Montag, 26. Juni 2006 18:37
Im Bistum Fulda gibt es merkwürdige Widersprüche zwischen dem, was in der Kirche gepredigt, und dem, was in der Kirche gemacht wird.

Mons. Algermissen neben dem Wirtschaftsminister von Hessen beim Kongreß „Freude am Glauben“.
(kreuz.net, Fulda) „Fulda oder schlägt in Deutschland wieder ein katholisches Herz?“
Mit dieser Überschrift
berichtete ein katholischer Nachrichtendienst etwas euphemistisch über den Kongreß „Freude am Glauben“,
der vom 16. bis 18. Juni 2006 in Fulda stattfand.
Die hessische Stadt Fulda befindet sich 85 Kilometer
nordöstlich von Frankfurt am Main.
Der Kongreß wird vom sogenannten ‘Forum Deutscher Katholiken e.
V.’ veranstaltet. Es steht unter dem Vorsitz des emeritierten Marketing-Professors Dr. Hubert Gindert
aus Kaufering – 50 Kilometer westlich von München.
Die Initiative versteht sich als Sammelbecken glaubenstreuer
Katholiken und neuer geistlicher Bewegungen. Der Kongreß wird zu einem großen Teil aus finanziellen
Mitteln der Deutschen Bischofskonferenz subventioniert.
In seiner Predigt zum Eröffnungsgottesdienst
der diesjährigen Veranstaltung rief der Bischof von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, dazu auf, „mutig
neue missionarische Schwerpunkte zu setzen“.
Man sei der Analysen und Diagnosen der Glaubens- und Kirchenkrise
längst müde und suche nach einer Therapie.
Als „probates Heilmittel“ empfahl Bischof Algermissen die
Schule des Heiligen Bonifatius.
Das Glaubensfundament, das er gelegt habe, sei bleibend gültig. Es sei
an der Zeit, diesen missionarischen Geist heute wieder neu zu entdecken.
Man dürfe nicht ängstlich
und defensiv seine Grenzen abstecken, sich in die sakrale Nische unserer Tradition zurückziehen und den
allgemeinen Niedergang beklagen, sondern müsse selbstbewußt an die Öffentlichkeit gehen und an den
Marktplätzen auftreten, bereit, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach dem Grund unserer Hoffnung
fragt.“
Diese Aussagen stehen in einem seltsamen Widerspruch zu gewissen Entwicklungen im Bistum Fulda –
besonders in pastoralen und personellen Angelegenheiten.
So findet beispielsweise nur vier Wochen nach
dem Kongreß – am 17. Juli 2006 – die nächste Zentralveranstaltung des sogenannten ‘Fuldaer Kreises für
eine offene Kirche’ statt.
Der ‘Fuldaer Kreis’ verfolgt ähnliche Ziele wie die glaubenskritischen Initiativen
‘Wir sind Kirche’ oder ‘Kirche von unten’. Das heißt: Abschaffung des Zölibats, Frauenordination, Einebnung
des Unterschieds zwischen Priestern und Laien etc.
Obgleich diese Themen heute kaum mehr von öffentlichem
Interesse sind, versuchen die Vertreter der ‘Wir sind Kirche’-Bewegung nach wie vor, ihren Einfluß vor
allem auch in offiziellen kirchlichen Gremien geltend zu machen.
In einem Brief der Glaubenskongregation
vom Juni 1997 stellte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger bereits fest, daß der Inhalt dieser „Kirchen-Volksbegehrer“
aus einer Reihe von Forderungen besteht, die zum Teil der christlichen Lehre widersprechen und in offenem
Gegensatz zur kirchlichen Ordnung stehen.
Es sei offensichtlich, daß solche Initiativen von der Kirche
in keiner Weise gutgeheißen werden können.
Darum ersucht die Glaubenskongregation die Bischöfe, die
Entwicklung dieser Gruppen aus der Nähe zu verfolgen und eventuell Vorkehrungen zu treffen, damit sich
die Gläubigen – und besonders die Priester – nicht aktiv daran beteiligen.
Diese Gruppen gingen weit
über berechtigte Anliegen hinaus. Sie trügen zu einer Spaltung zwischen dem Volk Gottes und der kirchlichen
Leitung bei.
Sie propagierten unter den Gläubigen ein unannehmbares demokratisches Kirchenmodell sowie
eine Auffassung von Moral, die in manchen Punkten der katholischen Lehre direkt entgegensteht – soweit
Kardinal Ratzinger.
Gegründet wurde der ‘Fuldaer Kreis’ von acht Priestern, die – im Gegensatz zu diesem
Ersuchen der Glaubenskongregation – bis heute unbeanstandet als Pfarrer im Bistum Fulda tätig sind. Einige
befinden sich sogar in wichtigen diözesanen Funktionsstellen.
Gegenwärtig sind zudem mindestens drei
Priester der ‘Kirche von unten’-Bewegung im Priesterrat der Diözese Fulda vertreten. Das ist ein wichtiges
Beratungsgremium des Bischofs, beispielsweise in pastoralen Angelegenheiten.
Wie die Pastoral einer Diözese
gestaltet wird, steht unter der Verantwortung des Bischofs und der Priester im Priesterrat, wo die entsprechenden
Grundentscheidungen getroffen werden.
Ob diese Grundentscheidungen in Fulda dem Geist des Heiligen Bonifatius
entsprechen, kann aufgrund der Mitwirkung und offenkundigen Einflußnahme der ‘Kirche von unten’-Priester
bezweifelt werden.
So ist ausgerechnet ein Gründungsmitglied des ‘Fuldaer Kreises’, Pfarrer Winfried
Hahner aus Homberg/Efze in Nordhessen, etwa 40 km südlich von Kassel –, zum Sprecher des Priesterrats
gewählt worden, nachdem er von Bischof Algermissen persönlich in dieses Gremium berufen wurde.
Auch
kann die Gründung der umstrittenen Pastoralverbünde im Rahmen des von Bischof Algermissen angestoßenen
‘Pastoralen Prozesses’ kaum als Ausdruck eines „missionarischen Geistes“ angesehen werden.
Zudem steht
die Aussage von Bischof Algermissen, man dürfe nicht den allgemeinen Niedergang beklagen, im Widerspruch
zu den wiederholt hervorgebrachten Klagen über einen angeblichen Priestermangel, mit dem der bürokratisch
aufwendige Umstrukturierungsprozeß gerechtfertigt wird.
Ein diesbezügliches Schreiben der Kleruskongregation
hält Bischof Algermissen nach wie vor
unter Verschluß.
© Bild: osthessen-news.de