14:51:56 | Samstag, 16. September 2006
Benedikt XVI.
Der Staatssekretär springt in die Bresche
Dem Vatikan scheint die in moslemischen Ländern aufgeflackerte Empörung über die Rede des Papstes in Regensburg nicht mehr geheuer zu sein. Das Dementi von Kardinal Bertone.
(kreuz.net) Angesichts der moslemischen Reaktionen wegen einiger Abschnitte im Vortrag des Heiligen Vaters
Benedikt XVI. an der Universität Regensburg und der Klarstellungen und Präzisierungen die bereits vom
Direktor des Pressesaals des Heiligen Stuhls erfolgt sind, möchte ich folgendes anfügen.
– Die Haltung
des Papstes zum Islam ist unzweideutig jene, die im Konzilsdokument ‘Nostra Aetate’ ausgedrückt wird:
„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen
und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen
gesprochen hat.
Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen,
so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft.
Obwohl sie
Jesus nicht als Gott anerkennen, verehren sie ihn dennoch als Propheten. Sie ehren seine jungfräuliche
Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen.
Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes,
an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung
und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten“ (Nr.3)
– Die Option des Papstes für den
interreligiösen und interkulturellen Dialog ist ebenso unzweideutig. Am 20. August 2005 hat er bei seiner
Begegnung mit Vertretern einiger moslemischer Gemeinschaften in Köln gesagt, daß der Dialog zwischen
Christen und Moslems „nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert“ werden dürfe.
Er fügte hinzu: „
Die Lektionen der Vergangenheit müssen uns davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir wollen
Wege der Versöhnung suchen und lernen, so zu leben, daß jeder die Identität des anderen respektiert.“
– Zum Urteil des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologus, das er in seinem Regensburger Vortrag
erwähnte, hatte und hat der Heilige Vater in keiner Weise die Absicht, sich diese Aussage zueigen zu
machen.
Vielmehr verwendete er das Zitat nur als Ausgangspunkt, um in einem akademischen Umfeld und ihm
Rahmen einer vollständigen und sorgfältigen Lektüre des Textes, einige Gedanken zur Frage der Beziehung
zwischen Religion und Gewalt im allgemeinen anzustellen und mit einer klaren und radikalen Ablehnung der
religiös motivierten Gewalt zu beschließen, von welcher Seite sie auch kommen könnte.
In diesem Zusammenhang
lohnt es sich daran zu erinnern, was Benedikt XVI. kürzlich in der Erinnerungsbotschaft zum 20. Jahrestag
des interreligiösen Friedensgebetstages gesagt hat, den sein geliebter Vorgänger Johannes Paul II. im
Oktober 1986 in Assisi wollte:
„…Gewaltäußerungen können nicht den Religionen als solchen zugeschrieben
werden, sondern den kulturellen Grenzen, innerhalb derer diese Religionen gelebt werden und sich in der
Zeit entfalten…
Tatsächlich gibt es in allen großen religiösen Traditionen Zeugnisse des innigen
Bandes zwischen Gottesbeziehung und Liebesethik.“
– Es hat dem Heiligen Vater darum sehr leid getan,
daß einige Abschnitte seines Vortrages als Verletzung der Sensibilität moslemischer Gläubiger aufgefaßt
werden konnten und auf eine Art interpretiert wurden, die den päpstlichen Absichten ganz und gar nicht
entsprachen.
Auf der anderen Seite hat der Papst die westliche Kultur angesichts der eifrigen Religiosität
der moslemischen Gläubigen ermahnt, „die Verachtung Gottes und den Zynismus“ zu vermeiden, „der die Verächtlichmachung
des Heiligen als ein Recht der Freiheit betrachtet“.
– Der Papst wiederholt seinen Respekt und seine
Achtung für jene, die den Islam bekennen und wünscht sich, daß sie in der Lage sein werden, seine Worte
im richtigen Sinn zu verstehen, damit dieser nicht leichte Augenblick schon bald überwunden und das Zeugnis
für den „alleinigen Gott, den lebendigen und in sich seienden, den Schöpfer Himmels und der Erde, der
zu den Menschen gesprochen hat“ verstärkt werde und ebenso die gemeinsame Arbeit für eine Verteidigung
und Förderung „der sozialen Gerechtigkeit, der moralischen Werte, für den Frieden und die Freiheit aller
Menschen“ (Nostra Aetate, Nr. 3).