Freitag, 5. Januar 2007 10:00
Am Dienstag veröffentlichte eine kirchenfeindliche Wiener Tageszeitung einen Artikel über die Alte Messe. Oder war es ein verspäteter, als Parodie gedachter Sylvester-Artikel?

(kreuz.net) Der Vatikan will den lateinischen Ritus rehabilitieren – wußte Anne-Catherine Simon am 3.
Januar in der Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’.
Einen dramatischen Aufruf [zugunsten der Alten Messe]
habe es schon
im Jahre 1971 gegeben:
Erstaunlich viele berühmte Künstler hätten ihren Namen daruntergesetzt –
die wenigsten von ihnen katholisch: „Die Petition blieb erfolglos.“
Der sogenannte tridentinische Ritus,
„vier Jahrhunderte lang der offizielle der katholischen Kirche“, sei zur geächteten Randexistenz, zu
Gunsten des nach dem Zweiten Vatikanum, im Jahr 1969, eingeführten „Novus Ordo“ verurteilt worden:
Man
habe damals „ungeheure Erwartungen“ in die Neuerungen gesetzt – etwa die Einführung des Volksaltars und
der Landessprache für die liturgischen Texte.
Umso heftiger umstritten sei die Kehrtwende, die nun erfolgen
solle.
Damit dürfe jeder Priester die Alte Messe zelebrieren: „Begründet hatte diesen Ritus Pius V.
1570, nach dem Konzil von Trient (daher tridentinisch).“
Einige seien über eine mögliche Freigabe entsetzt –
zum Beispiel viele französische Bischöfe.
Der Papst habe diese Bischöfe im September vor den Kopf
gestoßen, als er dem
neu gegründeten ‘Institut du Bon Pasteur’ seinen Segen gegeben habe.
Es bestehe
aus „abgefallenen »Lefebvristen« – Ex-Anhängern des 1988 exkommunizierten Erzbischofs Marcel Lefebvre.“
„Der hatte erklärt, daß jeder Katholik, der die neue Messe mitfeiere, sein Seelenheil riskiere. Ohne
die »wahre« Messe würde die Kirche vom Erdboden verschwinden.“
Die von Erzbischof Lefebvre gegründete
Piusbruderschaft kämpfe weiter um die Rückkehr zur „wahren“ Lehre.
Der Papst wolle nun dieses Schisma
beenden, indem er den „Ultrakonservativen“ entgegenkomme, „wird vermutet“:
„Aber daß mehr als pure Kirchenpolitik
dahintersteht, zeigt ein Blick in die Schriften Ratzingers. Der Novus Ordo habe keine »Neubelebung«,
sondern »Verwüstung« gebracht, schrieb er 1989.“
In seinen Erinnerungen ‘Aus meinem Lebenz’ (1998)
gebe er die Hauptschuld an der Krise dem „Zerfall der Liturgie“.
„Unter seinem Pontifikat wurde auch
der Chef der Gottesdienst-Kongregation ausgetauscht“ – weiß Frau Simon ohne Quellen anzugeben.
Der „Vorgänger“
sei noch gegen Erleichterungen für den Alten Ritus gewesen.
Der Kern von Ratzingers Kritik laute „Entsakralisierung“.
Der Novus Ordo verhindere die „Begegnung mit dem Mysterium“.
Mit dem Volksaltar sei der Mensch in den
Mittelpunkt gerückt.
Außerdem sei diese Liturgie keine „gewachsene“. Sie erwecke den Eindruck, daß
Liturgie etwas „Machbares“ sei.
Schon vor Jahren habe auch der deutsche Philosoph Robert Spaemann erklärt,
daß Priester, die den Alten Ritus zelebrieren wollten, „kleinlichsten Schikanen“ ausgesetzt seien.
Sie
würden „in Quarantäne gesperrt“ oder man rate ihnen, „zu den Schismatikern zu gehen“.
Als Grund für
die „geradezu magische Berührungsangst“ der Kirchenoberen gegenüber dem alten Ritus vermutete er: „Verdrängung.“
Bemerkenswerterweise berufen sich – so Frau Simon – sowohl Gegner als auch Befürworter der Alten Messe
auf das Zweite Vatikanum.
Die einen würden einen Rückschritt hinter das Konzil befürchten, die anderen
wollten das Konzil „rehabilitieren“:
„Die neue Liturgie weiche in wesentlichen Punkten von den Konzilsforderungen
ab, wird argumentiert: Weder der Wechsel der Ausrichtung des Priesters noch die vollständige Abkehr vom
Lateinischen seien dort zur Debatte gestanden.“
„Die meisten fordern nicht eine Rückkehr zum alten Ritus,
sondern nur Wahlfreiheit.“
„Das aber wäre wohl ein Eingeständnis, daß sich die hochgespannten Hoffnungen
auf Glaubenserneuerung durch eine der Zeit angepaßte »moderne« Liturgie nicht erfüllt haben.“
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Bild: Latin-Mass-Society.org