Freitag, 20. Juli 2007 11:07
Im Turm läuten die Alarmglocken
Tankstellen, Toilettenhäuschen und Fabrikgebäude aus den 50er Jahren stehen auf der Denkmalliste der Stadt Bochum. Aber die Marienkirche?
(kreuz.net, Essen) Über der Marienkirche in Bochum hängt immer noch die Abrißbirne. Das berichtete der Bochumer ‘Stadtspiegel’ am 14. Juli.

Der Förderverein ‘Pro Marien Kirche’, der sich für das Gotteshaus einsetzt, ist in Panik. Seit Jahren fordert der Verein, daß die Stadt die inzwischen säkularisierte Kirche unter Denkmalschutz stellt.

Doch der jüngste Brief der Bochumer Oberbürgermeisterin, Ottilia Scholz, gibt keinen Anlaß zur Freude.

Anfang Mai wendete sich der Förderverein an die Oberbürgermeisterin und forderte sie erneut auf, die Kirche sofort unter Denkmalschutz zu stellen.

Diese Forderung wurde durch ein Gutachten des Kirchenbaurates Dr. Ing. Gerhard Pasch aus Leipzig unterstützt.

Die Antwort der Oberbürgermeisterin alarmierte den Verein: „Die Oberbürgermeisterin negiert das Gutachten von Dr. Pasch völlig. Sie lehnt den Denkmalschutz für die Marienkirche weiterhin ab“ – erklärt ein Vertreter des Vereins.


Der Vorstand vermutet außerdem, daß der örtliche Bochumer Klerus – der für einen Abriß der Kirche ist – Einfluß auf die Stadtbehörden besitzt.

Für seine Vermutung zitiert der Förderverein aus dem Brief der Oberbürgermeisterin:

„Parallel dazu ist auch die Variante zu prüfen, was passiert, wenn sich niemand findet, der ökonomisch die berechtigten Interessen der katholischen Kirche befriedigen will und somit das Gebäude selbst zum Hindernis für die Vermarktung wird.

Vor dem Hintergrund einer möglichen wirtschaftlichen Unzumutbarkeit bliebe aus Sicht der Stadt Bochum letztendlich nur der Weg über den Abriß und die dann anschließende Neubebauung.“

Von einem Abriß will der Förderverein nichts wissen. Für ihn ist die Marienkirche unbestritten ein Denkmal.

Das ergibt sich für ihn zum Beispiel aus der einzigartigen Stellung der Kirche zur Zeit des Kulturkampfes und ihrer Bedeutung für die Entwicklung der ersten Bochumer Stadterweiterung.

Den Zweiten Weltkrieg überlebte die Kirche dagegen mit Mühe: Nur der siebzig Meter hohe Kirchturm blieb wie durch ein Wunder vollkommen unversehrt.
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