Freitag, 13. Oktober 2006 16:17
Volksaltar ade
Das Wiener Oratorium vom Heiligen Philipp Neri wurde aufgefordert, den provisorischen Volksaltar durch eine endgültige Lösung zu ersetzen. Die Oratorianer gehorchten.
Primiz am Hochaltar der Wiener Rochuskirche
Primiz am Hochaltar der Wiener Rochuskirche
(kreuz.net, Wien) Das Oratorium des Heiligen Philipp Neri in Wien hat eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen: „Der Hochaltar wird ab 1. Adventsonntag in der Rochuskirche wieder zum Zelebrationsaltar.“

Die Kirche St. Rochus war das erste Gotteshaus in Wien, das im Presbyterium einen sogenannten Volksaltar aufstellte. Erst danach, im Jahr 1979, übernahmen die Oratorianer die Pfarrei.

Der Oratorianerpater Georg Herberstein spricht in einer heutigen Emailaussendung von einer „mutigen Neuerung“.

Der Pfarrgemeinderat unterstütze den Beschluß und habe sich in einer Sitzung vom 19. September mehrheitlich für die Lösung ausgesprochen.

Pater Herberstein erklärt, daß es bereits Gerüchte und eine große Verwirrung gebe. Es heiße, daß nun alle Messen nur noch auf Latein zelebriert und keine Kinder- oder Jugendmessen mit entsprechender Musik mehr stattfinden würden.

Der Priester stellt klar: „Das einzige, was sich ändern wird, ist, daß das eucharistische Hochgebet, in dem wir durch Christus im Heiligen Geist dem Vater das Opfer darbringen, von allen – Priester und Volk – in der selben Gebetsrichtung verrichtet wird.“

Der Pfarrer der St. Rochuskirche, Pater Felix Selden, erläutert die Gründe für die liturgische Erneuerung auf der Homepage des Oratoriums.

Die Entscheidung sei gefallen, nachdem der Altarbeirat der Erzdiözese Wien gedrängt habe, anläßlich der Innenrestaurierung den provisorischen Volksaltar durch einen feststehenden, konsekrierten zu ersetzen.

Es habe bereits im Jahr 2001 eine Ermahnung des Wiener Erzbischofs, Christoph Kardinal Schönborn, gegeben in absehbarer Zeit zu einer Lösung zu kommen. Provisorische Volksaltäre seien nicht mehr gestattet.

Pater Selden betont, daß die nunmehrige Entscheidung des Oratoriums mit Kardinal Schönborn besprochen worden sei. Sie folge den Empfehlungen der römischen Gottesdienstkongregation für die liturgische Praxis in alten, künstlerisch wertvollen Kirchen.

„Den Oratorianern ist bewußt, daß die Aufgabe der Zelebration am Volksaltar für viele Gottesdienstbesucher eine schmerzhafte Umstellung bedeutet, ähnlich wie sie das für manche vor vierzig Jahren durch die Einführung des Volksaltars ad experimentum bedeutet haben mag.“

Man werde deshalb die Verwendung eines provisorischen Volksaltars bis auf weiteres wenigstens bei einer Sonntagsmesse und bei Messen mit Kindern beibehalten.

Pater Selden erklärt, daß die Oratorianer keine Schwierigkeiten mit der Zelebration an einem Volksaltar haben.

„Warum soll der Gemeinschaftscharakter der Heiligen Messe darunter leiden, wenn Priester und Gemeinde einander beim Eucharistischen Hochgebet nicht anschauen, sondern alle gemeinsam in eine Richtung gewandt beten?“

© Bild: www.oratorium.at
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