Schöpfer und Erlöser herzustellen.
Zum Abschluß der Polenreise besuchte der Heilige Vater am Sonntag
abend das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau.
Dieser Besuch war ursprünglich
nicht vorgesehen. Laut ‘Radio Vatikan’ hat Benedikt XVI. persönlich darauf bestanden:
„Ich bin heute
hier als ein Sohn des deutschen Volkes, und genau deshalb muß und kann ich sagen mit ihm: Nie könnte
ich nicht hierher kommen. Ich mußte kommen.“
Der Papst erklärte in seiner selber geschriebenen Ansprache,
daß der Besuch als Nachfolger von Johannes Paul II. und als Sohn des deutschen Volkes seine Pflicht sei.
„Wie viele Fragen bedrängen uns an diesem Ort! Immer wieder von neuem erwächst die Frage: Wo warst
du Gott in diesen Tagen? Warum hat Er geschwiegen? Wie konnte er zulassen dieses Auswuchs an Zerstörung,
diesen Triumph des Bösen?“
Benedikt XVI. erklärte, daß der Mensch das Geheimnis Gottes nicht ergründen
könne: „Wir sehen lediglich Fragmente und wir täten falsch daran, wenn wir uns zum Richter über Gott
und die Geschichte machen würden.“
Als der Papst in Birkenau die Reihe der Gedenktafeln abschritt, erschien
hinter seinem Rücken im Himmel der Regenbogen.