Doktorat
Limbus oder Reinkarnation?
Pater Karl Rahner war sich sicher, daß ungetauft gestorbene Kinder in den Himmel kommen. Wie? Vielleicht über Reinkarnation. Ein neues Buch über den Limbus puerorum.
(kreuz.net, Liechtenstein) Der Vaduzer Priester Johannes M. Schwarz veröffentlichte kürzlich seine Doktorarbeit über den sogenannten Limbus puerorum.

Hw. Schwarz ist als Kaplan in der Liechtensteiner Pfarrei Triesenberg und nebenbei als Programmierer des neokonservativen Linzer Onlineportals ‘kath.net’ tätig.

Der Limbus puerorum ist der äußere Bereich der Hölle, in den nach klassischer katholischer Lehre die Seelen der ungetauft verstorbenen Kleinkinder hinkommen.

Kaplan Schwarz sprach am 26. September mit ‘kath.net’ über das ewige Schicksal der ungetauften Kleinkinder, die noch vor dem Erlangen der Verstandeskraft sterben.

Die Problematik der Frage stehe im Spannungsfeld zwischen zwei zentralen Glaubenswahrheiten: der Erbsünde und Taufnotwendigkeit auf der einen und dem göttlichen Heilswille auf der anderen Seite.

Die Lehre vom Limbus könne nicht leicht abgeschafft werden. Zumindest als mögliche Antwort bleibe sie gültig.

Sie sei nicht homogenes Modell vorgetragen, sondern in verschiedenen Variationen vertreten worden – erklärt Hw. Schwarz weiter. Darum treffe die heutige Limbus-Kritik nicht immer alle Modelle in gleicher Weise.

Bis ins 19. Jahrhundert sei die Lehre, daß ungetauft gestorbene Kleinkinder nicht erlöst werden können, mit wenigen Ausnahmen nicht in Frage gestellt worden.

Die theologischen Auseinandersetzungen konzentrierten sich damals vor allem auf das Verständnis der Aussage des Heiligen Augustinus von Hippo († 430), wonach ungetauft gestorbene Kleinkinder im Limbus nur eine „leichteste Strafe“ erleiden.

Die theologische Lehrtradition der Scholastik habe mit ihren neugewonnenen Differenzierungen zur Erbsündenlehre eine milde Auslegung dieser Strafen erlaubt.

In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sei die Anzahl vorgeschlagener Heilswege für ungetauft gestorbene Kleinkinder inflationär angestiegen. Doch diese Vorschläge wurden von den Vertretern der klassischen Lehrtradition zum Teil heftig kritisiert.

Die meisten theologischen Versuche, die Lehre vom Limbus abzuschwächen, seien im Taufersetzschema verblieben. Sie hätten zu zeigen versucht, daß Kleinkinder, die vor Erlangen ihrer Verstandeskraft sterben, durch eine Form der Begierdetaufe oder Bluttaufe gerettet würden.

In den 50er Jahren habe diese Diskussion einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Die Einberufung des „Pastoralkonzils“ in den 60er Jahren habe „zur Erschließung neuer theologischer Horizonte und Interessensgebiete“ geführt – so Kaplan Schwarz. Damit sei die Frage nach dem ewigen Schicksal ungetauft gestorbener Kleinkinder theologisch weitgehend verdrängt worden.

In den letzten Jahren sei die Diskussion wieder zaghaft erwacht.

Einen ersten Impuls habe der neue Katechismus der Katholischen Kirche geliefert. Er spricht von einer „berechtigten Hoffnung“ für einen Heilsweg der Kinder.

Damit stelle der Katechismus die Frage nach einer „Korrektur“ – die Anführungszeichen stammen von Kaplan Schwarz – der früheren kirchlichen Lehre in den Raum.

Hw. Schwarz erwähnt einen besonders kuriosen Lösungsansatz, der vom umstrittenen Konzilstheologen Pater Karl Rahner SJ († 1984) vorgelegt wurde.

Der Jesuit behandelt das Schicksal der ungetauft verstorbenen Kleinkinder in einem weniger bekannten Aufsatz über das Fegefeuer. Dabei erachte er es als gegeben, daß ungetaufte Kinder einfach in den Himmel gelangten.

Pater Rahner erkennt selber einen Nachteil dieser Theorie: Damit wäre nämlich ein großer Teil der Himmelsschar automatisch und ohne personale Entscheidung zur ewigen Herrlichkeit gelangt. Diesen Gedanken hält Hw. Rahner für schrecklich und unpassend.

Darum vermute er eine Begierdetaufe im Tod. Er überlegte aber noch eine andere Lösung – erklärt Kaplan Schwarz:

„Unter Berufung auf eine »ungeheure Verbreitung« der Reinkarnation und Seelenwanderung in der »religiösen Menschheitstradition« könne an dieser Lehre doch auch etwas Richtiges sein.“

Somit hält es der Jesuit für möglich, daß wenigstens die vor der Erlangung des Vernunftgebrauchs aus dem Leben Geschiedenen noch eine zweite Chance bekommen und ein zweites Mal inkarniert werden könnten.

Kaplan Schwarz bemerkt abschließend, daß sein Doktorat ein Kapitel Theologiegeschichte mit möglichen Wegen und Irrwegen aufzeige, ohne das Problem letztlich zu lösen.

Das Werk „Zwischen Limbus und Gottesschau Das Schicksal ungetauft sterbender Kinder in der theologischen Diskussion des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein theologiegeschichtliches Panorama.“ ist bei kath.net für 14,80 Euro plus Versandspesen erhältlich.