10:37:01 | Mittwoch, 31. Januar 2007
Kardinal Lehmann hat das deutsche Manifest für die Freigabe der Alten Messe auf seine Weise genützt: für eine Laudatio auf die gescheiterte Liturgiereform der späten 60er Jahre. „Da und dort“ gebe es Mißbräuche.

Alte Messe in Oxford, Juni 2006
© Latin-Mass-Society.org(kreuz.net, Mainz) Der Mainzer Bischof, Karl Kardinal Lehmann, betonte kürzlich die „Schönheit der Neuen
Messe“.
Anlaß für diese Würdigung war das deutschsprachige
Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten
Liturgie.
Der Kardinal äußerte sich in einem Kommentar für die jüngste Ausgabe der Mainzer Kirchenzeitung
‘Glaube und Leben’.

Karl Kardinal Lehmann
© Schreibmayr, CCIn der Formulierung der katholischen Nachrichtenagentur ‘KNA’ verteidigte der Kirchenfürst
die „geltende Liturgie in der katholischen Kirche“.
Kardinal Lehmann erklärt in seinem Artikel einleitend,
daß einer Gruppe „Intellektueller“ – Anführungszeichen vom Kardinal – in einem Manifest die offizielle
Wiederzulassung der Alten Messe gefordert habe.
„Mit Bedacht erfolgt keine Polemik gegen die im Zweiten
Vatikanischen Konzil erneuerte Eucharistiefeier“ – lobt Kardinal Lehmann.
In der Kirche bestehe kein
Zweifel über die Schönheit und Feierlichkeit der lateinischen Messe, besonders in der Musik:
Es sei
freilich auch wahr, daß diese Messe im Lauf der Jahrhunderte angeblich „ viele Änderungen“ erfahren
habe.
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe diese Alte Messe „für unsere Zeit“ erneuert.
„Gott sei Dank, daß es hier keine Polemik gegen die erneuerte Messe gibt“ – wiederholt sich der Kardinal.
Die Messe in Latein sei ja auch „keineswegs abgeschafft“.
Kardinal Lehmann unterstreicht noch einmal,
daß auch die nachkonziliare erneuerte Messe – von Mißbräuchen abgesehen – ihre eigene Schönheit und
Feierlichkeit besitze.
Das Zweite Vatikanische Konzil habe mit sehr bedachten Worten beschlossen, eine
allgemeine Erneuerung der Liturgie sorgfältig in die Wege zu leiten.
Der Kardinal läßt unerwähnt,
daß die vom Konzil geforderten Reform im Meßbuch von 1965 verwirklicht wurde. Dieses Meßbuch war allerdings
nur vier Jahre im Gebrauch.
„Die Kirche“ sei dankbar für die großen Schätze aus Kunst und Kultur,
aber nicht ausschließlich daran gebunden.
Der Geist Gottes habe zu allen Zeiten auch in der Gestaltung
der Gottesdienste erweckend und inspirierend gewirkt. Das dürfe „die Kirche“ auch für die erneuerte
Gestalt der Eucharistiefeier annehmen:
„Ich bin dankbar, daß dies dank des Einsatzes vor allem von Papst
Paul VI. († 1978) und vielen tüchtigen, angesehenen Liturgiewissenschaftlern, die sehr wohl die Tradition
der Kirche kannten, in einer eindrucksvollen Weise gelungen ist.“
Kardinal Lehman anerkennt, daß es
„da und dort“ Mißbräuche, ja auch Willkür, Form- und Würdelosigkeit gebe. Aber das sei kein Argument
gegen die erneuerte Messe.
„Dies wenigstens muß man im Sinne einer ersten und kleinen Antwort ergänzend
zu dem ‘Manifest’ hinzufügen“ – schließt der Kirchenfürst.
Restriktive PolitikDer Mainzer Bischof
gilt als scharfer Gegner der Alten Messe.
Mitte November
erklärte, daß es genüge eine solche „hie
und da“ zu zelebrieren. Man finde auch kaum mehr Priester, die fähig und bereit seien, die Alte Messe
zu lesen.
Im Spätsommer
verbot der Kardinal einem Mitglied der Petrusbruderschaft die Zelebration der
Messe im Alten Ritus.
Seit September 2002 warten über dreihundert Bittsteller aus Gießen in Oberhessen –
die dem Kardinal ein Gesuch um die Alte Messe vorgelegt haben – auf eine Antwort.