Dienstag, 6. März 2007 09:29
In einer Pfarrei im Bistum Mainz sind Pfarrer und Pfarrei aneinandergeraten.

Traute Pfarreifastnacht in St. Marien: Auftritt des Männerballetts „Schlappmäuler“
(kreuz.net, Viernheim) In der Gemeinde St. Aposteln in der Innenstadt von Viernheim herrscht Unfriede.
Die Stadt gehört zur Diözese Mainz und befindet sich in Südhessen.
Am 28. Februar sprach die lokale
Tageszeitung ‘Südhessen Morgen’ von einer „verfahrenen Situation“ zwischen Teilen der Pfarrei und dem
Pfarrer.
St. Aposteln wird gegenwärtig in einer Pfarrgruppe mit der Gemeinde St. Marien zusammengeführt.
Den Gläubigen ist klar, daß das für den Pfarrer von St. Marien, Hw. Ronald Givens, keine leichte Aufgabe
ist.
Gleichzeitig fühlen sich mehrere wichtige Kreise der Pfarrei von dem offenbar
cholerischen Geistlichen
vor den Kopf gestoßen.
Bereits Ende Januar gerieten Pfarrer und Gläubige aneinander. In einem Gottesdienst
kritisierte Pfarrer Givens Gruppierungen wie Katholische Arbeitnehmerbewegung, Kolpingsfamilie oder Frauenbund,
weil sie bei einer Podiumsdiskussion über Ladenöffnungszeiten nicht anwesend gewesen waren.
Zu den
Angegriffenen zählte damals auch die CDU, welche die Vorwürfe als „sachlich unbegründet und in der
Form unangemessen“ zurückwies.
Die Christdemokraten seien nicht über die Veranstaltung informiert gewesen.
Vor einer öffentlichen Äußerung hätte sich die Partei vom Pfarrer ein klärendes Gespräch gewünscht.
Pfarrer Givens sieht das anders. Er habe in der Kirche lediglich darauf hingewiesen, daß die Verantwortlichen
in dieser wichtigen Frage Stellung beziehen sollten. Überdies sei der Termin öffentlich bekannt gewesen.
Weitere Konfliktpunkte traten bei der Pfarrgemeinderatssitzung am 17. Februar zutage.
Das erste Thema:
Alkoholprobleme im Jugendzeltlager St. Aposteln.
Pfarrer Givens und sein Diakon Roberto Medovic verlangten
von Leitung und Küchenteam des Jugendzeltlagers ultimativ und vertraglich eine schriftliche Verpflichtung,
bei der Freizeit auf harte Alkoholika zu verzichten.
Das Vertragswerk ließen Pfarrer und Diakon von
einem Rechtsanwalt überprüfen.
Die Maßnahme erfolgte nicht grundlos. In der Vergangenheit gab es diesbezüglich
verschiedentlich Probleme.
Katholische Jugend und Küchenpersonal stimmen inhaltlich zu, fühlten sich
aber zu Unrecht angegriffen und unter Druck gesetzt.
Sie bemängelten eine „mangelnde Gesprächsbereitschaft“.
Pfarrer und Diakon pochten auf ihre Verantwortung und ließen durchblicken, daß sie den Beteuerungen
der Betroffenen keinen Glauben schenkten.
Schon im folgenden Tagesordnungspunkt kam der nächste Konflikt
ans Licht: Der Liturgie-Ausschuß von St. Aposteln erklärte seine Auflösung.
Das Gremium begründete
seinen Entscheid damit, daß Pfarrer Givens seine Teilnahme an den Sitzungen aufgekündigt habe. Damit
sei eine weitere Arbeit nicht möglich.
Der Pfarrer begründete seine „vorübergehende“ Absenz mit Terminschwierigkeiten.
Darum werde er von einem anderen Hauptamtlichen im Ausschuß vertreten.
Kritiker des Pfarrers glauben,
daß die Auflösung des Liturgie-Ausschusses mit einem Gespräch in Güte zu verhindern gewesen wäre.
Jetzt mehrten sich die Stimmen, die eine neutrale Streitschlichtung fordern.
Der ‘Südhessen Morgen’
zitiert den Brief eines Mitglieds des Pfarrgemeinderats. Dieser bittet alle Beteiligten nachzudenken,
statt „Öl ins Feuer“ zu gießen.
Bei einigen Personen herrsche ein „abgrundtiefes Mißtrauen“ gegenüber
Pfarrer und Diakon.
Der Autor wünscht sich, daß es uns in Zukunft gelinge, bei Diskussionen klar zwischen
der Sache und dem Beziehungskonflikt zu unterscheiden.
Vor allem mit Blick auf das Thema Alkohol im Zeltlager
betont der Schreiber:
„Mit »Und damit Basta«-Strategien ist noch nie in der Erwachsenen- und Jugendarbeit
etwas Positives erreicht worden.“