11:14:34 | Donnerstag, 26. April 2007
Mitten in der Nacht taucht ein 16jähriges Mädchen, das aus der staatlichen Obhut geflüchtet ist, wieder bei seinen Eltern auf. Interview mit Melissa Busekros.

Familie Busekros. Mutter Gudrun Busekros hat heute Geburtstag. Sie feiert gemeinsam mit allen Kindern.
(kreuz.net) Am 23. April – ihrem 16. Geburtstag – tauchte Melissa Busekros, um etwa 3.00 Uhr unerwartet
bei ihrer Familie auf.
Melissa war Anfang Februar vom Jugendamt zuhause abgeholt und zwangsweise in die
Psychiatrie eingeliefert worden.
Melissa, was war der Grund für Deine nächtliche Heimkehr?Melissa
Busekros: Ich wollte einfach meinen Geburtstag im Kreise meiner Familie feiern.
Zuletzt hast Du auf einem
Bauernhof gelebt. Wie hat es Dir dort gefallen?Melissa Busekros: Es ging mir gut in der Pflegefamilie.
Aber frei habe ich mich nicht gefühlt.
Ich habe immer deutlich gesagt, daß ich nach Hause wollte. Doch
das schien das Jugendamt nicht zu interessieren.
Als ich merkte, daß mein Wille nicht respektiert wird
und das Gericht wochenlang nicht über meine Beschwerde entscheidet, faßte ich den Entschluß wegzugehen,
weil ich meine Familie sehr vermißt habe.
Wie haben Deine Eltern und Geschwister reagiert, als Du mitten
in der Nacht bei ihnen aufgetaucht bist?Melissa Busekros: Sie haben sich alle riesig gefreut. Meine
Mutter und ich haben meinen Vater und die Geschwister geweckt.

Zu ihrem 16. Geburtstag bekam Melissa zahlreiche Glückwünsche.
Sie sahen mich mit ungläubigen Augen
an und begrüßten mich freudig im Halbschlaf.
Am nächsten Morgen konnte sich mein neunjähriger Bruder
nicht mehr an die nächtliche Schlafunterbrechung erinnern und war ein zweites Mal erstaunt.
Die beiden
Kleinen, zwei- und vierjährig, spielten mit mir, als wäre ich nie weg gewesen. Jetzt ist die Runde am
Tisch wieder vollständig.
Seit Anfang Februar versuchte man Dich von Deiner Familie fernzuhalten. Wie
hast Du das erlebt?Melissa Busekros: Es war schon sehr schlimm, daß wir nur so kurz miteinander sprechen
oder uns sehen konnten. Aber Gott war immer bei mir und hat mir Mut gegeben.
Auch hatte ich viel mehr
Zeit, in der Bibel zu lesen. Ich bekam viel ermutigende Post aus aller Welt, gute Bücher und nette Geschenke
zugeschickt.
Viele schrieben, daß sie für mich beten. Das war ein großer Trost.
Welches Erlebnis
der letzten drei Monate ist Dir am stärksten in Erinnerung?Melissa Busekros: Eins werde ich nie vergessen:
Die Polizei kam zum zweiten Mal an unsere Haustür und brachte ein riesiges Einsatzkommando mit.
Als
sie mit mir ins Auto stiegen und fort fuhren, stand meine Schwester auf dem Vordach über der Eingangstür
und hat verzweifelt ausgerufen, „Das ist doch meine Schwester! Das können Sie doch nicht tun!“ Das war
wie ein Alptraum.
Bevor ich in die Einrichtung nach Würzburg kam, mußte ich einige Tage in einer Inobhutnahme
bei Schweinfurt verbringen. Keiner sagte mir, wo ich war und warum ich dort war. Auch konnte ich meine
Eltern nicht anrufen.
Die Fenster waren abgeschlossen. Ich verbrachte den ganzen Tag mit Schlafen, Essen
und ein bißchen Fernsehen oder Radiohören.
Der Aufenthalt dort war eines der schlimmsten Erlebnisse.
Man hat Dich aus Deiner Familie herausgenommen, weil Du nicht zur Schule
gingst. Wurdest Du seit Anfang Februar unterrichtet?Melissa Busekros: Nein, im Gegenteil. Meinen Volkshochschulkurs
zum Erreichen des Cambridge Zertifikates mußte ich abbrechen.
Zwar hatte ich meine Schulsachen dabei.
Aber meine Gedanken schweiften oft nach Hause.
Auf dem Bauernhof machte ich ein ländliches Hauswirtschaftspraktikum.
Meine Eltern haben das ILS-Fernschulprogramm [Institut für Lernsysteme in Hamburg] vorgeschlagen. Das
halte ich auch für eine gute Lösung.
Doch das Jugendamt lehnte ab, beim Schulamt den Antrag auf Befreiung
von der Berufschulpflicht zu stellen, weil erst mein „schulischer Bedarf“ festgestellt werden sollte.
Aber einem vom Gericht bestellten Gutachter wollte ich nicht mehr vertrauen.
Zu Deinem Geburtstag bekamst
Du nicht nur Glückwünsche von anderen Heimschulfamilien – auch die Medien besuchten Dich. Wie gehst
Du mit dieser großen Aufmerksamkeit um?Melissa Busekros: Ich bin darüber nicht schockiert, wie mal
behauptet wurde. Im Gegenteil. Ich denke, die öffentliche Aufmerksamkeit bietet mir einen gewissen Schutz.
Es dauert ja nicht ewig. Ich hoffe, der Beschluß wird bald aufgehoben. Auch wäre es toll, wenn der
Hausunterricht aufgrund der vielen Berichte mehr Anhänger findet und bald in Deutschland erlaubt wird.
Haben sich die Behörden schon bei Dir und Deinen Eltern gemeldet?Melissa Busekros: Nein, wir haben
uns zuerst bei den Behörden gemeldet. Auch ließ ich durch meinen Anwalt der Pflegefamilie ausrichten,
daß ich zu Hause gut angekommen bin.
Du bist jetzt 16 Jahre alt. Hast Du Pläne, wie es in Deinem Leben
weitergehen soll?Melissa Busekros: Ich würde gerne versuchen, mein Abitur zu machen.
Ich könnte mir
das mit ILS sehr gut vorstellen, schließe aber auch nicht aus, wieder auf ein öffentliches Gymnasium
zu gehen. Das lege ich in Gottes Hände.
Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen und Gottes
Segen zu Deinem Geburtstag.