14:32:27 | Sonntag, 4. März 2007
Auch beim Versuch, die Entstehung der Sprachen zu erklären, ist die Evolutionstheorie mit ihren Dogmen kläglich gescheitert. Von Dr. med. Wolfgang B. Lindemann.
(kreuz.net) Die Evolutions-Ideologie beruht auf der Annahme, daß sich auf allen Gebieten der belebten
Existenz das Höhere sich aus dem Niederen entwickelt hat.
Doch die Entwicklung der menschlichen Sprache –
um ein Beispiel zu nennen – scheint genau das Gegenteil zu bestätigen.
Die Evolutionstheorie muß trotzdem
auf dem Dogma einer aufsteigenden Entwicklung beharren. Denn wenn der Mensch – wie diese Theorie glaubt –
wirklich durch Evolution und ohne Schöpfer entstanden ist, dann muß auch jede seiner Fähigkeiten das
Ergebnis einer blinden Mutation und Selektion sein.
Jedes Gegenbeispiel bringt den zentralen Glaubenssatz
der Evolutionstheorie in Gefahr.
Doch ein solches Gegenbeispiel ist die menschliche Sprache.
Die evolutionäre
Fachwelt geht davon aus, daß sich die Sprache vor etwa 40.000 Jahren entwickelt hat.
Linguistische Entwicklungstheorien
behaupten, daß die Sprache ihren Ursprung in Tierschreien fand. Auf diese Weise sei langsam ein Wortschatz,
eine Formenlehre und eine Syntax entstanden.
Wer Latein oder Griechisch gelernt hat, bekommt genau den
gegenteiligen Eindruck. Denn die alten Sprachen sind wesentlich „entwickelter“ und reicher als die neuen.
Der griechische Dichter Homer († um 800) verwendet zahlreiche Formen – wie zum Beispiel den Dual –,
die es im späteren klassischen Griechisch nicht mehr gibt.
Die neugriechische Sprache zeigt eine weiter
reduzierte Formenvielfalt. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen der lateinischen Sprache und ihren modernen
romanischen Töchtern.
In den indogermanischen Sprachen läßt sich also in den letzten Jahrtausenden
eine Entwicklung von einer entwickelten zu einer simpleren Form feststellen.
So verwendet das Latein
über 170 synthetische Verbalformen – das Französische gerade noch 40. Das moderne Griechisch gebraucht
nur noch einen Bruchteil der über 450 synthetischen Flexionsformen der alten Sprache.
Sogenannt synthetische
Verbalformen sind solche, die durch Veränderung im Zeitwort selber – zum Beispiel: ich fahre, ich fuhr –
entstehen, während analytische durch Hilfsverben – zum Beispiel: ich habe/hatte/hätte/ wurde gefahren –
umschrieben werden.
Es ist somit nicht schwer, in den modernen Sprachen einen Abbauprozeß nachzuweisen.
Zum Teil wird dieser Abbauprozeß durch die Kreativität des Menschen in Syntax und Lexikon kompensiert.
Es ist leicht möglich, neue Wörter zu erfinden oder neue Wortstellungen im Satz zu schaffen.
Aber ein
Gewinn in einem Teilbereich – zum Beispiel im Wortschatz – bedeutet keine Zunahme in einem anderen, zum
Beispiel in der Formenlehre.
Die fehlenden synthetischen Formen werden zum Beispiel teilweise durch analytische
Formen ersetzt. Aber nur sehr selten werden neue synthetische Formen durch Verschmelzung aus analytischen
gebildet, wie das etwa beim französischen oder italienischen Futur der Fall war. Viele originale synthetische
Formen können ohnehin nicht durch solche spätere Verschmelzungen entstanden sein.
Psychologisch ist
der feststellbare sprachliche Abbauprozeß in der Trägheit der Sprechenden begründet. Der Mensch hat
eine generelle Tendenz, den mentalen und physischen Aufwand seiner Bemühungen zu minimalisieren – auch
beim Sprechen.
Dies führt zum Abschleifen phonologischer Elemente („Wörter“) und Eliminierung morphologischer
Strukturen und wurde als Gesetzmäßigkeit schon im 19. Jahrhundert – also ausgerechnet zur Zeit Darwins –
erkannt.
Man mag gerne glauben, daß sich die Sprachen in grauer Vorzeit „von selber“ höherentwickelte.
Doch seit es die Sprachaufzeichnung gibt, beobachten wir das genaue Gegenteil.