Piusbruderschaft
Eine neue Benediktinerabtei in Deutschland
Während den traditionellen deutschen Pfarreien und Ordensgemeinschaften Massenschließungen bevorstehen, wird in der Eifel ein neues Kloster gegründet. Von den Lefebvristen.
(kreuz.net, Monschau) In das frühere Prämonstratenserkloster Reichenstein, das zum Ort Monschau gehört, sollen Benediktinermönche einziehen.

Das berichtete die ‘Eifeler Zeitung’ – die lokale Ausgabe der Tageszeitung ‘Aachener Nachrichten’.

Das ehemalige Kloster liegt in der Eifel, ungefähr 30 km südlich von Aachen und 5 Kilometer westlich von Monschau unweit der belgischen Grenze. Das Gebiet gehört kirchlich zum Bistum Aachen.

Die Auflösung des ehemaligen Klosters erfolgte im Juni 1802. Die Ländereien und die Klostergebäude wurden versteigert und zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb umfunktioniert.

Die Klosterkirche wurde zuerst ein Schafstall, später eine Käsefabrik und schließlich bis 1971 ein Heustall.

Dann kauften die Eheleute Helma und Rechtsanwalt Dr. Ernst Handschumacher das Gut Reichenstein und restaurierten es.

Das Kirchengebäude mit 110 Sitzplätzen wurde durch den ‘Verein der Freunde und Förderer der ehemaligen Klosterkirche Reichenstein e.V.’ restauriert.

Seither läutet die alte Glocke des Klosters wieder zu den Stunden und zum Angelusgebet über dem Rurtal.

Jetzt soll auch das jahrtausendalte Chorgebet der Kirche zurückkehren.

Als Kaufinteressenten wurden Benediktiner aus der Abtei Notre Dame de Bellaigue in der französischen Ortschaft Virlet genannt. Virlet befindet sich in der Auvergne im südlicheren Teil Frankreichs.

Notre Dame de Bellaigue ist eine Tochtergründung der Benediktinerabtei Le Barroux. Es wurde im Mai 1987 unter der Piusbruderschaft errichtet. Als sich die Abtei Le Barroux dem Vatikan zuwandte, trennte sich Notre Dame de Bellaigue vom Mutterkloster.

Schon lange wollten mit Rom verbundene Benediktiner des Alten Ritus in Deutschland oder im Elsaß ein Kloster gründen. Doch der Versuch wurde von den Ortsbischöfen erfolgreich abgewehrt.

Jetzt füllen Mönche, die der Piusbruderschaft verbunden sind, diese Lücke.

Die Benediktiner des Alten Ritus befolgen strikt die Regel des Heiligen Benedikt und halten die Gebetszeiten so wie vom Gründer vorgesehen.

Dagegen haben sich die erneuerten Benediktinerklöster seit den Umstellungen nach dem Zweiten Vatikanum meist vom Charisma des Gründers entfernt: Sie absolvieren ein sehr reduziertes Gebetsprogramm und sind häufig sehr verweltlicht. Außerdem haben oft viele Luxusgüter und moderne Bequemlichkeiten Einzug hinter die Klostermauern gehalten.

Die jüngste Klostergründung in Deutschland – die ohne Erlaubnis des Bistums Aachen durchgeführt wird – wurde nach Angaben der ‘Kölnischen Rundschau’ durch einen Antrag auf Befreiung von den Vorschriften des Landschaftsplans bekannt.

Für die Inbetriebnahme der Anlage ist ein Umbau der bestehenden Gebäude und ein Neubau für 25 Mönchszellen notwendig.

In der Ortschaft Monschau wird das Vorhaben der französischen Mönche als Glücksfall gewertet, denn es gibt keinen Nachfolger für eine weitere landwirtschaftliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gutes.

Nach dem Einzug der Mönche wird die Liegenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich werden.

Die Benediktiner wollen die Ställe als Werk- und Gasträume herrichten und einen Klosterladen betreiben.

Die Kirche soll wie bisher der Öffentlichkeit etwa für Trauungen zur Verfügung stehen – allerdings wohl nur noch im Alten Ritus.