Dienstag, 27. Juni 2006 14:20
Die richtige liturgische Ordnung wiederherstellen
Ein neulich erschienenes Büchlein widmet sich dem katholischen Sakralbau und der Zelebrationsrichtung. Das Werk begann als virtuelle Wiedereroberung von Kirchenräumen – an der Technischen Universität Wien.
(kreuz.net, Wien) Das Buch trägt den Titel „Die Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960“. Es wurde von Frau Dr. Heidemarie Seblatnig herausgegeben und erschien Mitte Juni.

Frau Seblating ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie doziert auch an der architekturwissenschaftlichen Abteilung der Technischen Universität in Wien.

Im Sommersemester 2005 fand am Institut für Architekturwissenschaften der Technischen Universität die Lehrveranstaltung „Dynamische Simulation und Visualisierung“ statt.

Dabei machten sich die kirchlich meist fernstehenden Studenten daran, Wiener Kirchen, die nach dem Konzil gebaut wurden, den Hochaltar und den Sakralraum – wenigstens am Computer – wieder zurückzugeben.

Als Krönung dieser ungewöhnlichen Liturgiereform veröffentlichte Frau Seblatnig das Büchlein „Profane Sakralarchitektur“ mit Beiträgen verschiedener Autoren.

Das Werk ist voll zweisprachig. Die Artikel sind jeweils auf Deutsch und Englisch abgedruckt.

Die Autorin stellt das Werk unter das Motto: „Vierzig Jahre nach dem letzten Konzil ist es an der Zeit, die richtige liturgische Ordnung wiederherzustellen.“

Auschnitt des Buchumschlags
Auschnitt des Buchumschlags
Der durch seine historischen Studien zur Zelebrationsrichtung bekannt gewordene Londoner Oratorianpater Uwe Michael Lang eröffnet das Werk mit einem Artikel über „Gebetsrichtung und Kirchenbau“.

Der Schweizer Priester, Don Reto Nay, schreibt über den Einfluß der Zelebrationsrichtung auf die Meßerfahrung des Priesters.

Der bekannte US-Journalist und Buchautor Michael S. Rose erläutert die drei Naturgesetze der katholischen Kirchenarchitektur: Vertikalität, Permanenz und Ikonographie.

Der Wiener Musikpädagoge Eugen Banauch beschäftigt sich mit dem Phänomen der Beseeltheit sakraler Bauten und konkretisiert diesen Begriff am Beispiel der Musik.

Der Wiener Theologiestudent Michael M. Wimmer, der gegenwärtig im Libanon studiert, befragt die Architekturstile der Vergangenheit auf ihren spirituellen Gehalt.

Die mehr computertechnische Seite der dynamischen Visualisierung von Architekturmodellen erörtert Peter Ferschin.

Zum Abschluß befaßt sich die Herausgeberin selber mit dem Wiener Kirchenarchitekten Ottokar Uhl (76), den sie einen Totengräber der katholischen Sakralarchitektur und Produkt des liberal-katholischen Milieus bezeichnet.

Das Werk verbindet die dargelegten Thesen auf einzigartige Weise mit einer visuellen Umsetzung des Gesagten.

Im bebilderten Mittelteil des Büchleins werden einige Vorher/Nachher-Illustrationen von Wiener Kirchen abgedruckt. Das Vorher-Bild zeigt den gegenwärtigen Raum der Kirche; das Nachher-Bild den darin am Computer wiederhergestellten Ort des Mysteriums mit Hochaltar.

„Die Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960“ wurde vergangene Woche in der Wiener Dombuchhandlung vorgestellt.

Interessanterweise wurde der Termin auch auf der Homepage der Erzdiözese Wien beworben. Sogar die Religionsunterseite des ‘Österreichischen Rundfunks’ stellte das Werk in der Rubrik der Buch-Tips vor.

Gedruckt wurde der Sammelband – man staunt erneut – mit Mitteln des österreichischen Bundesministeriums und der Kulturabteilung der Stadt Wien.

Heidemarie Seblatnig (Hg./Editor)
Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960
Profane Sacred Architecture in Vienna since 1960
WUV 2006, 96 Seiten, diverse färbige Abbildungen, broschiert
ISBN 3-85114-977-7
EUR 21,90 [A] / EUR 21,30 [D] / sFr 38,50
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