Kardinal Groer
Himmlische Rehabilitierung?
1995 mußte er wegen Mißbrauchsvorwürfen von seinem Amt zurücktreten. Jetzt ist sein Grab zu einer Pilgerstätte geworden. Berichte von Gebetserhörungen mehren sich.
Votivtafel am Grab von Kardinal Groer
Votivtafel am Grab von Kardinal Groer
(kreuz.net, Maria Roggendorf) Als „annus horribilis“ ist das Jahr 1995 in die österreichische Kirchengeschichte eingegangen.

Am 27. März 1995 veröffentlichte das kirchenfeindliche Boulevardmagazin ‘Profil’ ein Interview mit einem früheren Zögling des Erzbischöflichen Knabenseminars in Hollabrunn.

Dieser behauptete, in den 70er Jahren vom späteren Kardinal Groër sexuell mißbraucht worden zu sein.

Zu jener Zeit war Mons. Groër als Religionslehrer im Knabenseminar Hollabrunn tätig, bevor er sich 1974 dem Benediktinerkloster Göttweig anschloß.

Beide Orte liegen im Bundesland Niederösterreich: Hollabrunn ungefähr 50 Kilometer nordwestlich von Wien, Göttweig ungefähr 30 Kilometer nördlich von St. Pölten.

Das ‘Profil’- Interview löste eine bis dahin beispiellose Medienkampagne aus.
Groer empfing im April 1942 die Priesterweihe
Groer empfing im April 1942 die Priesterweihe

Während die einen – allen voran der St. Pöltener Bischof Kurt Krenn – Groër als Opfer einer Rufmordkampagne sahen, forderten die anderen seinen Rücktritt.

In einer am 8. April 1995 veröffentlichten Stellungnahme äußerte sich Kardinal Groër zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen öffentlich. Wörtlich erklärte er:

„Die massiven, gesteigerten Attacken gegen mich verunsichern und gefährden viele Gutgesinnte und Gläubige, erzeugen Unruhe und Zweifel – auch an der Kirche. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, Inhalt und Gestalt der gegen mich getätigten Diffamierung und vernichteten Kritik zurückzuweisen.“

Auf eigene Bitte hin erhielt Kardinal Groër am 13. April 1995 den bisherigen Weihbischof Christoph Schönborn als Erzbischof-Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge.

Sein altersbedingt bereits im Vorjahr eingereichtes Rücktrittsgesuch als Wiener Erzbischof wurde mit Wirkung vom 14. September 1995 angenommen.

Kardinal Groër zog sich daraufhin nach Maria Roggendorf bei Hollabrunn zurück, wo er dem örtlichen Benediktinerkloster als Prior vorstand und die von ihm in den 60er Jahren wiederbelebte Wallfahrt betreute.

Doch im Vorfeld des für Juni 1998 geplanten Österreich-Besuchs von Papst Johannes Paul II. wurde die Causa erneut aufgekocht.

In einer öffentlichen Stellungnahme erklärten die Erzbischöfe und Bischöfe Kardinal Christoph Schönborn von Wien, Mons. Georg Eder von Salzburg, Mons. Johann Weber von Graz und Mons. Egon Kapellari von Gurk am 27. Februar 1998, sie seien „zu der moralischen Gewißheit gelangt, daß die gegen Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groër erhobenen Vorwürfe im wesentlichen zutreffen“.

Kardinal Groer starb am 24. März 2003
Kardinal Groer starb am 24. März 2003
Die Stellungnahme erzeugte erhebliche innerkirchliche Turbulenzen. Nach dem kanonischen Recht steht es allein dem Papst zu, über einen Kardinal zu urteilen.

Doch die zuständigen Instanzen in Rom haben die Anschuldigungen gegen Kardinal Groër nie offiziell untersucht – geschweige denn eine Verurteilung ausgesprochen.

Erzbischof Eder soll darum später bedauert haben, die umstrittene Erklärung der Bischöfe mitunterzeichnet zu haben.

Im Frühjahr 1998 zog sich der inzwischen von seinem Amt als Prior des Benediktinerklosters Maria Roggendorf zurückgetretene Kardinal schließlich aus der Öffentlichkeit zurück.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als Spiritual des Zisterzienserinnenklosters Marienfeld bei Maria Roggendorf, dessen Gründung er einst mitinitiiert hatte.

Kardinal Groër starb am 24. März 2003 nach langer und schwerer Krankheit im Krankenhaus von St. Pölten und wurde am 5. April neben der Kirche des Zisterzienserinnenklosters Marienfeld beigesetzt.

In seiner Predigt beim Requiem für Kardinal Groër sagte der eigens angereiste Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner:

„Sein letztes Lebensjahrzehnt stand unter einer dunklen Wolke, unter der viele mit ihm gelitten haben.

Kardinal Groër war es beschieden, wie Simon von Cyrene dem Herrn auf dem Kreuzweg zu folgen.

Er war ganz eingetaucht in das bittere Leiden Jesu, das ihn aber vor der Verbitterung schützte.

Er wußte sich auf diesem Kreuzweg ganz verbunden mit Maria, der Mutter Jesu, die ebenfalls vom Schwert des Schmerzes durchbohrt war.

Gerade dadurch ist er vielen Menschen unterm Kreuz zu einem kompetenten Leidensgenossen geworden.“

Als Leidensgenossen und Fürsprecher scheinen nicht wenige Gläubige Kardinal Groër auch nach seinem Tod zu betrachten.

Sein Grab wurde schon bald zu einer gesuchten Pilgerstätte.

Vor allem im Zusammenhang mit den nach wie vor stattfindenden Monatswallfahrten ist es für viele Pilger selbstverständlich geworden, auch am Grab des Kardinals zu beten.

Inzwischen mehren sich Berichte über Wunder, die auf die Fürsprache von Kardinal Groër geschehen sein sollen.

Einige Beispiele schilderte jüngst der in Maria Roggendorf wirkende Benediktinerpater Ludwig Maria Gmoser in der Zeitschrift „Vision 2000“.

Am Grab des Kardinals finden sich bereits etliche Votivtafeln, die von dankbaren Gläubigen angebracht wurden.

Daraus geht hervor, daß Kardinal Groër nicht nur bei körperlichen Gebrechen, sondern besonders auch als Fürsprecher gegen Verleumdung und üble Nachrede angerufen wird.

Gebetserhörungen auf die Fürsprache von Kardinal Groër können gemeldet werden an das Benediktinerpriorat St. Josef, Marienplatz 2, A – 2041 Maria Roggendorf.