Samstag, 7. Oktober 2006 13:30
Ein theologischer Tornado
Die Lehre vom Limbus der Kinder kann nicht geleugnet werden, ohne die ganze katholische Dogmatik durcheinanderzubringen. Doch altliberale Theologen scheinen das Problem nicht zu erkennen.
Adam und Eva wurden nach der Ursünde aus dem Paradies vertrieben, vielen Mühsalen der Seele und des Leibes unterworfen und zum Tod verurteilt. Sie verloren für sich und die ganze Menschheit das Recht auf den Himmel.
Adam und Eva wurden nach der Ursünde aus dem Paradies vertrieben, vielen Mühsalen der Seele und des Leibes unterworfen und zum Tod verurteilt. Sie verloren für sich und die ganze Menschheit das Recht auf den Himmel.
(kreuz.net, Vatikan) Die Vorstellung vom Limbus der Kinder sei zwar ein Hypothese, erklärte der australische Priester und Konvertit Pater Brian Harrison:

„Aber die Katholische Kirche hat seit zwei Jahrtausenden gelehrt, daß die Seelen ungetauft gestorbener Kinder – wo auch immer sie hinkommen – bestimmt nicht in den Himmel eingehen.“

Pater Harrison verteidigte kürzlich die Lehre vom Limbus der Kinder vor dem ‘Britischen Rundfunk’. Der Ordensmann unterrichtet an der katholischen Universität in Puerto Rico.

Er stützt seinen Glauben an die Lehre über den Limbus unter anderem auf die katholischen Begräbnisriten für ungetaufte Kinder:

Die mittelalterliche Scholastik definierte den Limbus der Kinder als ewigen Zustand natürlicher Glückseligkeit - ohne die übernatürliche Freude der Anschauung Gottes und ohne Sinnesstrafen.
Die mittelalterliche Scholastik definierte den Limbus der Kinder als ewigen Zustand natürlicher Glückseligkeit – ohne die übernatürliche Freude der Anschauung Gottes und ohne Sinnesstrafen.
„Ein päpstliches Dekret, das den festen katholischen Glauben von zwei Jahrtausenden umkehren würde, wonach ungetauft gestorbene Kinder in den Himmel kommen, würde in der katholischen Theologie wie ein Erdbeben wirken.“

Solche Probleme scheint der Wuppertaler Bibelwissenschaftler Thomas Söding nicht wahrzunehmen. Er sprach mit der deutschen Nachrichtenagentur ‘KNA’ über den Limbus der Kinder.

Die Taufe sei zwar aus christlicher Sicht nach wie vor der eigentliche Weg zum Heil – erklärte der Exeget. Man könne aber „Gott nicht vorschreiben, daß er seine Gnade an die Taufe bindet“ – formuliert der Exeget eine Binsenwahrheit.

Christus habe verschiedentlich Kinder gesegnet und damit als Adressaten des Heils bezeichnet. Für ungetauft gestorbene Kinder gebe es nicht eine „Rettung zweiter Klasse“ – erklärte Söding. Bei der Diskussion über den Limbus gehe es nicht darum, die Bedeutung der Taufe zu relativieren.

Dokument zum Limbus kommt nicht vor 2007
Der italienische Theologe und Erzbischof Bruno Forte erklärte, daß ein Dokument über den Limbus der Kinder dem Papst nicht vor 2007 unterbreitet werde.

Mons. Forte sprach gestern Freitag nach dem Abschluß der Vollversammlung der ‘Internationalen Theologenkommission’ mit der Nachrichtenagentur ‘Reuters’.
Dichter Dante Alighieri († 1321):
„Ein Ort gibt es da unten – ohne Körperpein, ein Ort des Dunkels nur, wo die Klagen nicht wie Gejammer klingen. Sie sind nur Seufzer. Dort bin ich mit den Kindern aufzufinden, die von den Zähnen des frühen Todes gebissen werden, bevor sie von der Sünde der Menschheit befreit wurden.


Der Erzbischof ist Mitglied der 30köpfigen Theologenkommission. Es handelt sich um ein Beratungsorgan des Vatikan ohne lehramtliche Autorität. Seit Herbst 2004 arbeitet das Gremium an einem Schreiben über den Limbus.

Erzbischof Forte sagte, daß an dem Dokument noch gearbeitet werde: „Es hat darüber noch keine Abstimmung stattgefunden.“

Predigt des Papstes vor der ‘Internationalen Theologenkommission’
Benedikt XVI. selber habe sich in seiner Predigt vor der Kommission nicht zu dem Thema geäußert – so der Erzbischof.

Der Heilige Vater las zum Abschluß der Vollversammlung der Theologenkommission eine Messe. Sie fand in der Kapelle Redemptoris Mater im Apostolischen Palast statt.

In seiner Predigt forderte der Papst die Mitglieder des Gremiums auf, die Wahrheit zu suchen. Sie sollten sich nicht den dominierenden Meinungen anschließen oder nach der öffentlichen Zustimmung richten: „Das stellt eine Form der Prostitution des Wortes und der Seele dar.“

Die Theologie sei eine harte Disziplin des Gehorsams der Wahrheit gegenüber.

Der Papst erklärte, daß Gott nicht nur das Objekt der Theologie sei, sondern auch ihr Subjekt: In der Theologie komme Gott selber zu Wort. Der Theologe sei nur Mitarbeiter und Überbringer der Wahrheit.

Der Limbus im Lehramt der Kirche
Die Zeugnisse für den Limbus der Kinder sind in der katholischen Lehrtradition zahlreich.

Papst Siricius († 399) äußerte sich in einem Brief über die Notwendigkeit der Taufe: „Wir wollen, daß man den Kindern, die aufgrund ihres Alters noch nicht reden können, oder denen, die in irgendeiner Notlage dringend das Wassers der heiligen Taufe bedürfen, mit aller Schnelligkeit zu Hilfe eilt.“

Es soll nicht zum Verderben unserer Seelen ausschlagen, wenn denen, die danach verlangen, die Quelle des Heils verweigert wird und „ein jeder von ihnen, wenn er aus der Welt scheidet, sowohl das Himmelreich als auch das Leben verliert“.

Papst Innozenz I. († 417) erklärte vor den Vätern der Synode von Mileve, daß es ganz töricht sei, zu glauben, daß die kleinen Kinder auch ohne die Gnade der Taufe mit dem Lohn des ewigen Lebens beschenkt werden könnten:

„Dann müssen sie auch offen sagen, daß die heiligen Fluten der Wiedergeburt nichts nützen.“

Papst Innozenz III. († 1216) sprach Ende 1201 über die Wirkung der Taufe. Er bedauerte, daß „alle kleinen Kinder zugrunde gehen – von denen täglich eine solche große Menge stirbt – ohne daß der barmherzige Gott, der will, daß niemand zugrunde gehe, auch für sie irgendein Mittel zum Heil besorgt hat.“

Das Konzil von Florenz (1439-1445) lehrte, daß die Seelen derer, die in einer aktuellen Todsünde oder allein in der Erbsünde sterben, in die Hölle fahren – jedoch mit ungleichen Strafen bestraft werden.

Papst Pius VI. († 1799) verteidigte die Lehre vom Limbus in der Konstitution ‘Auctorem fidei’ gegen die Irrlehren der Synode von Pistois. Es sei falsch, die Lehre vom Limbus – als Ort der Strafe der Verdammung und ohne die Feuerstrafe für nur mit der Erbschuld behaftete Seelen – als pelagianisches Märchen zu verwerfen.

Papst Pius X. († 1914) forderte in seinem Katechismus, die kleinen Kinder mit größter Eile zu taufen: „Sie sind bei ihrem zarten Alter vielen Todesgefahren ausgesetzt und können ohne die Taufe nicht gerettet werden.“

Eltern, die ihre Kinder durch eigne Nachlässigkeit ohne Taufe sterben lassen „sündigen schwer, weil sie ihre Kinder des ewigen Lebens berauben“ – lehrte Pius X.
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