Donnerstag, 21. Juni 2007 09:44
Hauptsache nicht fromm
In einer Stuttgarter Pfarrei wurden die Gläubigen immer weniger. Deswegen beschloß man, den Kirchenraum auf den Kopf zu stellen. Das Ergebnis: eine Mischung aus Stahl, Erde und britischem Unterhaus.
Im modernisierten Kirchenraum St. Antonius "war die Liturgie Bauherrin".
Im modernisierten Kirchenraum St. Antonius „war die Liturgie Bauherrin“.
(kreuz.net, Stuttgart) Der Innenraum der katholischen Kirche St. Antonius ist jüngst modernisiert worden. Nach siebenjähriger Bauzeit wurde die 75 Jahre alte Kirche zu einem lagerhallenähnlichen Versammlungsraum umfunktioniert.

Der Umbau sei aufgrund des „unvermeidlichen Verschleiß“ nach einer 70jährigen Nutzung notwendig geworden. Auch der Verschleiß – Rückgang – der Gläubigen hat die Modernisierung notwendig gemacht.

Ein des Lobes voller Artikel in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ erklärt:

„Was sich nun nach siebenjähriger Bauzeit präsentiert, ist nicht nur einer der anspruchsvollsten Umbauten der Stadt, sondern mustergültig für alle deutschen Gemeinden mit ähnlichen Problemen: Die Liturgie war die eigentliche Bauherrin.“

Anstatt den Kirchenraum zu sanieren, beschloß man, sein Innerstes radikal umzubauen und an die „geänderten Gottesdienstformen der Gegenwart anzupassen“ – so die Zeitung.

Das Projekt wurde vom Architekten Günter Pfeifer aus Darmstadt realisiert.

Webseite der Künstlerin Madeleine Dietz. Sie arbeitet mit Stahl und getrockeneter Erde
Webseite der Künstlerin Madeleine Dietz. Sie arbeitet mit Stahl und getrockeneter Erde
Denkmalamt und Bischof gaben dazu ihren Segen.

Der Kirchenraum präsentiert sich nicht mehr als Langhaus, so wie er im Jahr 1932 von Architekten Hans Herkommer († 1956) geschaffen wurde, sondern ist jetzt ein Zentralraum.

Anstatt der Kirchenbänke befinden sich an beiden Längsseiten des Raums Holzstühle. Die Gläubigen sitzen einander – ähnlich wie im Britischen Unterhaus – gegenüber.

In der Mitte des Raums steht der Altar. Ihm gegenüber der Ambo. Die Orgel befindet sich im Eingangsbereich des Sakralbaus. Sie bildet mit Ambo, Altar und Altarbild eine Achse.

„Frömmelndes Kunstgewerbe sucht man in der Innenausstattung vergebens“ – weiß die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’. Für die Neugestaltung von Altar, Ambo, Tabernakel, Taufbecken und Marienkapelle wurde die Künstlerin Madeleine Dietz engagiert.

Sie bevorzuge „archaisierende Motive“, die sie in Stahl und getrockneter Erde umsetze.
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