Montag, 3. Juli 2006 18:24
Die ‘Grünen’ haben viel Verständnis für Molche, Eidechsen oder Tannenbäume. Doch bei der Ausmerzung von Menschen aus dem Mutterleib ist ihnen der Naturschutz Wurst. Von Hubert Hecker.

(kreuz.net) Gelegentlich wird den ‘Grünen’ und ihrer Ablehnung von Genmanipulationen an Pflanzen vorgeworfen,
daß das genauso „technikfeindlich“ oder „widersprüchlich“ sei wie die Haltung der Kirche zur Empfängnisverhütung.
In diesen Bereichen wollen die ‘Grünen’ nur die Ausnutzung natürlicher Gegebenheiten zulassen und wehren
sich gegen „künstliche“, chemische oder mechanische Eingriffe.
Aus dieser Einstellung heraus wandte
sich im ersten Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder die grüne Umwelt- und Landwirtschaftsministerin
Andrea Fischer gegen Forschungen an Embryonen in Deutschland. Frau Fischer stellt sich auch gegen die
Präimplantationsdiagnostik und das therapeutische Klonen.
Bei allen diesen Verfahren werden ungeborene
Menschen im Frühstadium getötet.
Damals wurde die grüne Ministerin gefragt, warum sie sich nicht genauso
vehement gegen die Kinderabtreibung einsetze, die von der Partei der ‘Grünen’ als selbstverständliches
Recht propagiert wird.
In der Tat ist der Schutz des menschlichen Lebens der fatale blinde Fleck der
grünen Bewegung. Daß der Lebensschutz von Tieren mit großem Eifer betrieben wird, mutet in diesem Licht
wie Spott und Hohn an.
Erst kürzlich sah man wieder einmal tierische Lebensschützer, wie sie eimerweise
verwirrte Lurche vom Krötenzaun über die Straße trugen, damit die transportierten Tiere ihre Laichplätze
ungefährdet erreichen konnten.
Vielfach werden Krötentunnels in die Straßen eingebaut und auch schon
mal eine Autobahn umgelegt, damit eine seltene Molchart in ihrem Lebensraum geschützt bleibt.
Dabei
ist das Motiv des Naturschutzes offensichtlich nicht nur Sentimentalität zu niedlichen Tieren, sondern
auch ein reflektiertes Programm.
Man wird an die Naturphilosophie des elsässischen Arztes und Pastors
Albert Schweitzer († 1965) erinnert: „Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will.“
„Der denkende Mensch erlebt die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben
entgegenzubringen, wie dem seinen. Als gut gilt ihm: Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben
auf seinen höchsten Wert bringen“ – so Schweitzer.
Den letzten Satz dieses Programms jedoch unterschreiben
die ‘Grünen’ nicht.
Ein Mensch im Mutterleib hat für die ‘Grünen’ keinen nennenswerten Schutzanspruch.
Ihn liefern sie der individuellen Entscheidung über Leben und Tod von Seiten der Schwangeren aus, um
ihn durch brutale Technologie oder chemische Gifte aus der Welt zu schaffen.
Angesichts ihres empathischen
Mitleids für bedrohte Tieren und Pflanzen ist es zynisch und lebensfeindlich, wenn die ‘Grünen’ praktisch
für die Freigabe der Menschenabtreibung in den ersten drei Lebensmonaten eintreten.
In diesem Kontext
hört man auch von der Forderung die Rede, den Tieren sogar Menschenrechte zuzusprechen.
Der Vater dieser
Verwirrungsphilosophie heißt Peter Singer, ein in England lehrender Professor, dessen jüdische Eltern
vor den Nationalsozialisten nach Australien flüchten mußten.
Singers Ausgangspunkt ist die Tatsache,
daß jedem Lebewesen auf jeder Entwicklungsstufe neue, komplexere und jeweils wertvollere Eigenschaften
zuwachsen.
Aus der Anzahl der Eigenschaften ergebe sich der relative Wert eines Lebewesens sowie dessen
Ansprüche an relativem Lebensschutz.
„Bei einem fairen Vergleich moralisch relevanter Eigenschaften
wie Lust- und Schmerzempfinden, Autonomie, Bewusstsein etc. haben das Kalb, das Schwein und das viel verspottete
Huhn einen guten Vorsprung vor dem menschlichen Fötus in jedem Stadium der Schwangerschaft.“
Ein Fisch
oder sogar eine Garnele hätten mehr Anzeichen von Empfinden und Bewußtsein als ein menschlicher Embryo.
Deshalb müßten diese erwachsenen Tiere mehr und besser geschützt werden als ein Fötus in den ersten
Monaten, da er „bis zu diesem Datum überhaupt keinen Wert an sich hat“.
Diese Philosophie ist der bisher
schwerste Angriff auf die Menschenwürde und die Menschenrechte, die seit der Aufklärung die Grundlage
der europäisch-amerikanischen Gemeinwesen sind.
Dieser tödliche Angriff richtet sich insbesondere gegen
das unveräußerliche Recht des Menschen auf Leben.