09:47:01 | Samstag, 18. Dezember 2004
Kinderabtreibung
Sogar die sozialistische Diktatur China beginnt, Spätabtreibungen zu verbieten
Entgegen dem Trend in einigen westlichen Staaten verschärft China sein Abtreibungsgesetz. Die Kinderabtreibung und der Ein-Kind-Zwang zerstören die chinesische Gesellschaft. Frauen werden zur Mangelware.
(kreuz.net, Guiyang) Die chinesische Zeitung „Taipai Times“ berichtete gestern von einer Verschärfung
des Abtreibungsgesetzes in China. Ab 1. Januar dürfen Kinder in Guiyang ‘nur’ noch bis zur 14. Schwangerschaftswoche
abgetrieben werden. Guiyang ist die Hauptstadt der westchinesischen Provinz Guizhou.
Das Gesetz der chinesischen
Volksrepublik erlaubt die Kinderabtreibung ohne jede Einschränkung.
Guiyang wird als erste Stadt Chinas
die Abtreibung von Kindern, die älter als 14 Wochen sind, verbieten. Ab 2005 dürfen ungeborene Kinder
nach der 14. Woche in Guiyang ‘nur’ mehr unter gewissen Umständen getötet werden. Spätabtreibungen
bleiben erlaubt, sofern der Vater stirbt, das Ehepaar geschieden wird oder das Leben der Mutter in Gefahr
ist. Auch behinderte Kinder dürfen weiterhin ohne jede Einschränkung eliminiert werden.
Ärzte und
Spitäler, die sich dieser neuen Bestimmung widersetzen, werden mit Geldbußen bestraft. Diese können
sich auf bis zu 300.000 yuan (27.000 Euro) belaufen.
Der Bürgermeister von Guiyang, Luo Zhuyun meinte,
die Abtreibung habe auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft. Die Stadt sehe Handlungsbedarf.
Es gelte, keine Zeit zu verlieren.
Das chinesische Gesundheitsministerium schätzt, daß der Großteil
der Kinderabtreibungen an sechs Monate alten Kindern begangen wird. Es gibt auch zahlreiche Berichte von
Abtreibungen älterer Kinder.
China versucht als eines der größten Abtreibungsregime der Welt jetzt
durch Einschränkung der Kinderabtreibungen eine demographische Katastrophe im Land zu verhindern. Viele
Eltern warten mit der Abtreibung ihres Kindes, bis ein Ultraschallergebnis mit dem Geschlecht ihres Nachwuchses
vorliegt. Weil sich viele Chinesen einen männlichen Stammhalter wünschen und die Regierung auf der Ein-Kind-Politik
beharrt, sind vor allem Mädchen in Gefahr, abgetrieben zu werden.
Die neue Regelung von Guiyang will
auch verbieten, das Geschlecht eines Kinder vorgeburtlich auszuforschen. Kliniken und Ärzte, die hierbei
behilflich sind, sollen mit 30.000 yuan (2700 Euro) bestraft werden.
Im Jahr 2003 kamen in China auf
117 Buben nur 100 Mädchen. 1982 war die Geburtenrate noch vergleichbar mit jenen anderer Länder: Auf
105 chinesische Burschen kamen 100 Mädchen.
Die demographische und soziale Entwicklung ist seit dem
politischen Ein-Kind-Diktat im Jahr 1970 verheerend. Weil chinesische Frauen fehlen, wird es für Männer
immer schwieriger eine Ehepartnerin zu finden. Deshalb blühen in China die Prostitution und der Frauenhandel.
Der chinesische Präsident, Hu Jintao, beobachtete die Entwicklungen besorgt und beauftragte vergangenen
März die Durchführung einer Untersuchung über die sozialen Auswirkungen der Ein-Kind-Politik. Vor drei
Monaten begannen Regierungsbeamte, die Abtreibungsgesetze anderer Länder zu studieren und Meinungen internationaler
Organisationen einzuholen.
Die chinesische Abtreibungspraxis wird allgemein als Wurzel der gegenwärtigen
demographischen Katastrophe in China betrachtet. Die Neuregelung in der Stadt Guiyang ist eine direkte
Folge dieser Analysen.