11:17:08 | Dienstag, 30. Mai 2006
Piusbruderschaft
Eine neue Benediktinerabtei in Deutschland
Während den traditionellen deutschen Pfarreien und Ordensgemeinschaften Massenschließungen bevorstehen, wird in der Eifel ein neues Kloster gegründet. Von den Lefebvristen.
(kreuz.net, Monschau) In das frühere Prämonstratenserkloster Reichenstein, das zum Ort Monschau gehört,
sollen Benediktinermönche einziehen.
Das berichtete die ‘Eifeler Zeitung’ – die lokale Ausgabe der Tageszeitung
‘Aachener Nachrichten’.
Das ehemalige Kloster liegt in der Eifel, ungefähr 30 km südlich von Aachen
und 5 Kilometer westlich von Monschau unweit der belgischen Grenze. Das Gebiet gehört kirchlich zum Bistum
Aachen.
Die Auflösung des ehemaligen Klosters erfolgte im Juni 1802. Die Ländereien und die Klostergebäude
wurden versteigert und zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb umfunktioniert.
Die Klosterkirche
wurde zuerst ein Schafstall, später eine Käsefabrik und schließlich bis 1971 ein Heustall.
Dann kauften
die Eheleute Helma und Rechtsanwalt Dr. Ernst Handschumacher das Gut Reichenstein und restaurierten es.
Das Kirchengebäude mit 110 Sitzplätzen wurde durch den ‘Verein der Freunde und Förderer der ehemaligen
Klosterkirche Reichenstein e.V.’ restauriert.
Seither läutet die alte Glocke des Klosters wieder zu
den Stunden und zum Angelusgebet über dem Rurtal.
Jetzt soll auch das jahrtausendalte Chorgebet der
Kirche zurückkehren.
Als Kaufinteressenten wurden Benediktiner aus der Abtei Notre Dame de Bellaigue
in der französischen Ortschaft Virlet genannt. Virlet befindet sich in der Auvergne im südlicheren Teil
Frankreichs.
Notre Dame de Bellaigue ist eine Tochtergründung der Benediktinerabtei Le Barroux. Es wurde
im Mai 1987 unter der Piusbruderschaft errichtet. Als sich die Abtei Le Barroux dem Vatikan zuwandte,
trennte sich Notre Dame de Bellaigue vom Mutterkloster.
Schon lange wollten mit Rom verbundene Benediktiner
des Alten Ritus in Deutschland oder im Elsaß ein Kloster gründen. Doch der Versuch wurde von den Ortsbischöfen
erfolgreich abgewehrt.
Jetzt füllen Mönche, die der Piusbruderschaft verbunden sind, diese Lücke.
Die Benediktiner des Alten Ritus befolgen strikt die Regel des Heiligen Benedikt und halten die Gebetszeiten
so wie vom Gründer vorgesehen.
Dagegen haben sich die erneuerten Benediktinerklöster seit den Umstellungen
nach dem Zweiten Vatikanum meist vom Charisma des Gründers entfernt: Sie absolvieren ein sehr reduziertes
Gebetsprogramm und sind häufig sehr verweltlicht. Außerdem haben oft viele Luxusgüter und moderne Bequemlichkeiten
Einzug hinter die Klostermauern gehalten.
Die jüngste Klostergründung in Deutschland – die ohne Erlaubnis
des Bistums Aachen durchgeführt wird – wurde nach Angaben der ‘Kölnischen Rundschau’ durch einen Antrag
auf Befreiung von den Vorschriften des Landschaftsplans bekannt.
Für die Inbetriebnahme der Anlage ist
ein Umbau der bestehenden Gebäude und ein Neubau für 25 Mönchszellen notwendig.
In der Ortschaft Monschau
wird das Vorhaben der französischen Mönche als Glücksfall gewertet, denn es gibt keinen Nachfolger
für eine weitere landwirtschaftliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gutes.
Nach dem Einzug
der Mönche wird die Liegenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich werden.
Die Benediktiner wollen
die Ställe als Werk- und Gasträume herrichten und einen Klosterladen betreiben.
Die Kirche soll wie
bisher der Öffentlichkeit etwa für Trauungen zur Verfügung stehen – allerdings wohl nur noch im Alten
Ritus.