Montag, 26. Juni 2006 09:42
Eine Bibel, eine Monstranz. Jedem das seine. In der Nacht der ökumenischen Einheit sind alle Katzen grau.

(kreuz.net, Griesheim) Katholiken und Protestanten gingen in Griesheim gemeinsam auf die Straße. Die
Ortschaft befindet sich im Bundesland Hessen und gehört zum Bistum Mainz.
Griesheim ist überwiegend
evangelisch.
Schon seit Jahren organisieren die katholische Pfarrei und die evangelische Gemeinde in
Griesheim gemeinsame Veranstaltungen.
Erst an Pfingsten gab es eine ökumenische Gebetswoche.
„Die Ökumene
hat in Griesheim eine lange Tradition“ – erklärte der evangelische Pfarrer des Ortes, Konrad Rampelt,
am 16. Juni vor dem Internetportal ‘echo online’.
„Nun begehen wir auch die Fronleichnamsprozession gemeinsam“ –
sagt der evangelische Pastor. Das sei ein weiterer Schritt zur Annäherung.
Der evangelische Pfarrer
trug bei der Prozession neben der Monstranz eine Bibelausgabe vor sich her.
Bei den Protestanten sei
die Bibel die Basis des Glaubens, erklärt er und stört sich nicht daran, daß der Reformator Martin
Luther Prozessionen noch als „gotteslästerlich“ ablehnte.
Luther habe gegen Prozessionen gewettert,
weil diese „zur Demonstration eines einzig wahren Glaubens – des Katholizismus – genutzt“ worden seien.
Heute sei das anders.
„Das gemeinsame Leitmotiv aller Christen ist, daß wir uns zum Glauben bekennen
und dies zum Ausdruck bringen.“
Auch der katholische Pfarrer von Griesheim, Hw. Klaus Forster, zeigte
sich über die ökumenische Prozession begeistert.
„Die Christen Griesheims können Christus gemeinsam
in die Stadt hinaustragen.“
An der Fronleichnamsmesse im Hof einer örtlichen Schule nahmen rund 300
Gläubige – darunter etwa 60 Protestanten – teil.
Anschließend ging die Schar in Prozession hinter der
Monstranz und hielt auf einem Spielplatz des Ortes eine eucharistische Andacht.
„Bei solch ökumenischen
Veranstaltungen zeigt sich, daß Katholiken und Protestanten gar nicht so viel trennt“ – meinte eine 33jährige
katholische Teilnehmerin, die mit einem Protestanten verheiratet ist.
Sie wohnt am Prozessionsweg und
hat ihr Haus geschmückt. „Wenn wir an meiner Tür vorbeikommen, möchte ich zumindest die Kirchenfahnen
aufhängen.“
Im Vergleich zu anderen katholischen Gemeinden war der Prozessionsschmuck im protestantischen
Griesheim eher dürftig.
Im Ort sah man dagegen zahlreiche ausgehängte Landesflagge, die im Rahmen der
gegenwärtigen Fußball-Weltmeisterschaft zu sehen sind.
„Es ist schade, daß nur so wenige schmücken“,
befindet eine Prozessionsteilnehmerin. Die Ortsbewohner wurden extra auf Handzetteln darum gebeten.
Eine
andere Teilnehmerin gab sich ökumenisch begeistert: „Die Christenheit löst sich aus ihren starren Strukturen
und geht offen aufeinander zu.“
Die Begeisterte ist katholisch getauft, wurde aber wegen „strenger Glaubensvorschriften“
später protestantisch.
Nur eine Gruppe aus Polen meinte: „Fronleichnam ist ein rein katholischer Feiertag.“
Auch ein katholischer Priester zeigte sich auf Anfrage wenig begeistert: „Verwässerung des wahren Glaubens,
Annäherung an die Protestanten unter Preisgabe des unverkürzten Glaubens an die Eucharistie“ – meinte
er lakonisch.
Die ökumenische Fronleichnamsprozession soll nächstes Jahr wiederholt werden.