Montag, 12. Juni 2006 11:07
Ein Ex-Jesuit als Polizeichef
Ein von der Gesellschaft Jesu ausgeschlossener Jesuit kontrolliert seit Januar die Polizei des bolivianischen Präsidenten Evo Morales.
Links: Rafael Puente Calvo Rechts: Vereidigung von Puente - links außen
Links: Rafael Puente Calvo
Rechts: Vereidigung von Puente – links außen
(kreuz.net) Rafael Puente Calvo (66) ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit.

Zunächst versuchte er als Priester und Ordensmann eine Synthese zwischen dem Katholizismus und dem – inzwischen verstorbenen – Marxismus herzustellen.

Doch das Experiment kostete ihm die Mitgliedschaft in der Gesellschaft Jesu.

Jetzt leitet er die bolivianische Polizei, die er im Auftrag von Präsident Evo Morales reorganisieren soll.

Am 27. Januar wurde Rafael Puente Calvo – mit erhobener Faust und bekleidet mit einer Nylonjacke – als einer der drei Stellvertreter der bolivianischen Innenministerin Alicia Muñoz vereidigt.

Puento wurde 1940 in der südbolivianischen Ortschaft Pairumani geboren. Die letzten fünf Jahre des Gymnasiums verbrachte er in Vigo – 85 Kilometer südlich von Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.

Er trat bei den Jesuiten ein und studierte danach im spanischen Salamanca Literatur, Philosophie und Psychologie.

Als Scholastiker der Jesuiten unterrichtete er zwei Jahre in einem Gymnasium des Ordens im spanischen León im Nordwesten von Spanien. Dort war einer seiner Schüler der junge Mariano Rajoy, der heute die große oppositionelle Mitterechts-Partei ‘Partido Popular’ anführt.

Während dieser Zeit arbeitete der junge Jesuit auch einen Sommer in einer Mine.

Danach kehrte er als Missionar nach Bolivien zurück. Dort geriet er in die Fänge der extremen Linken. Wegen seiner marxistischen Ideen wurde er schließlich aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen.

Heute nennt er sich Philosoph und Psychologe.

Puente war Menschenrechtsaktivist und ehemaliger Abgeordnete der Izquierda Unida – der Vereinigten Linken. In der Vergangenheit war er verantwortlich für ‘Bolivia Press’ und Berater verschiedener sozialer Projekte für Landgebiete.

Von Puento sind Perlen wie die folgende überliefert:

„Das Zölibat ist eine monströse und heuchlerische Institution, die den Glauben des Volkes an seine Kirche schwächt und unter den Priestern, die mit der erzwungenen Abstinenz nicht einverstanden sind, in ihrer echten christlichen Berufung Frustration erzeugt.“

Nach Puente ist der Zölibat schon de facto abgeschafft, wenn man die Entgleisungen und die sexuelle Perversion vor allem beim höheren Klerus oder die Tolerierung von Ehe und Vaterschaft im niederen Klerus betrachte.

„Das einzige was fehlt ist, das Thema mit Ehrlichkeit und Transparenz anzugehen.“

Der bolivianische Präsident Evo Morales schlug den Ex-Jesuiten für die neue Aufgabe vor, weil er eine „unbestechliche und entschlossene Persönlichkeit“ benötigte, um die schlechtbezahlte und unzuverlässige Polizei des Landes zu reorganisieren.

In der neuen bolivianischen Regierung gehört Puente zu den Hardlinern. So fand er scharfe Worte gegen die ‘Organisation der amerikanischen Staaten’ (OEA):

„Seit seiner Gründung waren die OEA ein institutionalisierter Vorwand, den die Vereinigten Staaten benützen, wenn sie daran interessiert waren, ihr Gesicht zu wahren.“

„Darum rührte die OEA keinen Finger, um das sandinistische Nicaragua vom selbstmörderischen nordamerikanischen Krieg zu verteidigen. Darum hat die Organisation auch keinen Finger gerührt, um im Rahmen des ‘Interamerikanischen Vertrag für gegenseitige Hilfeleistung’ Argentinien im Angesicht der britischen Invasion der Falkland-Inseln beizustehen usw. usw.“

„Die OEA ist nichts anderes als das Kolonialministerium der Vereinigten Staaten.“

Eine katholische Wochenzeitung in Argentien kommentiert die Ernennung von Puentes: „Wenn die Revolutionäre einen Beamten benötigen, der seine ideologischen Vorstellungen mit außergewöhnlicher Grausamkeit durchführt, benützen sie dafür gewöhnlich einen abgefallenen Priester.“
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