Donnerstag, 25. Januar 2007 20:30
Ein bekannter katholischer Journalist hat eine gute Geschichte zur Alten Messe gerochen und damit die Traditionalisten in eine peinliche Situation manövriert. Wie das deutsche ‘Manifest’ für die Freigabe der Alten Messe entstanden ist.

Opferung in einer Alten Messe
(kreuz.net) Seit Mitte Januar kursierte im deutschsprachigen Raum ein „
Manifest zur Wiederzulassung der
klassischen lateinischen Liturgie“.
Der Text wurde vom Bonner Altphilologen Heinz Lothar Barth aufgesetzt.
Dr. Barth übernahm auch die Koordination der Unterschriftensammlung.
Als Sperrfrist für die Presse
wurde der 18. Januar angegeben.
Doch bereits am 17. Januar veröffentlichte der Vatikanist der deutschen
Tageszeitung ‘Welt’, Paul Badde, das Manifest im Wortlaut.
Er schrieb auch einen erklärenden Artikel
dazu. Dieser beschränkte sich auf Allgemeinplätze zum überlieferten Ritus. Die alles entscheidende
Frage ließ Badde offen: Wer hat das Manifest unterzeichnet?
Im Text schrieb er, daß Schriftsteller
wie Botho Strauß, Ulla Hahn oder Martin Mosebach ihre „Unterstützung signalisiert“ hätten.
Im Vorspann
des Artikels behauptete Badde ausdrücklich, daß die Schriftsteller das Manifest unterstützten.
Der
irreführende Bericht erntete den Unmut der Betroffenen.
Ulla Hahn dementiert: „Richtige Täuschung“
Gestern Mittwoch erklärte Ulla Hahn vor der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’, daß ihr das Manifest
nie vorgelegen und sie es nicht unterschrieben habe.

Manifest deutscher Intellektueller: „Die Alte Messe ist ein überragendes Werk der Weltkultur“
Erst nach der Veröffentlichung habe sie davon Kenntnis
erhalten:
„Ohne daß ich mich von allen Inhalten des Manifestes distanziere, hätte ich es doch so weder
unterschrieben noch begrüßt. Nur in einer intensiven Diskussion hätte ich mich abwägend dazu geäußert.“
Frau Hahn sieht eine „richtige Täuschung“ im doppelten Sinne.
Sie hält nämlich auch den Inhalt des
Manifests für täuschend: „Denen geht es nicht ums Latein in der Messe. Die kann man heute schon lateinisch
lesen. Es geht denen um eine generelle Rückkehr ins Vorkonziliare.“ Dazu benötigten sie wahrlich keine
Schriftsteller.
Botho Strauß geht auf DistanzAuch Botho Strauß distanzierte sich vor der ‘Frankfurter
Allgemeinen Zeitung’.
Er sei sowieso Protestant, „wenngleich ein gequälter und unglücklicher“. Insofern
sei er nicht berufen, sich zu Fragen der lateinischen Messe zu äußern. Er könnte diese höchstens als
Gast genießen.
Martin Mosebach rechtfertigt sichMartin Mosebach erklärte dagegen, das Manifest nachträglich
„solidarisch und mit seinen Inhalten restlos sympathisierend“ mitzutragen – ohne es aber ausdrücklich
unterschrieben zu haben.
Mosebach ist ein
bekannter Unterstützer der Alten Messe. Er war es auch, der
Paul Badde mit den vagen Information versorgt hatte.
Doch Badde habe ihn mißverstanden und die Unterschriften
der drei Schriftsteller in die Welt gesetzt – behauptet Mosebach.
Nach dem Artikel in der ‘Welt’ habe
er sich mit Ulla Hahn und Botho Strauß in Verbindung gesetzt, um das Mißverständnis aufzuklären.
Das Manifest kursiert in den MedienNach dem Bericht in der ‘Welt’ veröffentlichten mehrere Zeitungen
Berichte über ein Manifest ohne seine Unterstützer.
Die Onlineausgabe der Tageszeitung ‘Berliner Morgenpost’
berichtete noch am gleichen Tag wie die ‘Welt’. Wenige Stunden später zog das Blatt den Artikel zurück.
Die Linzer Homepage ‘kath.net’ publizierte den Artikel von Badde am 18. Januar im Wortlaut.
‘Spiegel
online’ und die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ erwähnten das namenlose Manifest im Kontext von Artikeln
zur Alten Messe.
Nachträgliche Unterstützung zurückgezogen?Am 20. Januar abends gab der Initiator
des Manifests, Dr. Barth, eine Liste mit mehr als fünfzig prominenten Unterstützern an die Presse.
Sie wurde unter anderem auf ‘Radio Vatikan’, ‘kreuz.net’ und ‘katholisches.org’ abgedruckt.
Die Namen
der drei Schriftsteller Mosebach, Strauß und Frau Hahn befanden sich auf der verbreiteten Liste.
Es
ist deshalb anzunehmen, daß sie in den Tagen zwischen dem irreführenden Artikel in der ‘Welt’ und der
Veröffentlichung der Liste ihre nachträgliche, aber ausdrückliche Zustimmung gegeben haben.
Nun haben
es sich die drei Kulturschaffenden offenbar wieder anders überlegt.
© Bilder: Latin-Mass-Society.org