Donnerstag, 20. Juli 2006 09:16
Die jüdische Liebe zu Israel muß weder blind sein noch das begangene Unrecht hinter einer Schweigemauer verstecken oder leugnen. Der Beweis wurde kürzlich geliefert.

Israel zerstört die lebensnotwendige Infrastruktur der Palästinenser
(kreuz.net, Berlin) ‘Jüdische Stimme’ nennt sich die deutsche Sektion der ‘Europäischen Juden für einen
gerechten Frieden’, die in zehn westeuropäischen Ländern tätig sind.
Sie unterstützt die Widerstands-
und Friedensbewegung in Israel sowie den Kampf Palästinas um Selbstbestimmung.
Am 17. Juli veröffentlichte
die ‘Jüdische Stimme’ in Berlin eine Stellungnahme zu den schweren Angriffen der israelischen Armee auf
den Libanon.
Die Schuldfrage bei der Entführung israelischer Soldaten, dem Abfeuern von Qassam-Raketen
auf israelische Ortschaften oder bei der israelischen Absperrung und Besatzung des Gazastreifens wird
ausgeklammert.
Die Erklärung stellt fest, daß die Angriffe der israelischen Armee gegen die Zivilbevölkerung,
die Zerstörung von Elektrizitätswerken, Flughäfen, Brücken, Straßen und anderen Einrichtungen der
lebensnotwendigen Infrastruktur „unverhältnismäßig und inakzeptabel“ sind.
Ohne die Intervention der
Regierungen der internationalen Völkergemeinschaft drohten die Kriegshandlungen Israels zu einem Flächenbrand
zu eskalieren, der die gesamte Region erfassen könnte.
„Noch ist es möglich, umzukehren. Noch kann
ein Weg zu einem dauerhaften Frieden eröffnet werden.“
Die Geschichte Israels und Palästinas belege
seit 1948 unmißverständlich, daß ein dauerhafter Frieden nicht durch Krieg und Zerstörung erreicht
werden könne.
Jüdische Stimme:
„Jeder Waffengang brachte bisher nur Blutvergießen sowie den Verlust
bitter benötigter Ressourcen. Das Ergebnis: Leid und Haß auf beiden Seiten.“
„Jeder Waffengang brachte
bisher nur Blutvergießen sowie den Verlust bitter benötigter Ressourcen. Das Ergebnis: Leid und Haß
auf beiden Seiten.“
Die internationale Gemeinschaft – besonders die EU-Regierungen und die USA – müßten
sich besinnen und „die israelische Regierung zwingen, von einem Kriegspfad abzukehren, der schon jetzt
außer Kontrolle geraten ist.“
Gleichzeitig werden die Vereinten Nationen aufgefordert, endlich geeignete
Schritte einleiten, um das Leben und Überleben von Millionen Menschen in der Region wirksam zu schützen.
Die europäischen Regierungen müßte alle Mittel – auch Sanktionen – einsetzen, um die israelische Regierung
zu Verhandlungen mit der gewählten palästinensischen Regierung zu bewegen.
Die ‘Jüdische Stimme’ richtet
sich auch an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Diese gebe vor, eine „besondere Verantwortung“
für die sechs Millionen in Israel lebenden Juden wahrzunehmen. Darum sei es ihre Pflicht, konstruktive
Beiträge zum Schutz der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung einzuleiten.
Doch die deutsche
„Waffenbruderschaft mit der israelischen Armee“ sowie die Lieferung von Waffen zu Test- und Einsatzzwecken
schüre das Feuer und verstoße gegen die Gesetzgebung der Bundesrepublik.
Die ‘Jüdische Stimme’ verurteilt
auch die Erklärung des ‘Zentralrates der Juden in Deutschland’ vom 14. Juli, worin eine „einseitige Kritik
an Israel“ zurückgewiesen wird.
In dieser Erklärung werde die Politik der israelischen Regierung blind
unterstützt: „Das halten wir für verantwortungslos. Der Zentralrat kann in dieser Frage nicht im Namen
aller in Deutschland lebenden Juden sprechen.“
Insbesondere wird der stellvertretende Vorsitzende des
‘Zentralrates der Juden in Deutschland’, Dieter Graumann, kritisiert, Er hatte der Bundesentwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) nach ihren Erklärungen im Berliner ‘Tagesspiegel’ vom 16. Juli „antiisraelische
Reflexe“ vorgeworfen.
„Wer wie Herr Graumann indirekt sogar den Rücktritt einer Politikerin fordert,
hätte die Pflicht, die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß die von ihr geäußerte Kritik und Besorgnis
ausdrücklich beide Seiten in den Blick nimmt, die israelische und die palästinensische. Anderenfalls
macht er sich schuldig, bloße Propaganda zu betreiben.“
Jüdische Stimme:
„Eine Beilegung der Feindseligkeiten
hängt maßgeblich davon ab, daß die Regierung Israels ihre Weigerung aufgibt, mit der gewählten Regierung
Palästinas zu verhandeln.“
„Eine Beilegung der Feindseligkeiten, die zur aktuellen Eskalation geführt
haben sowie eine vertragliche Übereinkunft zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung hängen maßgeblich
davon ab, daß die Regierung Israels ihre Weigerung aufgibt, mit der gewählten Regierung Palästinas
zu verhandeln.“
Der „Hauptdruck der internationalen Gemeinschaft“ müsse daher gegen Israels Politik
gerichtet sein, die unter Mißachtung einschlägiger Bestimmungen des internationalen Rechts allein auf
militärische Gewalt setze.
Der Aufbau der UNO und der internationalen Regelwerke nach 1945 habe das
Ziel verfolgt zu verhindern, daß sich ein Volk über ein anderes erhebt, es geringschätzig behandelt,
unterdrückt oder terrorisiert und sicher zu stellen, daß ein Staat seine Grenzen nicht eigenmächtig
überschreiten oder gar Krieg gegen einen anderen Staat entfachen darf.
Diese Errungenschaften würden
preisgegeben, wenn die Welt keinen Weg finde, Israel dazu zu bringen, alle UN-Resolutionen anzuerkennen,
mit der gewählten Regierung Palästinas zu verhandeln und einen Vertrag anzustreben, der die friedliche
Koexistenz mit einem künftig an der Grenze Israels von 1967 zu errichtenden Staat Palästina sowie mit
allen anderen Anrainerstaaten garantiere.