13:52:58 | Mittwoch, 11. Juli 2007
Wie bereitet sich die Kirche in Österreich auf den Papstbesuch vor? Mit dem Verkauf von Körpergiften und der Publikation unmoralischer Ethik-Richtlinien? Von Dr. Tamás Csáky-Pallavicini.

Der Grazer Bischof Egon Kapellari erläutert seinen Mitbrüdern im Juni in Mariazell Details zum Papstbesuch.
© Pressebild/ www.papstbesuch.at(kreuz.net, Wien) In Österreich beteiligen sich Apotheken der Barmherzigen Brüder an der Abtreibung
und an der Kultur des Todes. Das geschieht unter anderem durch den Verkauf der
„Pille danach“.
Zweifellos
befinden sich Apotheken der katholischen Ordensspitäler in einem Dilemma. Dieses Dilemma besteht darin,
daß die Apotheken verpflichtet sind, die Versorgung der Bevölkerung mit allen staatlich zugelassenen
Arzneimitteln sicherzustellen.
Doch die Abgabe einer Untergruppe dieser Arzneimittel stellt teilweise
die notwendige Bedingung für die straffreie Durchführung der Kinderabtreibung dar.
Erschwerend tritt
hinzu, daß die Ordensapotheken diese Abtreibungsmittel an Lager haben – also nicht nur im Bedarfsfall
erst bestellen – und daß sie diese Tötungsmittel neu auch ohne ärztliches Rezept im sogenannten Notfall
sofort abgeben dürfen.
Die katholischen Ordensspitäler veröffentlichen keine Statistiken über die
Zahl der abgegebenen Abtreibungspillen. Dennoch besteht der Verdacht, daß katholische Ordensspitäler
massiv an der Abtreibung beteiligt sind – auch wenn sie zweifellos nicht deren entscheidende Ursache sind.
Vorauseilender Gehorsam?In diesem Zusammenhang ist ein Punkt besonders herauszustellen: Es ist rechtlich
bislang nicht ausjudiziert, ob österreichische Apotheken wirklich Abtreibungs- und Verhütungsmittel
vertreiben und auf Lager haben müssen und ob es bei Verstoß zu Sanktionen seitens des Gesetzgebers kommen
kann.
In Österreich ist gesetzlich festgeschrieben, daß niemand gezwungen werden darf, an einer Abtreibung
mitzuwirken.
Die Abgabe eines potentiell tödlichen Medikamentes wie der „Pille danach“ muß als Bereitschaft
zur Mitwirkung an einer Kinderabtreibung betrachtet werden.
Die vorgeburtliche Kindertötung ist ein
verabscheuungswürdiges Verbrechen, das von der Kirche mit der Exkommunikation bestraft wird.
Bei dem
Verkauf von Abtreibungsprodukten durch katholische Apotheken handelt es sich also um eine Art vorauseilenden
Gehorsams in Sachen Kultur des Todes.
Katholische Apotheken – insbesondere die sechs Apotheken des Spitalordens
der Barmherzigen Brüder Österreichs – beteiligen sich somit an der Durchführung eines Teiles der Abtreibungen
in Österreich.
In den Ordensapotheken findet bei der Abgabe der Tötungsprodukte meiner Kenntnis nach
in der Regel keine Pro-life-Beratung statt. Dazu gibt es auch keine staatlichen Richtlinien.
Ethikkodox
Es ist hinzuzufügen, daß die Barmherzigen Brüder Österreichs in diesem Jahr leider auch einen neuen
skandalösen Ethikcodex ins Internet gestellt haben. Er ist für alle Spitäler als Vorbild gedacht. In
seiner ethischen Ausrichtung widerspricht er der Moral der Kirche in grundlegenden Kernpunkten.
Viele
katholische Angestellte von Ordensapotheken sowie die Kirche selber, in deren Auftrag Ordensapotheker
handeln, geraten dadurch in eine Situation, die mit ihren Überzeugungen in Sachen Lebensschutz und dem
Ziel der geordneten Abgabe von Arzneimitteln zur Bekämpfung von Beschwerden und Krankheiten in Konflikt
steht.
Gegen ihre Absicht werden sie in den Vollzug eines Gesetzes verwickelt, der zu unmoralischem Handeln,
ja zur Tötung unschuldiger Menschen führt und vielen zum Ärgernis gereicht.
Nach Abwägung aller Argumente
kann ich mich der Auffassung nicht entziehen, daß hier eine Zweideutigkeit vorliegt, welche die Klarheit
des Zeugnisses der Kirche und ihrer Ordensapotheken verdunkelt.
Appell an die BischöfeDeshalb möchte
ich die Bischöfe Österreichs eindringlich bitten, Wege zu finden, daß Abtreibungspräparate und andere
medizinische Produkte, die nicht der Heilung sondern der Tötung dienen, in kirchlichen oder der Kirche
zugeordneten Apotheken nicht mehr abgegeben werden.
Die Bischöfe sollten auch dafür sorgen, daß katholische
Apotheker und ihre Mitarbeiter in ethischen Fragen geschult werden. Das scheint derzeit zu wenig zu geschehen.
Dieses Übel ist bereits seit Jahren von gläubigen Menschen aller Schichten immer wieder angemahnt worden.
Leider haben sich die Dinge nicht zum Besseren gewendet.
Die Abgabe der „Pille danach“ verwickelt die
Kirche in die Tötung unschuldiger Kinder in ihrer frühesten Entwicklungsphase, wo sie des größten
Schutzes bedürfen und statt dessen oft der größten Willkür ausgesetzt sind.
Die Glaubwürdigkeit
des unbedingten kirchlichen Widerspruchs gegen die Abtreibung erleidet dadurch Schaden.
Der Verfasser
ist Arzt für Allgemeinmedizin in Wien.