Benedikt XVI.
„An der Grenze zum Absurden“
Die islamische Polemik rund um die Regensburger Vorlesung des Papstes reißt nicht ab. Damit beweisen die Moslems, daß Kaiser Manuel II. Paleologos († 1425) immer noch recht hat.
(kreuz.net) Die vatikanische Tageszeitung ‘Osservatore Romano’ veröffentlichte heute die Erklärung des Papstes vom letzten Sonntag in arabischer Sprache.

Außerdem soll der Text der Regensburger Vorlesung vom letzten Dienstag ergänzt werden.

Der Heilige Stuhl will auf seiner Homepage eine endgültige Version der Rede veröffentlichen. Der jetzige Wortlaut sei nur provisorisch – heißt es auf der vatikanischen Webseite. Der Heilige Vater werde am Rand noch einige Erklärungen hinzufügen.

Kardinal Lustiger: „Schlimmes Mißverständnis“

Der emeritierte Erzbischof von Paris, Jean-Marie Kardinal Lustiger (80) erklärte, daß die Proteste auf einem sehr großen Mißverständnis beruhten. Der Kirchenfürst sprach mit der Pariser Tageszeitung ‘Le Monde’:

„Wir befinden uns angesichts eines medialen Phänomens an der Grenze zum Absurden. Für jene, die nicht die ganze Rede gelesen haben, die der Papst an der Universität Regensburg gehalten hat, ist diese Affäre unverständlich und erschreckend.“

Kardinal Pell: „Umstrittene Passage stimmt“

Der kämpferische Erzbischof von Sydney, George Kardinal Pell, erklärte, daß die gewalttätigen Proteste der islamischen Welt einer der Hauptängste des Papstes recht gäben.

Der Kirchenfürst veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung auf der Webseite seiner Erzdiözese.

Die Proteste zeigten, daß es für viele radikale Muselmanen eine Verbindung zwischen Religion und Gewalt gebe. Man reagiere auf Kritik nicht mit rationalen Argumenten, sondern mit Demonstrationen, Drohungen und aktiver Gewalt.

Kardinal Pell wurde umgehend von einigen muslimischen Verbänden Australiens kritisiert.

Papstattentäter Ali Agca: „Komm nicht in die Türkei!“

Der türkische Papstattentäter Ali Agca, der im Jahr 1981 versuchte, Johannes Paul II. zu ermordern, hat Benedikt XVI. in einem zweiseitigen Brief von der im November geplanten Reise in die Türkei abgeraten. Der Text ist auszugsweise in der italienischen Tageszeitung ‘La Repubblica’ veröffentlicht.

Agca gilt als verwirrt und versucht sich seit Jahren durch mysteriöse Aussagen in Szene zu setzen.

„Papst Ratzinger, Dein Leben ist jetzt gefährdet. Komm absolut nicht in die Türkei! Ich kann dich außerdem nicht empfangen, weil ich mich im Gefängnis befinde.“

„In den Jahren zwischen 1980 und 2000 hatte ich Verbindungen zu den Geheimdiensten verschiedener westlicher Länder und des Vatikans. In diesen zwanzig Jahren habe ich unglaubliche Geheimnisse erfahren.“

Agca berichtet über angebliche Kontakte zwischen dem früheren Kurienkardinal Josef Ratzinger und dem 1998 ermordeten Kommandanten der Schweizergarde, Alois Estermann:

„Bekannte Geheimdienste, die Ratzinger beschützten, ermordeten im Mai 1998 Estermann, seine Frau und den Schweizergardisten Cedric Tornay in der Wohnung des Ehepaars im Vatikan.“

Irans Präsident: „Wir respektieren den Papst“

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad begrüßte die Klarstellung von Benedikt XVI. Ahmadinedschad äußerte sich zum Abschluß eines zweitägigen Venezuela-Besuchs in der Hauptstadt Caracas. „Wir respektieren den Papst und all jene, die für Frieden und Gerechtigkeit sind.“

Dagegen hatte das geistliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, die Vorlesung des Papstes als das „letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug“ bezeichnet.

Islamscher Religionsvertreter: „Der Papst ist im Recht“

Der Rektor der Moschee in der südfranzösischen Stadt Marseilles, Mohand Alili, erklärte, daß die Muselmanen überreagieren würden.

„Die Muslime können nicht erwarten, daß der Papst sie verherrlicht.“ Benedikt XVI. habe getan, was ein Papst tue. Er sei kein Muslim und sei es nie gewesen: „Er ist der Papst. Was wollen sie, daß er tut?“

Benedikt XVI. stehe dafür ein, wer er sei: „Warum können die Muslime nicht sagen: «Also schön, und das ist was wir sind.»“ Es nütze nichts in die ganze Polemik einzusteigen.

Nebenbei werde der Islam auch von den eigenen Leuten diskreditiert: „Nein, ich sehe nicht, warum ich auf den Papst zornig sein sollte.“

Karikaturenstreit

Der arabische Fernsehsender ‘Al Jazeera’ veröffentlichte am Sonntag einen kurzen, antipäpstlichen Zeichentrickfilm.

Karikaturenstreit: Kurzfilm gegen den Papst
Der arabische Fernsehsender 'Al Jazeera' veröffentlichte am 17. September einen kurzen, antipäpstlichen Zeichentrickfilm.Darin entläßt Papst Johannes Paul II. mehrere Friedenstauben.Benedikt XVI. ergreift ein Gewehr.

Darin entläßt Papst Johannes Paul II. mehrere Friedenstauben, die von Benedikt XVI. eine nach der anderen wieder genüßlich vom Himmel geschossen werden.

Johannes Paul II. stützt am Ende des Kurzfilms den Kopf über das Werk seines Nachfolgers traurig in die Hand.