Freitag, 7. Januar 2005 09:27
Bundesführung der „Katholischen Pfadfinder“ in Österreich in der Krise
Die Bundesführung der österreichischen Jungen-Sektion der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ (KPE) hat sich von der Mutterorganisation losgelöst. Die Gründe für diesen Schritt bleiben im Unklaren.
(kreuz.net, St. Pölten) Nach einem Bericht der in Linz erscheinenden Tageszeitung „Oberösterreichische Rundschau“ ist die gesamte Bundesführung der Österreich-Sektion der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ am 23. Dezember vergangenen Jahres geschlossen von ihren Ämtern zurücktreten. Ein Detail am Rande: Nicht die gesamte Bundesführung ist zurückgetreten; die Rücklegung all ihrer Ämter betrifft den Jungenbund der Bundesführung KPE-Österreich.

Die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) ist besonders in Deutschland verbreitet und ist dort die letzte größere Organisation, die eine konsequente und erfolgreiche katholische Jugendarbeit verfolgt. Der Erfolg der KPE in Deutschland ist nicht zuletzt auf ihren verdienten Bundeskuraten, Pater Andreas Hönisch, zurückzuführen.

Der aus Schlesien stammende Pater Hönisch ist ein ehemaliger Jesuitenpater und Japanmissionar. Nach seinem Ausscheiden aus der Gesellschaft Jesu gründete er die blühende Ordensgemeinschaft der „Servi Jesu et Mariae“ – auf Deutsch: „Diener Jesu und Mariae“. Der junge Orden hat seinen Hauptsitz im niederösterreichischen Blindenmarkt, einer Ortschaft zwischen Linz und St. Pölten. Der Orden ist seit 1994 päpstlichen Rechts, das heißt, er untersteht direkt dem Heiligen Stuhl und nicht dem Ortsbischof. Der Orden entstand in der Diözese Augsburg, von wo er vom damaligen Diözesanbischof ohne Grundangabe und ohne Verfehlungen seitens des Ordens vertrieben wurde.

Zu den zurückgetretenen Funktionären der Österreich-Sektion der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ gehören Präsident Eugen Liechtenstein, der Bundeskurat Mag. Martin Leitner und der Bundesfeldmeister und Bundeswölflingsmeister Fr. Felix Häfele.

Als Grund für ihren Rücktritt gibt die Bundesführung nur eine „schwierige Situation“ mit den von P. Andreas Hönisch auch in Österreich gegründeten Pfadfinder-Gruppen an. Diese „schwierige Situation“ sei leider von den europäischen Instanzen der „Katholischen Pfadfinderschaft“, die auch in Frankreich und Italien verbreitet ist, nicht erkannt worden. Was aber der genauere Grund für die Krise und den Rücktritt der österreichischen Bundesführung ist, bleibt im Unklaren.

Wie der zurückgetretene Bundesfeldmeister, Felix Häfele, ein Frater des niederösterreichischen Benediktinerklosters Göttweig, berichtet, führe Pater Hönisch von Blindenmarkt aus einige Pfadfindergruppen, auf deren inhaltliche und religiöse Ausrichtung die Bundesführung keinen Einfluß habe.

Deshalb habe man sich darum bemüht, die von den „Servi Jesu et Mariae“ betreuten österreichischen Gruppen bei der deutschen Sektion der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ registrieren zu lassen. Man habe dieses Anliegen auch an die Dachorganisation der katholischen Pfadfinderschaft, die „Union Internationale des Guides et Scouts Européens“, herangetragen. Diese habe jedoch die Probleme der österreichischen Bundesführung „nicht erkannt“ und deren Widerstände „nicht ernst genommen“, so der Göttweiger Frater.

Daher habe sich die Bundesführung zum Rücktritt entschlossen und den internationalen Bund verlassen.
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