Mittwoch, 8. August 2007 18:10
Von einem Extrem ins andere
Die Niederlande sind ein Beispiel dafür, wo eine ultraliberale, von der Religion losgelöste Gesellschaft endet: in Rassismus und dem Ruf nach dem starken Mann.
Lage der Niederlande in der Europäischen Union
Lage der Niederlande in der Europäischen Union
(kreuz.net) Die Niederlande sind in den letzten Jahren von einem Extrem ins andere geschlittert. Das berichtete Dirk Schümer am 6. August in der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’: „Vom laxen Paradies der Drogen, der sexuellen Freiheit und der Euthanasie schwenkte man gespenstisch schnell um ins Gegenteil.“

Heute gibt es nach Angaben von Schümer in den Niederlanden eine scharfe Kontrolle der Zuwanderung, hartes Durchgreifen bei Ausländerkriminalität, kein Pardon bei Ablehnung von Asylbescheiden und ein zuweilen verbissenes Festhalten an der nationalen Identität:

„Bei alldem wollen sich die ehrgeizigen und patenten Holländer nun ebenso wenig etwas vormachen lassen wie zuvor beim Laissez-faire.“

Die ‘Frankfurter Allgemeine’ sieht die Wende nach dem Mord an dem rechtsextremen niederländischen Politiker Pim Fortuyn im Mai 2002.

Heute unterstütze sogar die altsozialistische SP die harten Maßnahmen meist.


Bei allem scharfen Durchgreifen im eigenen Land würden die Niederländer ihre eigenen Sünden bei der Invasion und Unterdrückung islamischer Länder – von Indonesien 1947 bis Irak 2007 – gerne verdrängen.

Darum ist es für den halbjüdischen Schriftsteller Harry Mulisch kein Problem, den Islam mit dem Nationalsozialismus zu vergleichen.

In seiner Jugend sei er für einen Witz über Hitler in Lebensgefahr gewesen und heute drohe ihm das gleich für einen Witz über Mohammed.

Das Land schlittert von einem Extrem ins andere. Früher haben die Niederländer auf ihre individuelle Freiheit gepocht. Heute könnten die Maßnahmen zur inneren Sicherheit den meisten Bürgern „gar nicht weit genug gehen“ – so die ‘Frankfurter Allgemeine’:

„Es ist, als hätte sich ein Ventil geöffnet – mit allem berechtigtem Ärger und Argwohn, aber auch mit allerhand üblem Dampf.“

So erwähnt die ‘Frankfurter Allgemeine’ einen assimilierten Imam, der vor zwei Monaten verbittert das Land verließ. Sein Auto wurde an seinem Wohnort immer wieder beschädigt und seine Familie bedroht.

Der Imam flüchtete sich nach Deutschland.

© Titelbild: David Liuzzo
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