11:01:01 | Freitag, 26. Januar 2007
1995 mußte er wegen Mißbrauchsvorwürfen von seinem Amt zurücktreten. Jetzt ist sein Grab zu einer Pilgerstätte geworden. Berichte von Gebetserhörungen mehren sich.

Votivtafel am Grab von Kardinal Groer
(kreuz.net, Maria Roggendorf) Als „annus horribilis“ ist das Jahr 1995 in die österreichische Kirchengeschichte
eingegangen.
Am 27. März 1995 veröffentlichte das kirchenfeindliche Boulevardmagazin ‘Profil’ ein Interview
mit einem früheren Zögling des Erzbischöflichen Knabenseminars in Hollabrunn.
Dieser behauptete, in
den 70er Jahren vom späteren Kardinal Groër sexuell mißbraucht worden zu sein.
Zu jener Zeit war Mons.
Groër als Religionslehrer im Knabenseminar Hollabrunn tätig, bevor er sich 1974 dem Benediktinerkloster
Göttweig anschloß.
Beide Orte liegen im Bundesland Niederösterreich: Hollabrunn ungefähr 50 Kilometer
nordwestlich von Wien, Göttweig ungefähr 30 Kilometer nördlich von St. Pölten.
Das ‘Profil’- Interview
löste eine bis dahin beispiellose Medienkampagne aus.

Groer empfing im April 1942 die Priesterweihe
Während die einen – allen voran der St. Pöltener
Bischof Kurt Krenn – Groër als Opfer einer Rufmordkampagne sahen, forderten die anderen seinen Rücktritt.
In einer am 8. April 1995 veröffentlichten Stellungnahme äußerte sich Kardinal Groër zu den gegen
ihn erhobenen Anschuldigungen öffentlich. Wörtlich erklärte er:
„Die massiven, gesteigerten Attacken
gegen mich verunsichern und gefährden viele Gutgesinnte und Gläubige, erzeugen Unruhe und Zweifel –
auch an der Kirche. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, Inhalt und Gestalt der gegen mich getätigten
Diffamierung und vernichteten Kritik zurückzuweisen.“
Auf eigene Bitte hin erhielt Kardinal Groër am
13. April 1995 den bisherigen Weihbischof Christoph Schönborn als Erzbischof-Koadjutor mit dem Recht
der Nachfolge.
Sein altersbedingt bereits im Vorjahr eingereichtes Rücktrittsgesuch als Wiener Erzbischof
wurde mit Wirkung vom 14. September 1995 angenommen.
Kardinal Groër zog sich daraufhin nach Maria Roggendorf
bei Hollabrunn zurück, wo er dem örtlichen Benediktinerkloster als Prior vorstand und die von ihm in
den 60er Jahren wiederbelebte Wallfahrt betreute.
Doch im Vorfeld des für Juni 1998 geplanten Österreich-Besuchs
von Papst Johannes Paul II. wurde die Causa erneut aufgekocht.
In einer öffentlichen Stellungnahme erklärten
die Erzbischöfe und Bischöfe Kardinal Christoph Schönborn von Wien, Mons. Georg Eder von Salzburg,
Mons. Johann Weber von Graz und Mons. Egon Kapellari von Gurk am 27. Februar 1998, sie seien „zu der moralischen
Gewißheit gelangt, daß die gegen Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groër erhobenen Vorwürfe im wesentlichen
zutreffen“.

Kardinal Groer starb am 24. März 2003
Die Stellungnahme erzeugte erhebliche innerkirchliche Turbulenzen. Nach dem kanonischen Recht
steht es allein dem Papst zu, über einen Kardinal zu urteilen.
Doch die zuständigen Instanzen in Rom
haben die Anschuldigungen gegen Kardinal Groër nie offiziell untersucht – geschweige denn eine Verurteilung
ausgesprochen.
Erzbischof Eder soll darum später bedauert haben, die umstrittene Erklärung der Bischöfe
mitunterzeichnet zu haben.
Im Frühjahr 1998 zog sich der inzwischen von seinem Amt als Prior des Benediktinerklosters
Maria Roggendorf zurückgetretene Kardinal schließlich aus der Öffentlichkeit zurück.
Seine letzten
Lebensjahre verbrachte er als Spiritual des Zisterzienserinnenklosters Marienfeld bei Maria Roggendorf,
dessen Gründung er einst mitinitiiert hatte.
Kardinal Groër starb am 24. März 2003 nach langer und
schwerer Krankheit im Krankenhaus von St. Pölten und wurde am 5. April neben der Kirche des Zisterzienserinnenklosters
Marienfeld beigesetzt.
In seiner Predigt beim Requiem für Kardinal Groër sagte der eigens angereiste
Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner:
„Sein letztes Lebensjahrzehnt stand unter einer dunklen
Wolke, unter der viele mit ihm gelitten haben.
Kardinal Groër war es beschieden, wie Simon von Cyrene
dem Herrn auf dem Kreuzweg zu folgen.
Er war ganz eingetaucht in das bittere Leiden Jesu, das ihn aber
vor der Verbitterung schützte.
Er wußte sich auf diesem Kreuzweg ganz verbunden mit Maria, der Mutter
Jesu, die ebenfalls vom Schwert des Schmerzes durchbohrt war.
Gerade dadurch ist er vielen Menschen unterm
Kreuz zu einem kompetenten Leidensgenossen geworden.“
Als Leidensgenossen und Fürsprecher scheinen nicht
wenige Gläubige Kardinal Groër auch nach seinem Tod zu betrachten.
Sein Grab wurde schon bald zu einer
gesuchten Pilgerstätte.
Vor allem im Zusammenhang mit den nach wie vor stattfindenden Monatswallfahrten
ist es für viele Pilger selbstverständlich geworden, auch am Grab des Kardinals zu beten.
Inzwischen
mehren sich Berichte über Wunder, die auf die Fürsprache von Kardinal Groër geschehen sein sollen.
Einige Beispiele schilderte jüngst der in Maria Roggendorf wirkende Benediktinerpater Ludwig Maria Gmoser
in der Zeitschrift „Vision 2000“.
Am Grab des Kardinals finden sich bereits etliche Votivtafeln, die
von dankbaren Gläubigen angebracht wurden.
Daraus geht hervor, daß Kardinal Groër nicht nur bei körperlichen
Gebrechen, sondern besonders auch als Fürsprecher gegen Verleumdung und üble Nachrede angerufen wird.
Gebetserhörungen auf die Fürsprache von Kardinal Groër können gemeldet werden an das Benediktinerpriorat
St. Josef, Marienplatz 2, A – 2041 Maria Roggendorf.